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Bill Holman zu Gast beim ZJO

 

13.12.2014 -- Da hat das Zurich Jazz Orchestra (ZJO) etwas geleistet. Es hat den Saxophonisten, Arrangeur und Komponisten Bill Holman überzeugt, mit 86 Jahren den sicherlich beschwerlichen Weg von Kalifornien nach Zürich auf sich zu nehmen, um mit der Big Band der Zwingli-Stadt einige seiner Arrangements und Kompositionen auf die Bühne zu bringen. Die Bühne, das ist in diesem Fall das kleine Theater Miller’s Studio gleich hinter dem Bahnhof Tiefenbrunnen (und in Wurfnähe zum Haus des Zürcher Kammerorchesters).

 

Die (vorwiegend älteren) Besucher des Anlasses erleben in ganz unspektakulärer Atmosphäre ein ziemlich spektakuläres Stück Musikgeschichte, ist Holman doch einer der prägenden Repräsentanten des West Coast Jazz der Nachkriegsära und als Arrangeur für Grössen wie Sarah Vaughan, Ella Fitzgerald, Tony Bennett, Natalie Cole, ja sogar noch für Michael Bublé ein mit allen Wassern gewaschener Orchestervirtuose, der den Sound der Neuzeit mitgeformt hat, auf der andern Seite mittlerweile selber zum Klassiker avanciert ist.

 

Holman dirigiert das ZJO im Miller’s Studio, das mit der Reverenz auch den Auftakt zu einer vermehrten Programmierung von Jazzkonzerten in dem Lokal gibt, in einem faszinierenden Querschnitt durch seine Arbeiten für die klassische Big-Band-Besetzung. In trocken-launischer Art führt der Gast selber durchs Programm, das von bodenständigen Blues-Nummern über Eigenkompositionen wie Front Runner oder dem vollständig durchkomponierten Theme and Variations Nr. 2 bis zu Arrangements von Standards reicht ‒ etwa Sonny Rollins Airegin, dessen Calypso-Nummer St. Thomas, Monks Ruby My Dear, Alfred Newmans Moon of Manakoorah oder John Klenners Just Friends

 

Aussen vor bleiben muss zwangsläufig ein wichtiger Aspekt von Holmans Schaffen, nämlich seine Arbeiten mit und für grössere Formationen in den Zwischenwelten von Jazz und Klassik. Dem niederländischen Jazzkritiker Jan Rensen gegenüber hat er einmal (das war in den 1990er-Jahren) erklärt, in Europa würden mit Big-Band-Sound die Formationen von Duke Ellington, Count Basie oder Stan Kenton assoziiert, in den USA noch rückwärtsgewandter diejenige Glenn Millers. Es sei bedauerlich, dass die Big Band dieses nostalgische Image habe, so hat er denn auch Kompositionen geschrieben wie Further Adventures oder Issues and Answers, die er mit Big Bands, erweitert um Streicher, Holzbläser, Harfe und Synthesizer eingespielt hat.

 

Mit dem ZJO habe er «jede Minute der Zusammenarbeit genossen», erklärt Holman auf der Zürcher Bühne, und er ist des Lobes voll für das Können des Kollektivs. Tatsächlich erweist die Band der Musik mit Druck, Präzision, viel Swing und Spielfreude Reverenz, mit unterschiedlich gelingenden Soli in der hoch aufgeladenen Arena der Big-Band-Virtuosität. Es hat damit ein Zeichen gesetzt. Im Laufe seiner aktuellen Saison wird es in Zürich, Winterthur und in Sarnen weiteren Persönlichkeiten rund um das Big-Band-Universum Raum geben: Konzerte gewidmet sein werden unter anderem der Musik von Don Ellis, Count Basie, Hermeto Pascoal, Frank Sinatra oder René Twerenbold.


Info:
11. Dezember 2014, Miller's Studio Zürich: Zurich Jazz Orchestra presents Bill Holman. Webseite: www.zjo.ch

 


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