{"id":1005,"date":"2014-01-13T10:01:24","date_gmt":"2014-01-13T10:01:24","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/klavierduo-adrienne-soos-ivo-haag\/"},"modified":"2014-01-13T10:01:24","modified_gmt":"2014-01-13T10:01:24","slug":"klavierduo-adrienne-soos-ivo-haag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/klavierduo-adrienne-soos-ivo-haag\/","title":{"rendered":"Klavierduo Adrienne So\u00f3s\/Ivo Haag"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2008\/080514duo.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>14.05.2008 &#8212; Neue Musik f\u00fcr zwei Klaviere (oder ein Klavier und zwei Spieler) d\u00fcrfte bei einem Publikum ausserhalb eines Expertenkreises eher einen schweren Stand haben. H\u00e4ufig ist der Klang f\u00fcr Nichteingeweihte der T\u00fcr\u00f6ffner in einen neuen musikalischen Kosmos, dessen strukturelles Innenleben dann erst nach und nach gesch\u00e4tzt und f\u00fcr wichtig befunden wird. Ein Klavierduo bietet zu solchem schwerlich Hand. Nat\u00fcrlich wird die Pianistenzunft darauf hinweisen, dass auch ihr Instrument eine F\u00fclle an Farben und Klangschattierungen zu generieren gestattet. Selbstverst\u00e4ndlich gew\u00fcrdigt und in ihren Nuancen geh\u00f6rt werden diese aber eben von denen, die \u00fcber eine intime Kenntnis der M\u00f6glichkeiten und Grenzen von 88 Tasten verf\u00fcgen und wissen, worauf sie zu achten haben.<\/p>\n<p> Entkr\u00e4ften kann diese Diagnose auch die CD der Klavierduos Adrienne So\u00f3s und Ivo Haag (zwei Geschlechtsnamen, die dank ihrer strukturellen \u00c4hnlichkeit f\u00fcr ein Duo ja wie geschaffen sind) nicht. Nicht alle der hier pr\u00e4sentierten St\u00fccke sind unmittelbar zug\u00e4nglich. Unge\u00fcbte k\u00f6nnten den Titel eines der St\u00fccke \u2212 \u00abmolasse vivante\u00bb von Michel Roth \u2212 als programmatisch f\u00fcr das gesamte Programm betrachten. Diese Art von Musik, dazu geh\u00f6rt auch Krzysztof Meyers \u00abImpromptu multicolore\u00bb aus dem Jahr 2000, wird wie so manches aus dem zeitgen\u00f6ssischen Musikschaffen im Konzertsaal und mit der M\u00f6glichkeit der direkten Kommunikation mit dem Publikum lebendig.<\/p>\n<p> Werke wie Dieter Ammanns \u00abregard sur les traditions (avec quelques trompes l&#8217;oreille)\u00bb \u2212 das einzige der CD f\u00fcr vier H\u00e4nde auf einer Tastatur \u2212 und Kelterborns Sonate f\u00fcr zwei Klaviere aus dem Jahr 1955, respektive dessen Klavierst\u00fcck 7 (\u00abQuinternio\u00bb) von 2005 haben es da dank einer leichter zug\u00e4nglichen Oberfl\u00e4che einfacher.<\/p>\n<p> Aber auch wenn sich die Duos, die ausser Kelterborns Fr\u00fchwerk alle explizit f\u00fcr das Duo So\u00f3s\/Haag geschrieben worden sind, dem Zuh\u00f6rer in erster Linie im Konzertsaal erschliessen d\u00fcrften, lohnt sich eine Besch\u00e4ftigung mit der CD. Wie sehr die k\u00fcnstlerische Kompetenz des Duos gesch\u00e4tzt wird, zeigt etwa die Tatsache, dass Kelterborn zum sp\u00e4teren St\u00fcck vom Spiel der beiden des fr\u00fcheren inspiriert worden ist. Dar\u00fcber hinaus scheint ein Kunstgriff im Booklet zur CD interessant, der wie eine Studie zur Verbalisierbarkeit abstrakter musikalischer Strukturen und der Perspektive von Komponist und Interpreten darauf anmutet.<\/p>\n<p> Da \u00e4ussern sich n\u00e4mlich jeweils der Komponist und die Interpreten zu ihren Werken, und die Differenz regt an, die Musik selber h\u00f6rend nach dem zu befragen, was denn nun ihr Wesen ausmacht. Ein Beispiel gef\u00e4llig? Michel Roth kommentiert sein St\u00fcck folgendermassen: \u00ab(&#8230;) Die an geologischen Prozessen angelehnte Verwerfung und ineinander Verkeilung dieser Gestalten steigern ihre wechselseitigen Verfremdungen stellenweise geradezu in verst\u00f6rende Paradoxien, (&#8230;)\u00bb. Das Duo gibt sich da eher n\u00fcchtern: \u00ab(&#8230;) Sie werden oft rhythmisch parallel gef\u00fchrt oder aber in komplex ineinander verzahnten Rhythmen (..)\u00bb Generell scheinen die Interpreten sich eher zu fragen, wie etwas gemacht ist, als was es ausl\u00f6st. Die Komponisten selber wiederum scheinen eher zu einer metaphorischen Deutung dessen zu neigen, was sie in Strukturen umgesetzt haben. <\/p>\n<p> Sind das allgemein beobachtbare Mentalit\u00e4tsunterschiede. Gelten sie bloss f\u00fcr die Neue Musik? Oder ist die Beobachtung anhand des bewusst zusammengestellten Booklets nur ein Artefakt?<\/p>\n<p> Eine \u00dcberlegung ist das alles allemal wert. Und zum bessern Hinh\u00f6ren animiert es den geneigten Musikfreund mit Sicherheit. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Klavierduo Adrienne So\u00f3s\/Ivo Haag: Werke f\u00fcr Klavierduo. Musiques Suisses Grammont Portrait, MGB CTS-M 107. Die Aufnahmen sind im Februar 2007 im Radiostudio Z\u00fcrich entstanden. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>14.05.2008 &#8212; Neue Musik f\u00fcr zwei Klaviere (oder ein Klavier und zwei Spieler) d\u00fcrfte bei einem Publikum ausserhalb eines Expertenkreises&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-1005","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1005","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1005"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1005\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1005"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1005"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1005"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}