{"id":1016,"date":"2014-01-13T10:06:58","date_gmt":"2014-01-13T10:06:58","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/ljapunows-etudes-d-execution-transcendante\/"},"modified":"2014-01-13T10:06:58","modified_gmt":"2014-01-13T10:06:58","slug":"ljapunows-etudes-d-execution-transcendante","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/ljapunows-etudes-d-execution-transcendante\/","title":{"rendered":"Ljapunows \u00abEtudes d\u00b4ex\u00e9cution transcendante\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2008\/081127ljapunow.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>27.11.2008 &#8212; Die russische Musik steht zur Zeit wieder hoch im Kurs. Man kann dies als sp\u00e4te Folge des Falls des Eisernen Vorhangs sehen. Die wiedergewonnenen Freiheiten der Begegnung haben es erlaubt, einen erheblichen Nachholbedarf in Sachen Kulturaustausch zu befriedigen. Grosse Gef\u00fchle und stupende Virtuosit\u00e4t \u2212 seit jeher eine Dom\u00e4ne der russischen Musikerseele \u2212 feiern aber nach Zeiten des unterk\u00fchlten Intellektualismus im Westen auch sonst eine eindruckliche Wiedergeburt. Da erstaunt es kaum, dass fast vergessen geratene Vertreter aus dem einstigen Zarenreich wieder in Erinnerung gerufen werden. L\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig schien etwa die deutsche Ersteinspielung von Klavierwerken Sergej Ljapunows.<\/p>\n<p> Der 1859 geborene Komponist und Pianist aus dem Umkreis des \u00abM\u00e4chtigen H\u00e4ufleins\u00bb hat neben Sinfonien und Kammermusik eine Reihe \u00fcberbordender pianistischer Fingerbrecher geschrieben, darunter um die Wende zum 20. Jahrhundert die \u00ab12 Etudes d&#8217;ex\u00e9cution transcendante\u00bb, op.11, die in Namen und Machart \u00fcberdeutlich das grosse Vorbild Liszt beschw\u00f6ren \u2212 und diesem zum Schluss auch explizit Reverenz erweisen. Dies erstaunt wenig, hat Ljapunow sein pianistisches Handwerk am Moskauer Konservatorium doch in erster Linie bei zwei prominenten Liszt-Sch\u00fclern erlernt, n\u00e4mlich bei Paul Papst und Karl Klindworth.<\/p>\n<p> Sein Leben beschloss Ljapunow nach sp\u00e4ten, aber grossen p\u00e4dagogischen Erfolgen als Professor f\u00fcr Klavier und Komposition am St. Petersburger Konservatorium als russischer Emigrant in Paris. Ersch\u00f6pft von den Torheiten der kommunistischen Kulturpolitik hat er sich w\u00e4hrend eines Gastspiels in Frankreich dazu entschlossen, nicht mehr nach Hause zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n<p> Die zw\u00f6lf Et\u00fcden op.11 ragen aus seinem Gesamtwerk heraus. Sie wandern ausgehend von Fis-Dur und dis-Moll im Quintenzirkel durch die Kreuztonarten, \u00fcber die jeweiligen Dur-\/Moll-Paare bis zu G-Dur und e-Moll, und sie tragen programmatische Titel wie \u00abBerceuse\u00bb, \u00abT\u00e9rek\u00bb, \u00abTemp\u00eate\u00bb, \u00abHarpes \u00e9oliennes\u00bb oder \u00ab\u00c9l\u00e9gie en m\u00e9moire de Fran\u00e7ois Liszt\u00bb, letztere als Schlussstein mit gut 13 Minuten Spieldauer die l\u00e4ngste des insgesamt knapp achtzig Minuten dauernden Zyklus.<\/p>\n<p> Der Klaviersatz ist fast durchgehend \u00fcppig, vollgriffig, Arpeggien- und Passagenwerk-verliebt und mit reicher Chromatik und Harmonik durchtr\u00e4nkt, die weniger eine strukturelle als vielmehr eine koloristische Funktion einnehmen. Und tats\u00e4chlich steigt da beim Zuh\u00f6ren das Bild eines behaglichen, mit Ikonen und Devotionalien \u00fcberladenen, von schweren Pl\u00fcschsofas, Teppichen und dunklen H\u00f6lzern dominierten russischen Salons vor dem geistigen Auge auf. <\/p>\n<p> Der 1953 in Potsdam geborene Pianist Hans-Dieter Meyer-Moortgat, ein Sch\u00fcler Heinz K\u00e4mmerlings, war lange Zeit an der St\u00e4dtischen Musikschule Braunschweig Fachleiter der Klavierklassen und Hauptfachlehrer f\u00fcr studienvorbereitende Ausbildung f\u00fcr Klavier und Orgel. Heute unterh\u00e4lt er in Wolfenb\u00fcttel die private Klavier- und Orgelschule \u00abAm Wasserturm\u00bb. Sie verf\u00fcgt \u00fcber einen eigenen Kammermusiksaal, der auch als Aufnahmeraum f\u00fcr die vorliegende Einspielung gedient hat.<\/p>\n<p> In den neunziger Jahren des 20.Jahrhunderts hat sich Meyer-Moortgat bereits mit einem andern Klaviervirtuosen aus dem Liszt-Umfeld besch\u00e4ftigt, n\u00e4mlich mit dessen direktem Sch\u00fcler Julius Reubke. Reubkes technisch teils exorbitant schwer zu spielendes Gesamtwerk f\u00fcr Klavier und Orgel hat Meyer-Moortgat auf CD eingespielt.<\/p>\n<p> Mit den nicht minder kniffligen technischen Problemen der Ljapunow-Et\u00fcden scheint der erfahrene Pianist scheinbar spielend fertig zu werden. Der russische Sp\u00e4tromantiker h\u00e4tte im deutschsprachigen Raum wohl kaum einen versierteren F\u00fcrsprecher erhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p> Eine in Dynamik, Artikulation und Phrasierung noch etwas differenziertere und bewusster strukturierte Interpretation k\u00f6nnte dem Zuh\u00f6rer aber m\u00f6glicherweise helfen, sich von der fast ununterbrochen \u00fcberstr\u00f6menden Emphase der Charakterst\u00fccke nicht erm\u00fcden zu lassen und ihnen vollends die Tiefe zu verleihen, welche die pianistischen Oberfl\u00e4chenreize nicht zu erreichen verm\u00f6gen.<\/p>\n<p> So oder so sind die halt eben transzendenten \u2212 das heisst hinsichtlich ihrer Ausf\u00fchrbarkeit alle zu ihrer Zeit bekannte pianistische Virtuosit\u00e4t \u00fcberschreitenden \u2212 Et\u00fcden eine interessante Erweiterung des heutigen Repertoires. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Sergej Ljapunow: \u00ab12 Etudes d&#8217;ex\u00e9cution transcendante\u00bb, Hans-Dieter Meyer-Moortgat (Klavier), 2007 aufgenommen im Saal \u00abAm Wasserturm\u00bb, Wolfenb\u00fcttel. Gesamtspieldauer 78&#8242; 47&#8220;, Sicus Klassik sic 009-2. <a href=\"http:\/\/sicus.de\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/sicus.de<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>27.11.2008 &#8212; Die russische Musik steht zur Zeit wieder hoch im Kurs. 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