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Simone Rubios «Immortal Bach»

Cover Buch19.08.2017 -- Kaum eine Instrumentengruppe ist so eng mit dem 20. Jahrhundert verbunden wie die Perkussion. Und weil sie ihr Selbstverständnis so eng aus der eigenen, nicht gesanglich-skalisch geprägten Klanglichkeit zieht, scheint es schwierig, sie an die Ästhetiken früherer Epochen anzudocken. Genau dies scheint aber ein Bedürfnis der Schlagzeuger zu sein, möglicherweise um aus dem eigenen Kreis (oder modern der eigenen Social Bubble) auszubrechen, um das grosse Publikum zu erreichen. Dünnes Eis wird da betreten. Man denkt an Abstürze wie Martin Grubingers Kombination von Gregorianik und Perkussion, über die man mit Vorteil das Mäntelchen der Barmherzigkeit legt. Auch Simone Rubinos Unterfangen, eine Bach-Cellosuite für Marimba zu adaptieren, drängt sich nicht gerade auf, auch wenn die Interpretationskunst des Ausnahmeschlagzeugers unbestritten hohes Niveau erreicht.

 

Phrasierung, Klanglichkeit (etwa in den eher pianistischen Arpeggien) rekonstruieren das Atmen und Intonieren auf Cello oder Klavier, so dass seine Wiedergabe der Suite Nr. 3 BWV 1009 anmutet, als höre man unter Wasser einem versierten Pianisten zu. Radikalere Ansätze, Bach auf die Plop-Plop-Plop-Perkussion abzubilden, hätten da vielleicht andere Räume geöffnet. Wie das gehen könnte, zeigt auf der CD etwa Knut Nystedts Werk «Immortal Bach» (eigentlich ein Chorwerk), in dem Bachs Choral «Komm süsser Tod» von vier Marimbas kunstvoll filetiert wird. Bei sich zuhause sind die Perkussionsinstrumente ganz im B-Teil von Iannis Xenakis «Rebonds» und John Cages «Third Construction», das Rubino (wie Nystedts Werk) mit dem von ihm gegründeten Quartett Esegesi eingespielt hat. Aber auch sie treten kaum in Dialog mit den vom argentinischen Lautenisten Eduardo Egüez zweifelssohne kundig erstellten Adaption der Bach-Suite für Marimba. Etwas rätselhaft bleibt, wie Bachs Instrumentalangabe «solo senza Basso» zur Suite im Booklet zu «und Basso Continuo» wird. (wb)

 

Info: Immortal Bach, Simone Rubio (Percussion), Werke von Bach, Bocca, Boccadoro, Nystedt, Xenakis, Cage, Genuin classics Leipzig 2017


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