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Jymmin als Mittel musikalischer Horizonterweiterung

28.02.2017 -- Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts (MPI) für Kognitions- und Neurowissenschaften haben herausgefunden, dass die körperliche Anstrengung beim Musizieren die Wertschätzung der erzeugten Klänge erhöht, auch wenn sie nicht dem eigenen Musikstil entsprechen.

 

Bisher sei man davon ausgegangen, schreibt das Institut, dass Musik nur als schön empfunden wird, wenn sie dem eigenen persönlichen Geschmack entspricht. Wer eher auf die härteren Töne von Metal-Musik steht, kann sich kaum für die leichteren Melodien von Schlagern begeistern. Wer sich am liebsten den Klängen italienischer Opern hingibt, kann den monotoneren Bässen von elektronischer Musik nichts abgewinnen.

 

Allerdings scheint dieses Empfinden stark davon abzuhängen, in welcher Form wir Musik erleben. «Wir beobachteten immer wieder, dass Grossväter mit ihren Enkeln elektronische Musik wie Drum and Bass total geniessen, obwohl sie mit dieser Richtung sonst gar nichts am Hut haben», so Tom Fritz vom MPI. Sobald sie Musik selbst aktiv erzeugten statt sie nur passiv zu konsumieren, verändere sich ihr ästhetisches Empfinden gegenüber anderen Musikstilen oft grundlegend.

 

Besonders stark sei dieser Effekt beim sogenannten Jymmin zu erleben, einer Methode, deren Name sich aus einer Kombination aus «jamming» und «gym» ableitet, einer Mischung aus freiem musikalischen Improvisieren und Sport. Dabei werden Fitnessgeräte so modifiziert, dass über die daran ausgeführte Sportübung Musik erzeugt werden kann. Über die Stärke der Bewegung per Bauchmuskeltrainer, Zugstange oder Stepper lassen sich dann die einzelnen Töne erzeugen und modifizieren. Sportgeräte können so mit Hilfe einer speziellen, am MPI entwickelten Kompositionssoftware wie Musikinstrumente genutzt werden. (cf) 

 

Originalpublikation:
Tom Fritz, Lydia Schneider, and Arno Villringer, «The Band Effect – Physically strenuous music making increases aesthetic appreciation of music», Frontiers in Neuroscience (2016) 10, 448.

 


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