{"id":1002,"date":"2014-01-13T10:00:07","date_gmt":"2014-01-13T10:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/cedric-pescia-les-folies-francaises\/"},"modified":"2014-01-13T10:00:07","modified_gmt":"2014-01-13T10:00:07","slug":"cedric-pescia-les-folies-francaises","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/cedric-pescia-les-folies-francaises\/","title":{"rendered":"C\u00e9dric Pescia: Les folies fran\u00e7aises"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2008\/080426pescia.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>26.04.2008 &#8212; Die Diskussionen darum, ob Musik Aussermusikalisches abzubilden vermag, drehen sich seit Jahrhunderten eher im Kreis und haben bislang nicht zu abschliessendem Urteil gefunden \u2212 zumindest solange es um absolute Musik geht, die keinerlei oder bloss unsichere Hinweise auf eventuell beschreibende Absichten ihrer Sch\u00f6pfer gibt. Aus dem Sumpf der individuellen Werkdeutung l\u00e4sst es sich hier nur am eigenen Zopf der Rechthaberei ziehen. Etwas anders verh\u00e4lt es sich, wenn ein Komponist sein Werk in Titel oder Erl\u00e4uterungen explizit als Klangmalerei auszeichnet. Das Corpus delicti wird beigebracht. Der H\u00f6rer kann sich der reizvollen Aufgabe widmen, die Kl\u00e4nge darauf hin zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p> Fast schon eine Art historisches Kompendium zur absichtsvollen Lautmalerei in der Klaviermusik franz\u00f6sischer Provenienz legt der Pianist C\u00e9dric Pescia mit der CD \u00abLes folies fran\u00e7aises\u00bb vor. Sie vereint auf intelligente und hochmusikalische Art deskriptive Miniaturen aus drei Epochen und beleuchtet dabei jedesmal neue Aspekte der Umsetzung aussermusikalischer Ideen in perlendes Pianospiel.<\/p>\n<p> In eleganter und geistreicher Art formalisiert zeigen sich Ausz\u00fcge aus zwei \u00abLivre de Pi\u00e8ces de Clavecin\u00bb von Fran\u00e7ois Couperin, die identifizierbare oder allegorische Personen, aber auch Atmosph\u00e4risches portr\u00e4tieren. Einen speziellen Reiz erhalten die Interpretationen Pescias durch die Stimmung, die dem Steinway-Fl\u00fcgel daf\u00fcr appliziert worden ist: Es handelt sich um eine Temperatur, die \u00abder Komponist kannte und benutzt hat\u00bb. Tonarten mit wenig Versetzungszeichen klingen da relativ rein, nicht zur Grundtonart geh\u00f6renden Alterationen wird ein speziell \u00abgespannter\u00bb Charakter verliehen. So zumindest umschreibt das Booklet den Effekt. Der benutzte Steinway klingt dabei fast wie ein historisches Instrument, mit klanglichen Kontrasten aus \u00fcberraschenden Reibungen und glockenhellen Akkorden. <\/p>\n<p> Mit dem klingenden Pinsel malt Claude Debussy in seinen zw\u00f6lf Pr\u00e4ludien des \u00ab2\u00e8me Livre\u00bb Landschaften aus impressionistischen Grundfarben und Lichterspielen, die von der musikalischen Tiefensch\u00e4rfe um ein akustisches Chiaroscuro bereichert werden. Neben Szenarien wie Nebel, welken Bl\u00e4ttern, der Heide und den Toren der Alhambra charakterisiert der Meister des musikalischen Timbres ebenfalls markante Pers\u00f6nlichkeiten wie den Clown Lavine, die Meerjungfrau Undine, Dickens&#8216; Samuel Pickwick und mit \u00abFeux d&#8217;artifice\u00bb ein veritables Feuerwerk mit Hilfe des pianistischen Tonsatzes. Die lautmalerischen Intentionen erlaubten es dem im 19. Jahrhundert beheimateten Tonsch\u00f6pfer, die Klangr\u00e4ume seiner Musik bis in avantgardistische, von Texturen und Oberfl\u00e4chenkontrasten bestimmte Regionen zu f\u00fchren, ohne den nach Verst\u00e4ndnis heischenden zeitgen\u00f6ssischen H\u00f6rer der Ratlosigkeit zu \u00fcberlassen.<\/p>\n<p> Eine Art musikalischen Fotorealismus praktiziert schliesslich Olivier Messiaen in seinem \u00abCatalogue d&#8217;Oiseaux\u00bb, aus dessen siebtem Buch Pescia die CD mit dem \u00abCourlis cendr\u00e9\u00bb \u2212 dem grossen Brachvogel \u2212 abschliesst. Den Schl\u00fcssel zur \u00dcbersetzung seines Rufs liefert Messiaen gleich selber: \u00abLangsame und traurige Tremolos, chromatisch aufsteigende Tonfolgen, wilde Triller und ein Ruf in einem tragisch wiederholten Glissando\u00bb charakterisieren den Gesang des Atlantikk\u00fcstenbewohners.<\/p>\n<p> Der 1976 geborene und bereits mit mehreren renommierten Preisen bedachte Pescia hat sein Handwerk an den Konservatorien von Lausanne und Genf sowie an der Universit\u00e4t der K\u00fcnste Berlin bei Klaus Hellwig erworben. Sein von gutem musikantischem Geschmack und souver\u00e4ner Technik bestimmter Ausflug in die franz\u00f6sische Gegenst\u00e4ndlichkeit ist eine Art Exkurs zwischen mehreren gewichtigen Studien zur deutschen Abstraktion. Vor der hier vorliegenden CD hat er f\u00fcr Claves Bachs Goldberg-Variationen und Schumanns pianistisches Gesamtwerk eingespielt, Ende dieses Jahres werden die drei letzten Klaviersonaten Beethovens folgen. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>cf<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">C\u00e9dric Pescia: Les folies fran\u00e7aises, Werke von Couperin, Debussy, Messiaen, 2008 Claves Records 50-2719, ISBN 761993127192. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>26.04.2008 &#8212; Die Diskussionen darum, ob Musik Aussermusikalisches abzubilden vermag, drehen sich seit Jahrhunderten eher im Kreis und haben bislang&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-1002","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1002","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1002"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1002\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1002"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1002"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1002"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}