Onlinemagazin für alle Bereiche der klassischen Musik

 

 

Wer bestimmt den BAK-Musikpreis-Gewinner?

  von Wolfgang Böhler

 

Porträt Wolfgang Böhler

16.05.2015 – Das Bundesamt für Kultur (BAK) wählt zum zweiten Mal einen Empfänger (oder eine Empfängerin) des neugeschaffenen Schweizer Musikpreises. Es verteilt dabei ziemlich viel Geld, je 25‘000 Franken für eine Nomination. Bei 15 Nominierten sind dies 375‘000 Franken, wenn wir richtig gerechnet haben. Schon die Anerkennung einer Nomination ist damit höher dotiert als so manche andere gutbestallte Auszeichnung der Branche. Der Gewinner erhält mit 100‘000 Franken ungewöhnlich viel ins Kässeli, sogar im internationalen Vergleich (davon fliesst in Form von Steuern dann vermutlich wieder einiges zurück in die Staatsschatullen). International halten da bloss etwa der schwedische Polarpreis, der israelische Wolf-Preis, der amerikanische Grawememeyer Award, der japanische Praemium Imperiale und der neugeschaffene Warner-Music-Preis in vergleichbarer Höhe mit. Bloss der Ernst-von Siemens-Musikpreis (eine Viertelmillion Euro) setzt noch einen drauf. In der Schweiz können sich einen  solchen Geldsegen gerademal die Bernburger mit ihrem ebenfalls mit 100‘000 Franken dotierten Kulturpreis leisten.

 

Wir geben zu, dass uns der Preis insofern sympathisch ist, als man sich nicht darum bewerben muss. Kulturschaffende sollten sich ja eigentlich mit dem Schaffen von Kultur beschäftigen dürfen und weniger mit dem Beschaffen und Ausfüllen von Bittstellungen um Zuschüsse herumschlagen müssen. Ungefragt verliehene Preise zeugen auch vom Mut der Kulturförderer, die sich selber und in eigener Verantwortung darum bemühen müssen, ihr Geld proaktiv möglichst gerecht (was immer das in diesem Zusammenhang heissen soll) zu verteilen.

 

Jeder solcher Entscheid wird von Menschen gefällt, solange man Kulturförderung nicht als Lotterie betreibt. Lotterien wären in der Basisförderung durchaus auch eine valable Methode, vielleicht sogar die einzige. Beim Schweizer Musikpreis geht es aber um Anerkennung von bereits geleistetem und dem kreativen Potential von Künstlerinnen oder Künstlern, die sich bereits bewiesen haben. Sie sollten angesichts des fetten Checks also bereits ein gewisses Alter haben.

 

Wie entscheidet das BAK nun über die Vergabe des Preises? Es gibt dazu eine Jury (die Zusammensetzung ist öffentlich einsehbar), der aber von einer Expertenjury Vorschläge unterbreitet werden. Näheres zur Auswahl der Experten ist aus den Medienmitteilungen des BAK nicht zu erfahren. Wir haben uns deshalb um Auskünfte dazu bemüht. Ja, heisst es vonseiten des BAK, es entscheide aufgrund seiner Kenntnisse der Schweizer Kulturlandschaft selber, welche Experten es zur Teilnahme einlade, das Team werde jedes Jahr neu zusammengestellt und die Liste der Experten sei im Prinzip nicht geheim, werde aber nicht publiziert. Man bemühe sich darum, die verschiedenen Musikstile und die Schweizer Sprachregionen angemessen abzudecken. Wer sich (wie wir) explizit darum bemüht, erhält die Angaben zum Team allerdings. Auf der Liste finden sich ‒ wie es ja halt eben sein muss ‒ die üblichen Verdächtigen. Die Schweizer Musikszenen sind angesichts der Grösse (respektive Kleinheit) des Landes recht übersichtlich. Aus dem Tessin liefert ein einziger Experte Input zu sämtlichen Stilen. Man kann dem BAK zugute halten, dass es sich wirklich darum bemüht, die Auswahl möglichst breit und offen zu halten.

 

In einem Land des Ausgleichs zwischen Minderheiten sollten möglichst unterschiedliche Repräsentanten einmal berücksichtigt werden. Da kann man relativ einfach spekulieren, wohin der Preis dieses Jahr gehen wird (respektive politisch korrekt gehen sollte). Eigentlich wäre eine nicht allzu junge Frau aus dem Tessin oder der Deutschschweiz  dran (letztes Jahr war’s ein Mann ­‒ Franz Treichler ‒ aus dem Welschland), die nicht alternativen Rock oder elektronische Musik vertritt (Treichler vertrat eben diese Strömungen). Da sich unter den 15 Nominierten bloss drei Frauen befinden, ist die Auswahl klein. Die älteste unter ihnen hat Jahrgang 1968. Ihr Wirken entspricht zudem ziemlich genau dem, was in der Schweizer Kulturförderung so landläufig als «innovativ» betrachtet wird und was die Jury letztes Jahr darunter verstanden hat. Aber wir lassen uns gerne überraschen. Auch von den Meinungsmachern des Schweizer Musikpreises.

 


Nachrichten

Im Gespräch

Kritiken

     

 

Ensembles, Veranstalter, Musikhochschulen

Impressum
AGB/Datenschutz