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Rhapsody for an unknown Klezmer

Cover Buch17.06.2017 -- Musikstile spezieller Volksgruppen machen in der Regel einen Unterschied zwischen ihren eigenen Musikern und Fremden, die sich ihren Stil aneignen. Sie grenzen sich gerne ab, um ihre oftmals bedrohte Identität zu wahren. Dies ist etwa im urtümlichen Blues der Fall, im Flamenco, ganz zu schweigen von den Kunstmusiken Westafrikas oder Indiens mit ihren Musikerzünften. Auch die Musik der ostjüdischen Völker, der Klezmer, kennt diesen Unterschied. Alle diese Stile haben allerdings gerade wegen ihrer Authentizität eine emotionale Tiefe, die allgemein Menschliches zum Ausdruck bringt. Gerade die Begegnungen von Insidern und Aussenstehenden schaffen deshalb eine unversal gültige Kunst von aussergwöhnlicher Kraft, man denke etwa an Paco de Lucia und Camarón de la Isla, die für den Flamenco Massstäbe gesetzt haben. Auch der Klarinettist Helmut Eisel ist ein Aussenstehender. Ihn hat Giora Feidman, der Übervater des universalen Klezmer, angeregt, in dem Stil zu komponieren, ursprünglich für ein Konzert in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

 

Zu dem Auftrag sind später weitere Werke hinzugekommen, die Eisel und die Württembergische Philharmonie Reutlingen auf der CD «Rhapsody for an unknown Klezmer - Talking Clarinet meets Orchestra» dokumentieren. Eisel veranstaltet gerne Workshops mit Schulen, einige Stücke auf der CD sind auch in diesem Umfeld entstanden. Dirigent ist Daniel Huppert, den man in der Schweiz als Leiter der Zuger Sinfonietta kennt.

 

Eisel verfügt wie viele Klarinettisten des Klezmer-Stils über ein ausserordentlich reiches Repertoire an Spieltechniken, Klangfarben und Effekten, die seine Musik hochdifferenziert, expressiv und emotional beleben. Dieses Überströmen an Ideenreichtum und Stimmungsmodulationen widerspiegelt sich auch in seinen Kompositionen, die formal wenig geschlossen eine Fülle an Einfällen präsentieren. Man hätte sich gewünscht, dass diese Viefalt sich auch in der Instrumentierung ‒ sie stammt zum Teil von Eisel, zum Teil vom Pianisten Sebastian Voltz ‒ niedergeschlagen hätte. Im Gegensatz zur Soloklarinette begnügt sie sich allerdings oftmals mit eher grobflächigen Filmmusik-Effekten.

 

Als einzige Fremdkomposition findet sich auf der CD Max Bruchs «Kol Nidrei», im Original für Cello und Orchester, die gelungene Bearbeitung für Klarinette macht daraus zum Teil ein anderes Stück, das gegenüber der Originalkomposition Bruchs aber nicht abfällt. (wb)

 

Info: Helmut Eisel: Rhapsody for an unknown Klezmer - Talking Clarinet meets Orchestra. Helmut Eisel (Klarinette), Württembergische Philharmonie Reutlingen, Leitung: Daniel Huppert; Kinderchor Chooories des Liederkranz Reutlingen; Sing Kids and Capoda des Gesangsvereins Raidwangen. Animato 2016


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