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Im Gespräch

Ein Wagner-Abend in Graupa

Cover CD08.06.2015 – Tribschen, das ist so ein Ort, an dem immer mal wieder seltsame Ereignisse vonstatten gehen. In Kürze (am 21. Juni) zum Beispiel ein Waldtag. Da kann man in Begleitung von Gewässerbiologen auf Schnorchel-Tour Armleuchteralgen bewundern. Tribschen war aber natürlich auch Wohnsitz Richard Wagners, und der hat dort auch einiges veranstaltet. So hat er auf einer Treppe seines Hauses zu Ehren seiner Frau Cosima ein «Idyll mit Fidi-Vogelgesang und Orange-Sonnenaufgang» (das ist O-Ton Wagner) erklingen lassen: das Siegfried-Idyll. «Fidi» steht natürlich für seinen Sohn Siegfried. Wagner-Pathos im Taschenformat.

 

Der Wagner-Schwüle erlegen ist auch Engelbert Humperdinck, der nach seiner eigenen Nibelungen-Erweckung zum Mitglied des geheimen «Ordens vom Gral» der schwärmerischer Wagner-Verehrer wurde. Er brachte den «Parsifal» in Partitur-Reinschrift und studierte für den Meister Knabenchöre ein.

 

Humperdinck war ein passionierter Wagner-Bearbeiter. Nach dessen Tod arbeitete er etwa das berühmte «Tristan»-Vorspiel samt Tristan-Akkord zu einem Stück für Streichsextett und Klavier um und schrieb sich dazu die letzten Takte gleich selber ‒ endend Fortissimo in A-Dur. Darüber informiert uns das Booklet der CD der Elbland Philharmonie Sachsen, der wir die originelle Ersteinspielung dieser und weiterer Humperdinck-Wagner-Umarbeitungen (Auszüge aus «Parsifal» für kleines Orchester und zwei Klaviere) verdanken. Christian Voss dirigiert. Aufgenommen worden ist stilgerecht in einer weiteren Richard-Wagner-Stätte, dem Jagdschloss in Graupa.

 

Treppenhäuser scheint Wagner gemocht zu haben (viele haben ja auch eine gute Akustik). In einem ebensolchen der Villa Wesendonck in Zürich liess er eine Umarbeitung des Liedes «Träume» aus dem Wesendonck-Zyklus für Solovioline und kleines Orchester erklingen ‒ zu Ehren Mathilde Wesendoncks. Auch die ist hier zu hören, mit Jacob Meining an der Geige. Noch so ein Idyll auf Diät. (wb)  


Info:
Ein Wagner-Abend in Graupa. Elbland Philharmonie Sachsen, Christian Voss (Leitung). Eigenverlag Elbland Philharmonie Sachsen, Bezugsnachweis: www.elbland-philharmonie-sachsen.de


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