Im Gespräch

Janine Jansen spielt Bach-Konzerte

 

Cover Jansen Bach17.01.2014 -- Einspielungen der Bach-Konzerte mit Violine als Soloinstrument gibt es wie Sand am Meer, eine mehr mutet da etwas beliebig an, vor allem wenn sie nicht eine neue oder auch bloss modische Weise des historisch-informierten Musizierens (HIM) dokumentiert. Anhand der Fülle an Einspielungen lassen sich immerhin alle möglichen Positionen in Sachen Interpretation einander gegenüberstellen. Anne-Sophie Mutter, bekanntlich keine grosse Freundin barock-politischer Korrektheit, hat sie auf CD in den letzten Jahren mit einem Werk Sofia Gubaidulinas kombiniert und damit ihren zeitlos spirituellen Charakter betont, Julia Fischer hat sie in eleganter Vollendung als Meisterwerke präsentiert, die zeitlos gültigen Charakter haben. Die Barock-Fraktion des HIM hat sie wie Diamanten in allen möglichen Lichtern funkeln lassen. 

Was macht nun Janine Jansen damit? In erster Linie musikantische Kammermusik, zusammen  mit ihrem Vater (am Cembalo), ihrem Bruder (am Cello) und hochkarätigen Zuzügern wie dem Oboisten  Ramón Ortega Quero. Aufgenommen haben sie im Juni 2013 in der Andreaskirche Wannsee. Was rausgekommen ist, hat Schwung, Energie, wirkt plastisch-durchhörbar und unprätentiös.

 

Es ist auch nicht das erste Mal, dass die niederländische Violinistin sich Bachs animmt. Auf CD gebrannt hat sie bereits Solopartiten und Inventionen, letztere eigentlich für Tasteninstrumente geschrieben ‒ in Transkriptionen für Violine, Bratsche und Cello, was eher an einen spätromantischen, busonischen oder stokowskischen Umgang mit den Werken des Thomaskantors erinnert, als an modernes Geschichtsbewusstsein.

 

Das alles hat, bei allem Können und aller interpretatorischen Virtuosität, nicht zwingenden Charakter. Das mag aber gerade den speziellen Charme eines solchen Albums ausmachen, auf dem nicht die ganze Last liegt, substantiell Neues zu Altbekanntem sagen zu müssen. Wenn die  Erklärungen ihres Labels Decca stimmen, dass Janine Jansens Alben in Sachen Downloads auf Plattformen wie iTunes  einen oder den Spitzenplatz belegen, so besteht immerhin die Möglichkeit, dass diese Einspielung der Bach-Konzerte zum Standard für die Generation iPod werden könnte. Man könnte sich Schlimmeres vorstellen.

 

Info:

Janine Jansen: Bach Concertos (Violinkonzerte E-Dur BWV 1042 und a-Moll BWV 1041, Konzert für Violine und Oboe c-Moll BWV 1016, Sonaten für Cembalo und Violine, BWV 1016, 1017), Decca/Universal Best.-Nr. 478 5362.