{"id":1020,"date":"2014-01-13T10:08:56","date_gmt":"2014-01-13T10:08:56","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/chopins-klavierkonzerte-fuer-piano-solo\/"},"modified":"2014-01-13T10:08:56","modified_gmt":"2014-01-13T10:08:56","slug":"chopins-klavierkonzerte-fuer-piano-solo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/chopins-klavierkonzerte-fuer-piano-solo\/","title":{"rendered":"Chopins Klavierkonzerte f\u00fcr Piano solo"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/090106michna.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>07.01.2009 &#8212; Als Musik noch nicht aufgenommen und beliebig oft und an beliebigen Orten wieder abgespielt werden konnte, musste abseits des Konzertbesuches selber zu einem Instrument greifen, wer sich \u00fcber die neuesten Trends auf dem Laufenden halten wollte. Im 19. Jahrhundert war das intellektuell anspruchsvolle Musizieren aber auch nicht mehr bloss dem adligen Vergn\u00fcgen und der Kirche vorbehalten. Es wurde auch zu einer bevorzugten Besch\u00e4ftigung des aufstrebenden B\u00fcrgertums. Und da bildete sich eine breite Basis an musikalischer Kompetenz aus, die heute kaum mehr vorstellbar ist. Die Folge: Die grossen Renner \u2212 von den klassischen und romantischen Sinfonien \u00fcber Opern bis zu den Instrumentalkonzerten waren in unz\u00e4hligen Fassungen f\u00fcr Klavier zu zwei H\u00e4nden, Klavier zu vier H\u00e4nden, f\u00fcr zwei Klaviere, Klavier und Geige, zwei Geigen, Streichquartett, Trompete und Oboe, Harfe und Ophikleide, Harmonium und Maultrommel oder Gitarren- und Blockfl\u00f6tengruppen greifbar. Da geh\u00f6rte es zu den abendlichen Vergn\u00fcgen, vornehmlich der \u00abh\u00f6heren T\u00f6chter\u00bb, der Familie die salonf\u00e4higen Fassungen der grossen Orchesterwerke darzubringen.<\/p>\n<p> Dazu gibt&#8217;s aus einem Aufsatz des Musikkritikers Eduard Hanslick (\u00abGemeine, sch\u00e4dliche und gemeinsch\u00e4dliche Klavierspielerei\u00bb) eine doch eher polemische Beschreibung, die zu h\u00fcbsch ist, um sie dem gesch\u00e4tzten Publikum hier vorzuenthalten: \u00abEs war eine angeblich &#8218;ruhige&#8216;, etwas enge Gasse, in welcher ich vor einigen Jahren das Gl\u00fcck hatte, ein clavierfreies Haus zu bewohnen. Aber mir gegen\u00fcber st\u00fcrmten aus drei Stockwerken alle b\u00f6sen Geister zu den stets offenen Fenstern heraus. W\u00e4hrend im ersten Stock mehrere musikalische Schwestern von schwachem Geh\u00f6r und stets verstimmtem Clavier Beethoven, Strauss, Offenbach und Chopin durcheinander sch\u00fcttelten, blutete \u00fcber ihnen ein junges Opfer musikalischer Dressur stundenlang unter Tonleitern und Uebungen. (..) Der Abend pflegte im anstossenden Hause durch vierh\u00e4ndiges Abschlachten altersschwacher Ouvert\u00fcren gefeiert zu werden\u00bb.<\/p>\n<p> Hanslicks Stossseufzer zum Trotz muss zugegeben werden, dass der aktiven Auseinandersetzung mit den Partituren doch einges mehr an Reiz innegewohnt haben muss, als dem Pff-Pff-Tsch-Tsch, das heutigen Musikkonsumenten aus Ohrst\u00f6pseln zeitgen\u00f6ssischer MP3-Player in die klangs\u00fcchtigen Ohren dr\u00f6hnt, oder meinetwegen auch nur tr\u00f6pfelt.<\/p>\n<p> Auch von den zwei Klavierkonzerten Fr\u00e9d\u00e9ric Chopins kursierten mehrere Reduktionen f\u00fcr ein Klavier auf dem Markt. In der <a href=\"http:\/\/imslp.org\/wiki\/Hauptseite\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Petrucci-Bibliothek<\/a>, einer Online-Sammlung frei verf\u00fcgbarer Notenmaterialien, finden sich allein vom Konzert op. 11 deren drei, n\u00e4mlich solche von Karl Klindworth (1830-1916) und Franz Xaver Scharwenka (1850-1924), von Carl Tausig (1841-1871) und von Mily Balakirev (1837-1910). Daneben findet sich auch eine Version f\u00fcr Streichquartett, und vom Konzert op. 21 ist da eine Fassung von Chopin selber greifbar. Sorgf\u00e4ltig erstellte und gut dokumentierte \u00abUrtext\u00bb-Fassungen der beiden Konzerte f\u00fcr Klavier solo sind heute aber auch in der vom Musikwissenschaftler Jan Ekier betreuten \u00abnationalen Gesamtausgabe\u00bb der Werke Chopins erh\u00e4ltlich (mehr dazu findet sich im Web unter dem URL <a href=\"http:\/\/www.chopin-nationaledition.com\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.chopin-nationaledition.com<\/a>).<\/p>\n<p> Die polnische Pianistin Joanna Michna, die sich ihr Handwerk unter anderem bei Ekier erworben hat, hat f\u00fcr das Label Elisio bereits zahlreiche Werke Chopins eingespielt, im Februar 2008 im renommierten Sandhausener Tonstudio van Geest zuletzt auch die Solofassungen der beiden Konzerte. Auf den ersten Blick ist dies nicht unbedingt einsichtig, scheinen die Reduktionen doch eben eher f\u00fcrs Selbststudium oder der mangels Ressourcen abgespeckten Pr\u00e4sentation im privaten Kreis gedacht: Der Solist wird in den Tutti-Stellen zu so etwas wie seinem eigenen Korrepetitor, f\u00fcr den Zuh\u00f6rer ergeben sich da kaum berauschende neue Klangerlebnisse.<\/p>\n<p> Joanna Michna f\u00fchrt aber gute Gr\u00fcnde an, sich den reduzierten Fassungen zuzuwenden und sie dem Publikum als H\u00f6ralternativen anzudienen. Der Klavierpart kann wesentlich freier gestaltet werden, insbesondere ist das f\u00fcr den Charme der chopinschen Klangwelten so wichtige Rubatospiel konsequenter umsetzbar. Zudem, so Michna im Booklet, machten die Solofassungen noch bewusster, wie gross die Liebe des jungen Chopin zur polnischen Volksmusik gewesen sei, und wie sehr die polnischen T\u00e4nze <em>Kujawiak<\/em>, <em>Krakowiak<\/em> und <em>Polonez<\/em> sein damaliges Schaffen inspiriert h\u00e4tten.<\/p>\n<p> Hinzuzuf\u00fcgen w\u00e4re dem, dass der Verlust der Instrumentalfarben ja im Grunde genommen nicht wirklich schmerzt. Das Begleitensemble nimmt ohnehin eher eine stichwortgebende Komparsenrolle ein, und die Werke finden ihren Daseinsgrund nun wahrlich nicht im echten Dialog zwischen Solist und Orchester. Michna bew\u00e4ltigt die Aufgabe technisch und interpretatorisch souver\u00e4n, klar konturiert und ohne sich von den gewonnenen Freiheiten des Alleinespielens zu Sentimentalit\u00e4ten hinreissen zu lassen. In der dynamischen Spannweite scheint sie sich vom Konzertmodell mit der R\u00fccksichtnahme auf ein imagin\u00e4res Begleitensemble allerdings nicht allzu sehr entfernen zu wollen. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Chopin: Concertos without Orchestra, Joanna Michna (Piano), Elisio ECD-1629.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>07.01.2009 &#8212; Als Musik noch nicht aufgenommen und beliebig oft und an beliebigen Orten wieder abgespielt werden konnte, musste abseits&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-1020","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1020","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1020"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1020\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1020"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1020"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1020"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}