{"id":1008,"date":"2014-01-13T10:02:50","date_gmt":"2014-01-13T10:02:50","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/musik-fuer-klavier-und-fuer-cembalo\/"},"modified":"2014-01-13T10:02:50","modified_gmt":"2014-01-13T10:02:50","slug":"musik-fuer-klavier-und-fuer-cembalo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/musik-fuer-klavier-und-fuer-cembalo\/","title":{"rendered":"Musik f\u00fcr Klavier und f\u00fcr Cembalo"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2008\/lig14708.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>15.07.2008 &#8212; Eines der zentralen Klavier\u0153uvres in der 2. H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts ist Gy\u00f6rgy Ligeti (1923\u20132006) zu verdanken. Die fr\u00fchesten erhaltenen St\u00fccke \u2013 inspiriert von der ungarischen Volksmusik und dem Idiom Bart\u00f3ks \u2013 stammen aus den Vierzigerjahren, seiner Studienzeit in Kolozsv\u00e1r und Budapest, weitere entstanden, als er an der Musikhochschule Budapest unterrichtete (1950\u20131956). <\/p>\n<p> Seinen pers\u00f6nlichen Stil erarbeitete sich Ligeti nach seiner Emigration in den Westen in der Auseinandersetzung mit dem Schaffen der aktuellen Avantgarde (Darmst\u00e4dter Schule, dann Cage, Harry Partch und Nancarrow) und entwickelte ihn weiter in pr\u00e4gnanten Phasen. Internationale Beachtung fand er 1960 am IGNM-Festival in K\u00f6ln (mit \u00abApparitions\u00bb) und ein Jahr sp\u00e4ter in Donaueschingen (mit \u00abAtmosph\u00e8res\u00bb).<\/p>\n<p> Im Zentrum seines Klavierschaffens stehen die drei Hefte (1985, 1993, 2001) mit 18 Et\u00fcden, in denen Ligeti die kompositorischen wie die spieltechnischen M\u00f6glichkeiten in konsequenter intellektueller und emotionaler Durchdringung auslotet. Den exorbitanten Anforderungen dieses Zyklus stellt sich der 1968 in Schweden geborene Frederik Ull\u00e9n mit imponierender handwerklicher Souver\u00e4nit\u00e4t und geistiger Durchdringung. <\/p>\n<p> Das 2-CD-Album enth\u00e4lt weitere 13 Werke, davon als Ersteinspielungen den urspr\u00fcnglich als 11. Et\u00fcde geplanten, vom Komponisten jedoch ausgeschiedenen Satz \u00abL\u2019arrache-c\u0153ur\u00bb (1994) und die Vier fr\u00fchen St\u00fccke (Basso ostinato) von 1941. Die vier Werke f\u00fcr Klavier vierh\u00e4ndig bzw. die Drei St\u00fccke (1976) f\u00fcr zwei Klaviere hat Ull\u00e9n im Playback, erst den Primo-, dann den Secondopart, aufgenommen \u2013 in perfekter \u00dcbereinstimmung mit sich. <\/p>\n<p> <strong> Nikolai Medtner: Klaviermusik<\/strong> <\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2008\/medt14708.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Ein Musiker zwischen allen St\u00fchlen. Nikolai Medtner (1880\u20131951), der russische Meisterpianist und Komponist deutscher Herkunft, studierte und lehrte in Moskau, begeisterte auf Tourneen durch Europa das Publikum, verliess 1921 das postrevolution\u00e4re, von B\u00fcrgerkrieg zerr\u00fcttete Russland, lebte bis 1924 in Berlin, zog dann nach Paris, wo er mit Glasunow und Rachmaninow Umgang pflegte, sich aber von Neuerern und den aktuellen Str\u00f6mungen fernhielt. <\/p>\n<p> 1936 liess er sich in London nieder, wo er zur\u00fcckgezogen lebte. Einen potenten G\u00f6nner hatte Medtner im Maharadscha von Mysore, der 1948, drei Jahre vor dem Tod des Musikers, die Medtner-Gesellschaft gr\u00fcndete und Schallplattenaufnahmen f\u00f6rderte. <\/p>\n<p> Nicht unverst\u00e4ndlich, wenn die unruhige Existenz in unheiler Zeit Zuflucht nimmt zu heiler (heilender) Kunst. Nikolai Medtner jedenfalls, der Germanophile, in dessen Werkverzeichnis das Schaffen f\u00fcr Klavier den gewichtigsten Teil beansprucht, war inspiriert von deutscher und russischer Tradition, hielt sich ans gesicherte Erbe der Klassik, Romantik und der milden Sp\u00e4tromantik, an Meister wie Beethoven, Schumann, Chopin, Liszt, Skrjabin, Rachmaninow, Reger \u2013 allerdings wich er den Br\u00fcchen und verst\u00f6renden Abgr\u00fcnden aus. Der \u00abrussische Brahms\u00bb wurde Medtner genannt, der Brahms zwar nicht sch\u00e4tzte, doch Eigenheiten seines Klaviersatzes \u00fcbernahm. <\/p>\n<p> In emotionale Wechselb\u00e4der, in Verunsicherung und Best\u00fcrzung gar ger\u00e4t man nicht beim H\u00f6ren dieser sieben CDs, die zw\u00f6lf formal frei gehandhabte Sonaten (die k\u00fcrzeste dauert 14 Minuten, die l\u00e4ngste, eins\u00e4tzige, 34) und zahlreiche Einzelst\u00fccke und Zyklen enth\u00e4lt und einen charakteristischen \u00dcberblick \u00fcber Medtners Klavierwerk vermittelt. <\/p>\n<p> Die r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte \u00e4sthetische Haltung, die Verwurzelung in neoklassizistischem Boden ist nicht ohne Reiz. Denn Medtners Musik weist sich aus durch melodische Eing\u00e4ngigkeit, fliessende Entwicklung, lyrische Noblesse, balladesk-narrative Z\u00fcge, Originalit\u00e4t im Kleinen, durch Transparenz trotz dichter, oft kontrapunktisch verfugter Textur und nicht zuletzt durch gl\u00e4nzende pianistische Brillanz samt opulenter Expressivit\u00e4t mit introvertierten Z\u00fcgen. <\/p>\n<p> Der sanfte Hauch des Parf\u00fcms einer untergegangenen Welt str\u00f6mt aus diesen Kl\u00e4ngen, denen der britische Pianist Hamish Milne (mit Boris Berezovsky als Partner in den St\u00fccken op. 58 und Geoffrey Tozer, der zwei Sonaten \u00fcbernommen hat) dank bewundernswerter Einf\u00fchlung und stupender Technik der ideale Anwalt ist. <\/p>\n<p> <strong> Fran\u00e7ois Couperin: Die Werke f\u00fcr Cembalo<\/strong> <\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2008\/coup14708.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Ein Schwergewicht in der Gilde der franz\u00f6sischen Clavecinisten ist Fran\u00e7ois Couperin (1668\u20131733), und mit seinem Hauptwerk, den vier Livres de pi\u00e8ces de clavecin, gegliedert in 27 Ordres (Suiten), ediert 1713, 1716, 1722 und 1730, behauptet sich Couperin le Grand als sicherer und hochgesch\u00e4tzter Wert f\u00fcr Interpret und Publikum. <\/p>\n<p> Eine Gesamtaufnahme legt der Cembalist (und in Tel Aviv arbeitende Journalist) Michael Borgstede auf elf CDs vor. An zwei Instrumenten \u2013 Nachbauten von 1998 bzw. 1995 durch Titus Crijnen nach Joannes Ruckers (1638) und Henri Hemsch (1754) \u2013 entfaltet er, ganz nach Couperins Anweisungen, eine facettenreiche Palette von Stimmungen: majestueusement, gracieusement, tendrement, na\u00efvement, grotesquement, douloureusement, dans le go\u00fbt burlesque \u2026, einen glanzvollen Kosmos h\u00f6fischer Tanzs\u00e4tze und Charakterst\u00fccke, reich garniert mit Girlanden glitzernder und funkelnder Verzierungen. In f\u00fcnf S\u00e4tzen bringen die Geigerin Sophie Gent bzw. der Gambist Joshua Cheatham zus\u00e4tzliche Abwechslung ins Klangbild. <\/p>\n<p> Auch die acht Pr\u00e9ludes und die Allemande aus Couperins Lehrbuch \u00abL\u2019Art de toucher le clavecin\u00bb von 1716 hat Borgstede nach des Komponisten Vorschlag an die Spitze ausgew\u00e4hlter Suiten gestellt. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Gy\u00f6rgy Ligeti: Complete Piano Music. Frederik Ull\u00e9n. (BIS-CD 1683\/84; 2 CDs; 130\u2019. Booklet engl., dt., frz.) <\/p>\n<p> Nikolai Medtner: Piano Sonatas (complete); Piano Works. Hamish Milne. (Brilliant Classics 8851; 7-CD-Box. Booklet engl.) <\/p>\n<p> Fran\u00e7ois Couperin: 4 Livres de pi\u00e8ces de clavecin. Complete harpsicord music. Michael Borgstede. (Brilliant Classics 93082; 11-CD-Box. Beiheftchen engl.)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15.07.2008 &#8212; Eines der zentralen Klavier\u0153uvres in der 2. H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts ist Gy\u00f6rgy Ligeti (1923\u20132006) zu verdanken. 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