Onlinemagazin für Klassik, Jazz, Weltmusik und Musikwirkungsforschung

 

 

Minenfeld Musikergagen

 

 von Wolfgang Böhler

 

Porträt Wolfgang Böhler01.05.2015 – Zum Tag der Arbeit: Musikergagen sind ein Minenfeld für alle, die mit dem Betrieb wenig vertraut sind (und für die, die damit vertraut sind, auch, also eigentlich für alle). Wer öffentlich Jobs anbietet, die mikrig bezahlt werden, muss mit Shitstorms rechnen ‒ von seiten der Musikergewerkschaften und -verbände und von Musikern. Wer fern von kulturellen Netzwerken Konzerte zu Tarifen veranstalten will, die den Tarifvorstellungen der Verbände entsprechen, kann häufig rechnen wie er will, seine Budgets werden am Schluss rot aussehen, es sei denn, er oder sie gehören zu irgendwelchen Inner Circles, die irgendwo irgendwelche grosszügigen Sponsoren- und Mäzenengelder abholen können.

 

Um die ganze Sache komplizierter zu machen, verhalten sich viele Musiker inkonsequent. Sie protestieren öffentlich, sind privat aber durchaus bereit, untertarifliche Angebote zu akzeptieren, um wenigstens überhaupt mal Auftrittsgelegenheiten zu haben. Der Musikmarkt ist ein Käufermarkt und es gibt viel zu viel gute, sehr gute, ja auch exzellente Musiker und Musikerinnen. Das ist für die Kreativität und Vitalität des Musiklebens gut, macht das Überleben aber für alle, ausser die künstlerischen oder kommerziellen Überflieger, schwierig.

 

In die Falle getappt ist in Luzern die Brasserie Bodu. Ihre Betreiber offerierten Studierenden (naiverweise) öffentlich Auftrittsgelegenheiten gegen einen Verpflegungsgutschein. Auf Facebook provozierte das Lokal damit einen Sturm der Entrüstung: Frechheit, Zumutung, Spinnerei, mies, Angebot von Vollpfosten… halt das Kabinett der üblichen Verdächtigen unter den Online-Schmähungen hat sich über die Brasserie ergossen. Laut einem Bericht des Innerschweizer Onlinemagazins zentralplus hatten die Brasseristen nur gute Absichten. Sie hätten den Auszubildenden etwas bieten wollen, und die Idee sei mit der Musikhochschule besprochen worden. Von deren Seite seien keine Bedenken geäussert worden.

 

Es gibt aber durchaus Veranstalter, die in dem schwierigen Umfeld in Form einer Win-Win-Situation Gutes zu tun in der Lage wären: Chancen bieten könnten den Nachwuchsmusikern vor allem die zahllosen Blasmusik- und Chorvereingungen im Land, die für ihre Jahreskonzerte, Unterhaltungsabende und für weitere Anlässe Anregungen suchen. Sie wären mit einem Link zu den Musikhochschulen in der Lage, gleich drei Fliegen auf einen Schlag zu treffen. In Zusammenarbeit mit jungen, hungrigen Musikerinnen und Musikern könnten sie hochklassige interessante Programme gestalten, Brücken schlagen zwischen urbaner und ländlicher Kultur und etwas Substantielles für die Nachwuchsförderung tun. Viele von ihnen haben nach wie vor genug Geld in den Schatullen, um angemessene Gagen zu bezahlen.

 

Die Musikhochschulen stellen entsprechende Angebote zur Verfügung. In Bern etwa vermittelt www.kult-agentur.ch Studierende für Anlässe aller Art.


Nachrichten

Im Gespräch

Kritiken

     

 

Ensembles, Veranstalter, Musikhochschulen

Impressum
AGB/Datenschutz