Onlinemagazin für Klassik, Jazz, Weltmusik und Musikwirkungsforschung

 

 

Im Gespräch

Avi Avital: Between Worlds

 

Cover Avital14.02.2014 -- Klangerzeuger können zur Camera obscura für Musik werden. Dann spiegeln sich Preziosen aus fremden akustischen Universen und funkeln in allen Farben. Machmal ergeben sich dabei Artefakte ‒ Moirés, Doppelbilder, Auren ‒, die man mögen kann oder auch nicht. Das geschieht etwa, wenn die Harfenistin Catrin Finch Bachs Goldberg-Variationen auf ihr Instrument abbildet, oder der Akkordeonist Richard Galliano die rauhen Klangwelten des Tango-Bandoneons durch den Metallzungen-Weichzeichner schickt, oder wenn der Klezmer-Klarinettist Giora Feidman klassische Werke in den emphatischen Klagegestus jüdisch-osteuropäischer Lebensfeiern taucht. Auf vielfältige Weise haben Komponisten aus der europäischen Kunstmusik-Tradition dies auch mit ihren eigenen Volksmusiktraditionen getan, Bartók mit rumänischen Tänzen, de Falla mit spanischen Liedern, Villa-Lobos mit den Choros seiner Heimat oder Dvořák in Amerika mit der Klängen seiner alten Heimat. 

 

Diesen Spielen mit Prismen, Umfärbungen und Filtern widmet der israelische Mandolinenspieler Avi Avital eine CD, Dazu eingeladen hat er eben gerade sie: Finch, Galliano, Feidman, aber auch den Perkussionisten Itamar Doari und einige hochkarätige Streicher. In Sachen Umschreiben hat er bereits Erfahrung, seine erste CD für die Deutsche Grammophon bespielte er mit Bach-Konzerten. Solche Offenheit dürfte auch der relativen Repertoire-Beschränktheit seines Instrumentes zuzuschreiben sein. Die immer nur harmlosen «Deh, vieni, alla finestra»-Arpeggien sind ja nicht einmal für die Geiger eine Herausforderung, die während Mozarts Don Giovanni rasch zum mediterranen Zupfinstrument greifen.

 

Besetzungsbedingt werden die Titel aus so unterschiedlichen Kulturen wie Flamenco, argentinischem Tango, Klezmer oder brasilianischer Salonmusik des frühen 20.Jahrhunderts in Gestus und Klang  etwas nivelliert. Dank dem Spitzentreffen der Virtuosen auf eher orchesterfremden Instrumenten gibt es da aber einiges zu entdecken und bestaunen. Die Aufnahmen dazu entstanden im April 2014 im Konzertsaal der Berliner Siemens-Villa. (wb)

 

Info:

Avi Avital: Between Worlds, Werke von Tsintsadze, Bartok, Villa-Lobos, Piazzolla, de Falla, Monti, Bloch, Chaim, Dvořák und andern; Deutsche Grammophon/Universal Best.-Nr. 479 1069         


Nachrichten

Kritiken

Editorials

     

 

Impressum
AGB/Datenschutz