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Im Gespräch

Daniil Trifonovs Carnegie-Hall-Debüt

 

Cover Trifonov22.11.2013 -- «Eines der erfolgreichsten und unbegreiflichsten Klaviertalente der letzten Jahrzehnte». So stands in der Süddeutschen Zeitung. Und Martha Argerich soll über ihn gesagt haben, dass sie noch nie zuvor so etwas gehört habe. Natürlich als Lob gemeint. Der 1991 in Nischni Nowgorod geborene Daniil Trivonov hat am Gnessin-Institut Moskau in der Klasse von Tatiana Zelikman studiert und komplettiert seine Ausbildung zur Zeit am Cleveland Institute of Music. Bereits eine Handvoll CD gibt es von ihm mittlerweile. Mit Werken von Chopin, Tschaikowsky, Liszt und Skrjabin. Es ist, als wäre der romantische Klaviervirtuose auferstanden.


Zu einer solchen Fama muss ein Carnegie-Hall-Rezital-Debüt gehören. Die sind legendär: Arthur Rubinstein gab es 1906, Rachmaninoff 1909, Vladimir Horowitz 1928, Glenn Gould 1957, Swjatoslaw Richter 1960, Evgeny Kissin 1990, Lang Lang 2001 ‒ Ereignisse, die Musikgeschichte geschrieben haben. Nun also Trifonov. Mit Skrjabins zweiter Klaviersonate, Liszts h-Moll-Sonate, den 24 Préludes op. 28 von Chopin und einem eineinhalbminütigen Encore (aus der Feder Nikolai Karlovich Medtners).


«The Carnegie Hall Recital» ist zugleich Trifonovs Debüt bei der Deutschen Grammophon. Und es zeigt, dass er tatsächlich keine fingertechnischen Schwierigkeiten zu kennen scheint. Atemraubend perlt sein Spiel, das er noch in den physiologisch anspruchsvollsten Partien problemlos modulieren zu können scheint. So ergibt sich der Eindruck eines höheren Levels des Klavierspiels: Statt mit Fingerfertigkeit zu beeindrucken, die ihm selbstverständlich scheint, verblüfft der Nachwuchsstar mit Klangvaleurs und Texturen, die man so noch kaum je gehört zu haben meint.


Das jugendliche Ungestüm ist allerdings noch keines des Innehaltens. Das Largo etwa als Ausdrucksqualität in Chopins Präludien wird er für sich erst noch entdecken müssen. Man versteht Martha Argerich aber: Da scheint tatsächlich das Klavierspiel der Zukunft aufzublitzen. Es verbindet ‒ um es etwas plakativ-frivol zu formulieren ‒ Lang Langs Hypervirtuosität mit erdenschwerem russischem Ungestüm. Mal schauen (respektive hören), wohin es den jungen Welteroberer aus der einst verbotenen Stadt noch führt. (wb)

 

Info:

Trifonov : The Carnegie Recital. Deutsche Grammphon/Universal, Best.-Nr. 479 1728


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