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Kritiken und Berichte

Zwei Uraufführungen von Fabian Müller in Zürich

13.10.2014 -- Von Béla Bartóks Divertimento für Streichorchester (1939) und Mozarts «Jupiter-Sinfonie» KV 551 umrahmt, bildeten zwei neue Werke von Fabian Müller (*1964), in Uraufführung dargeboten, die Hauptattraktion eines sehr konstrastreichen Konzerts mit dem Weinberger Kammerorchester in der Tonhalle Zürich.

 

Von Walter Labhart

 

Bezüglich Besetzung und stilistischer Ausrichtung hätten die Gegensätze kaum grösser sein können. Galt dies schon für den von Bartók und Mozart gebildeten Rahmen, so erst recht für die beiden Novitäten von Fabian Müller. Dem dreisätzigen Konzert für Vibraphon und Orchester stand mit «Clatterclank» für kleine Trommel und Streichorchester ein kurzes, jedoch nicht weniger effektvolles Stück gegenüber, das einer ganz anderen Klangwelt angehört.

 

Hommage à Jean Tinguely

 

Der mit fünfzig Jahren unverändert experimentierfreudige Schweizer Komponist liess sich in «Clatterclank», einer «Hommage an Jean Tinguely», von dessen speziellen Klängen und Geräuschen der Skulpturen inspirieren. In seinem Einführungstext bemerkt Müller, dass sich in Tinguelys «Plateau agriculturel» eine rasselnde Kette auf und ab bewegt. Eine solche Metallkette fehlte demnach in der originellen Komposition ebenso wenig wie die Imitation von knarrenden Rädergeräuschen und anderen maschinell erzeugten Klängen, die dem Rasseln und Klirren im englischen Werktitel gerecht werden.

 

Wie die humorvolle Huldigung an Tinguely ist auch das ernsthaftere, jedoch nicht weniger unterhaltsame Konzert für Vibraphon und Orchester der Solistin der Uraufführung, der britischen Schlagzeugerin Evelyn Glennie, förmlich auf den Leib geschrieben. Da ihre virtuosen Interpretationen jeweils performativen Charakter tragen, komponierte Müller das gestische Element raffiniert mit, um das Vibraphon entsprechend vielfältig und effektvoll einzusetzen. Zum Genuss der schon im dramatischen Kopfsatz stark von melodischen Einfällen geprägten Musik gesellte sich der Reiz einer mitunter beschwörenden Aktion einer Vollblutmusikerin von hinreissendem Temperament.

 

Sphärenklänge

 

Für eine grosse Überraschung sorgte der am Aspen Music Festival in Colorado (USA) u.a. von Jacob Druckman und Bernard Rands ausgebildete Komponist im ruhigen Mittelsatz. Seinen Worten zufolge bringt dieser die «überirdischen» Qualitäten des Soloinstruments in «sphärischen Klängen und geheimnisvoll-mystischen Stimmungen» zum Ausdruck, während das rasante Finale, ein Rondo scherzando, mit perkussiver Brillanz fesselt. Die immer noch schmale Literatur für Vibraphon und Orchester ist mit Fabian Müllers rhythmisch differenziertem und expressivem Konzert um ein geistvolles Meisterwerk reicher geworden. 

 

Evelyne Glennie und das von Gábor Takács-Nagy mit viel Leidenschaft angespornte Weinberger Kammerorchester, das sich in allen vier Werken durch ausgefeilte, intensiv musizierte Interpretationen auszeichnete, boten in den vom Publikum mit Begeisterung aufgenommenen Uraufführungen ein rhythmisches und klangliches Feuerwerk der Spitzenklasse.



Info:

Konzert des Weinberger Kammerorchesters. Dienstag, 7. Oktober, Tonhalle Zürich. Dieser Beitrag von Walter Labhart wurde uns freundlicherweise von Fabian Müller zur Verfügung gestellt.


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