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Dossiertexte

Agnès Jaoui: Nostalgias

Cover CD03.11.2015 – In den letzten Jahrzehnten hat sich eine Art interkontinental-paneuropäische Volksmusik herausgebildet, eine eklektische, aber authentische Musik, die Motive der populären Musikkulturen von Russland über Osteuropa und den Balkan, die Mittelmeerländer bis zu den Ablegern in Lateinamerika aufnimmt. Ihr eigentümlicher Charakter und ihre Legitimation als kreative Weiterentwicklung lokaler Traditionen wird geprägt durch die freiwillige und unfreiwillige Migration als alles durchdringendes Thema. Sie verleiht diesen Klangwelten den verletzlichen und melancholischen Grundton. So sind es denn auch vornehmlich die vielfach entwurzelten Volksgruppen Europas, die ihr den Stempel aufdrücken: Roma, Sinti, Gypsys, Juden, mediterrane und osteuropäische Migranten in Kuba, Brasilien, Argentinien ‒ mit ihren eigenen Stilen wie Czardas, Klezmer, Jazz manouche, Musette, Flamenco, Fado, Mornas, Son, Tango…

 

Cover CD03.11.2015 – In den letzten Jahrzehnten hat sich eine Art interkontinental-paneuropäische Volksmusik herausgebildet, eine eklektische, aber authentische Musik, die Motive der populären Musikkulturen von Russland über Osteuropa und den Balkan, die Mittelmeerländer bis zu den Ablegern in Lateinamerika aufnimmt. Ihr eigentümlicher Charakter und ihre Legitimation als kreative Weiterentwicklung lokaler Traditionen wird geprägt durch die freiwillige und unfreiwillige Migration als alles durchdringendes Thema. Sie verleiht diesen Klangwelten den verletzlichen und melancholischen Grundton. So sind es denn auch vornehmlich die vielfach entwurzelten Volksgruppen Europas, die ihr den Stempel aufdrücken: Roma, Sinti, Gypsys, Juden, mediterrane und osteuropäische Migranten in Kuba, Brasilien, Argentinien ‒ mit ihren eigenen Stilen wie Czardas, Klezmer, Jazz manouche, Musette, Flamenco, Fado, Mornas, Son, Tango…

 

Es sind in den vergangenen Jahren in den verschiedensten Ländern zahlreiche Musikgruppen aktiv geworden, die entweder die Stile mischen oder sie aus andern Gegenden aufnehmen. Typisch ist etwa der finnische Tango, aber auch lokale Formationen wie das Berner Traktorkestar, das Balkanmusik spielt, und Festivals, die den Weiterentwicklungen Raum geben wie das Kremser Glatt und Verkehrt oder die Stanser Alpentöne.

 

In diesem höchst kreativen Umfeld setzt die Sängerin Agnès Jaoui, die nicht zufällig auch Schauspielerin ist, einen Glanzpunkt, ist diese Art von Musik doch zugleich höchst narrativ wie auch emotional. Jaoui hat sie als Tunesierin mit jüdischen Wurzeln, die in Frankreich lebt, sozusagen im Blut. Sie legt mit ihrem brillanten Ensemble «El Quintet oficial» und weiteren Musikern –, einem kleinen Chor, Holzbläsern und Streichern – ein durch und durch gelungenes Album vor: «Nostalgias». Es ist auch der Titel eines Klassikers der Tangoliteratur von Juan Carlos Cobián, den Jaoui mit dem legendären argentinischen Pianisten Gustavo Beytelmann an den Schluss setzt. Die Version beweist eindrücklich, dass man wohlbekannte, festgefügte Traditionen aufbrechen kann, ohne in Sachen  Wahrhaftigkeit und Expressivität Einbussen hinnehmen zu müssen. Es gibt immer Alternativen.

 

«El Quintet oficial» besteht aus Flöten, Kontrabass, Gitarren, Bandoneon, die Arrangements sind hochklassig und geben der warmen und sinnlichen Stimme Agnès Jaouis genug Raum. Das Ensemble entstand unter dem Eindruck einer Kubareise der Sängerin noch vor dem Erfolg des Filmes «Buena Vista Social Club». Daneben nennt Jaoui als Inspirationen Innovatoren lokaler Stile wie die Portugiesische Fadista Misia oder die Nuevo-Flamenco-Vertreter Ojos De Brujo, aber auch Christina Pluhar als Barockinterpretin.


Info:
Nostalgias, Agnès Jaoui y el quinteto oficial. Warner Classics 2015


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