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Bayerische Staatsoper kann Poulenc-Inszenierung wieder zeigen

23.06.2017 -- In einem Rechtsstreit rund um Francis Poulencs Oper «Dialogues des Carmélites» in der Inszenierung von Dmitri Tcherniakov an der Bayerischen Staatsoper hat der Oberste französische Gerichtshof einen Grundsatzentscheid gefällt. Er hat entgegen dem Willen der Poulenc-Nachkommen die Künstlerfreiheit des Regisseurs anerkannt.

 

Die Nachkommen machten geltend, dass die Umsetzung der Schlussszene durch Tcherniakov das Werk abwandle und entstelle. In der Interpretation rettet die Hauptfigur Blanche de la Force ihre Mitschwestern vor dem Tod und kommt als Einzige ums Leben. Nach Meinung der Erben müsste der Märtyrertod aller Nonnen jedoch zwingend szenisch umgesetzt werden, um die Kernaussage des Werkes zu treffen. Die Staatsoper hielt und hält eine Verletzung der von den Erben geltend gemachten Urheberpersönlichkeitsrechte für ausgeschlossen, da Text und Musik der Oper völlig unverändert sind.

 

Die Kernaussage des Werkes sei respektiert, so die Rechtsanwältin Judith Adam-Caumeil, weil die Nonnen dazu bereit waren, zu sterben, selbst wenn sie schliesslich gerettet wurden. Daher könne Tcherniakov keine Entstellung des ursprünglichen Werkes vorgeworfen werden. Die Aufführungen in der Saison 2020/21 können nun unverändert gezeigt werden. Zusätzlich wird die DVD der Inszenierung wieder erhältlich sein. Die Tragweite des Urteils beschränkt sich nicht nur auf die Oper, sondern nach Einschätzung von Adam-Caumeil auf die gesamte künstlerische Szene – Ballett, Theater, Kino.

 

In erster Instanz wurde die Klage abgewiesen. Das Tribunal de Grande Instance de Paris stellte ausdrücklich fest, dass die Inszenierung die Themen, die den Kern des Werks bilden, respektiert. In zweiter Instanz hatte das Oberlandesgericht Paris zunächst den Nachkommen recht gegeben. (cf)


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