Onlinemagazin für alle Bereiche der klassischen Musik

 

 

Kritiken und Berichte

BachArkaden

Cover BachArkaden27.01.2014 -- Arkaden: Bogengänge, gestützt durch Säulen. Choräle und Choralvorspiele von Johann Sebastian Bach bilden in dieser Einspielung die Pfeiler, allerdings in kunst- und fantasievoll ausgeschmückter Form und Beschaffenheit. Die Arkaden ihrerseits bilden eine Wandelhalle, die einlädt zu einem anregenden Gang vom 15. Jahrhundert bis ins Heute.

 

Am kreativen Umgang mit Bach beteiligen sich das fünfstimmige Calmus Ensemble Leipzig und die 1984 von Wolfgang Katschner gegründete Lautten Compagney Berlin in unkonventioneller Besetzung – neben Flöte, Viola da gamba, Violone und Theorbe auch Saxophon, Marimbaphon und Percussion. 

 

Vom Piedestal aufs Parkett: Im spielerischen Umgang präsentiert sich Bach in jugendlichem Klangkleid, quasi mit offenem Kragen und perückenlosem Haupt. Stets aber walten Respekt und der gute Geschmack, frei von Narretei, und die vokale und instrumentale Umsetzung der Partituren – neben Chorälen auch Ausschnitte aus Motetten und Kantaten – zeugt von der Musizierlust und vom virtuosen Können des Vokal- wie des Instrumentalensembles. 

 

Wechselseitig erhellend die Verschränkung von Bachs «In dir ist Freude» mit dem Balletto «An hellen Tagen» Giovanni Giacomo Gastoldis. Köstlich der Bonustrack: ein Menuett aus dem Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach in «wunderlichen variationes mit viele frembde Thone».

 

Das älteste Opus erklingt in der Originalversion: Guillaume Dufays «Ecclesia militantis», eine fünfstimmige Motette zur Papstkrönung von 1431. In Bearbeitungen sind Sätze von Henry Purcell und Johann Walter zu hören; als Kontraste aus dem 20. Jahrhundert fügen sich Arvo Pärts «Fratres» und John Taveners «The Lamb» in ein mit unkonventionellen Arrangements belebtes Programm, das Elemente christlichen Glaubens unter einen weiten Bogen spannt. 

 

Friends of the Lute 

 

Edle leise Klänge, intime Kammermusik im Freundeskreis: Das Rezital, das der Gitarrist und Lautenist Axel Wolf, einer der renommiertesten seiner Zunft, zusammengestellt hat, erweist einem der Lautenstars der Barockzeit Reverenz, Silvius Leopold Weiss (1687–1750).

 

Ernst Gottlieb Baron, Schüler von Weiss (bzw. Weiß) und der letzte bedeutende deutsche Vertreter des barocken Lautenspiels, schrieb, es sei «einerley, ob man einen künstlichen Organisten auf einem Clavicembel seine Fantasien und Fugen machen, oder Monsieur Weißen spielen hört». Mattheson bezeichnete Weiss als den «grössesten Lautenisten in der Welt», und 1782 urteilt Forkel über dessen Kompositionen, dass sie «in dem ächten und körnichten Geschmack geschrieben sind wie ungefehr die Clavier-Arbeiten des sel. Job. Seb. Bach».

 

Bach, der Weiss 1739 persönlich kennenlernte, estimierte das Schaffen des Lautenisten. Das Trio in A-Dur BWV 1025 geht auf ein Lautenwerk von Weiss zurück; Bach hat es durch eine Fantasia erweitert und für Violine und Clavier bearbeitet. In einer Fassung für Laute und Cembalo (ohne die Fantasia) stellen es hier Axel Wolf und Christoph Anselm Noll vor.

 

Auch in drei Werken für Laute solo – den Fantasien in C- und in B-Dur sowie der Ciaconna in A-Dur – beweist Axel Wolf seine eminente technische und künstlerische Gestaltungskraft. Gemeinsam mit Anna Torge widmet er sich dem viersätzigen Concert d’un Luth et d’une Flute traversiere in einer aparten Bearbeitung für Laute und Mandoline. Für Blockflöte und Laute komponierte Ernst Gottlieb Baron (1696–1760) ein viersätziges Concerto, in dem Dorothee Oberlinger und Axel Wolf mit Virtuosität und differenzierten Klangfarben einnehmen. (ws)

 

Infos:

BachArkaden. Werke von Johann Sebastian Bach, Guillaume Dufay, Henry Purcell, Johann Walter, Dieterich Buxtehude, Arvo Pärt, John Tavener. – Calmus Ensemble Leipzig; Lautten Compagney Berlin. Leitung: Wolfgang Katschner. (Carus 83.381; 71’) 

Friends of the Lute. Werke von Johann Sebastian Bach, Silvius Leopold Weiss und Ernst Gottlieb Baron. – Axel Wolf, Laute; Dorothee Oberlinger, Blockflöte; Anna Torge, Mandoline; Christoph Anselm Noll, Cembalo. (Oehms Classics OC 876; 66’)


Nachrichten

Im Gespräch

Editorials

     

 

Ensembles, Veranstalter, Musikhochschulen

Impressum
AGB/Datenschutz