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Im Gespräch

See Siang Wongs Swiss Piano Project

 

Cover CD11.09.2015 – Ganze Zyklen von Auftragswerken haben Konjunktur. So schlecht ist das gar nicht, ergeben sich doch Quervergleiche, Kontraste und Bezüge, die das Verständnis zeitgenössischen Komponierens in tiefenscharfem Licht schillern und irisieren lassen. Die amerikanische Geigerin Hilary Hahn etwa hat die originelle Idee gehabt, gleich 27 Zugabestücke in Auftrag zu geben und das so entstandene Musterbuch heutiger Kompositionstechniken auf einem Album zu dokumentieren.  Pro Helvetia und der Verband Schweizerischer Berufsorchester haben unter dem Label «Œuvres Suisses» 34 Schweizer Orchesterwerke initiiert. Man kann das Engagement der Schweizer Kulturstftung dabei als eine Art sanfte Erpressung verstehen: Im Gegenzug unterstützt sie die Orchester, welche die Werke aufführen, mit einem Beitrag an Auslandtourneen, Nachwuchs- und Vermittlungsprojekte.

 

Das Projekt des in Zürich wirkenden niederländisch-chinesischen Pianisten See Siang Wong verfolgt eine ähnliche Idee wie Hahn: Entstanden ist, allerdings über einen etwas längeren Zeitraum, ein «Kompendium der Neuen Schweizer Klaviermusik». Die von ihm in Auftrag gegeben Werke sind zwischen 2001 und 2014 entstanden und zeugen damit auch vom musikalischen Schaffen der Nuller-Jahre des neuen Jahrhunderts in der Schweiz. Musiques Suisses präsentiert die Sammlung in Form einer Tripel-CD mit einem sorgfältig gestalteten Booklet, das die einzelnen Beiträge und die Biografien ihrer Schöpfer beschreibt. Ein einziges (!) Werk stammt übrigens von einer Komponistin, nämlich von Cécile Marti.

 

In einem klugen Kommentar erklärt Michael Eidenbenz, der Direktor der Musikabteilung der Zürcher Hochschule der Künste, im Booklet überdies, dass sich die Kompositionen «unbekümmert autonom» gebärdeten «gegenüber dem Regelwerk der pianistischen Standardisierungen» und damit den Hörappetit umso entschiedener anregten.

 

Die Tripel-CD dürfte für Pianisten (wie Hahns Album für Geiger) vor allem auch als Musterbuch dienen ‒ falls ihnen die Lust noch nicht vergangen ist, ihr Repertoire um Zeitgenösssisches zu erweitern. (wb)


Info:
See Siang Wong, Swiss Piano Project, Musiques Suisses, MGB CTS-M143,
Bezugsnachweis:

https://www.musiques-suisses.ch/de/See-Siang-Wong/Swiss-Piano-Project/id/617   


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