{"id":1021,"date":"2014-01-13T10:09:47","date_gmt":"2014-01-13T10:09:47","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/alfred-schnittkes-klavierkonzerte\/"},"modified":"2014-01-13T10:09:47","modified_gmt":"2014-01-13T10:09:47","slug":"alfred-schnittkes-klavierkonzerte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/alfred-schnittkes-klavierkonzerte\/","title":{"rendered":"Alfred Schnittkes Klavierkonzerte"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/090115schnittke.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>20.01.2009 &#8212; Es ist zu hoffen, dass Komponisten wie Alfred Schnittke nicht mehr nach dem beurteilt werden, was sie <em>nicht<\/em> sind, n\u00e4mlich atonale Verweigerer eing\u00e4nglicher Expressivit\u00e4t. Dann \u00f6ffnet sich das Ohr f\u00fcr den Eigenwert der originellen k\u00fcnstlerischen Wege, die sie beschritten und die Ausdrucksbereiche, die sie mit ihren eigenen Strategien erobert haben. Man wird ihnen dann auch nicht mehr zum Vorwurf machen, dass sie in ihrer Jugend mit den Stilmitteln ihrer geistigen V\u00e4ter experimentierten, wie dies die Adepten der Neut\u00f6ner im Grunde genommen ja genauso gemacht haben, nur dass es bei ihnen wegen des intellektuellen Chic weniger aufgefallen ist.<\/p>\n<p> Eine hervorragende Gelegenheit zu einer autonomen Beurteilung der stilistischen Entwicklungen, die der deutsch-russische Tonsch\u00f6pfer durchgemacht hat, bietet die Einspielung seiner Klavierkonzerte, die hier auf einer einzigen CD vereint sind. <\/p>\n<p> Da ist zun\u00e4chst das Konzert f\u00fcr Klavier und Orchester aus dem Jahr 1960, das Schnittke als Reifepr\u00fcfung im Anschluss an seine Ausbildung am Moskauer Konservatorium vorgelegt hat. Wieder aus der Versenkung hervorgeholt worden ist es 2005 von der Pianistin Ewa Kupiec, dem Dirigenten Frank Strobel und dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. Es ist noch ganz der Tradition des Sowjetrealismus mit seiner teils schrillen, teils melodramatischen Maschinen\u00e4sthetik verpflichtet, zeugt aber vom grossen Talent seines Sch\u00f6pfers.<\/p>\n<p> Ganz anders das Konzert f\u00fcr Klavier und Streichorchester aus dem Jahr 1979. Es bettet den Klavierpart \u00fcber weite Strecken in ein irisierendes Panoptikum von Streichertexturen ein und zeigt, wie souver\u00e4n sich Schnittke der Spiel- und Orchestrierungstechniken der europ\u00e4ischen Avantgarde zu bedienen verstand, ohne seine Wurzeln im expressiven Untermalen imagin\u00e4rer Emotionslandschaften zu verleugnen.<\/p>\n<p> Noch konsequenter zeigt sich die Differenzierung des technischen und klanglichen Ausdrucks in der originellen Besetzung des Konzertes f\u00fcr vierh\u00e4ndig gespieltes Klavier und Kammerorchester. Es f\u00fchrt \u00fcber den Kunstgriff der solistisch besetzten Blasregister noch weiter von der Klangwucht der russischen Revolutions-Sinfonien weg \u2212 hin zum Spiel mit subtilen Timbres.<\/p>\n<p> Die Interpreten lassen keine W\u00fcnsche offen. Frank Strobel ist ein intimer Kenner der Musik Schnittkes. Er hat mit dem Komponisten mehrmals eng zusammengearbeitet und sich mit dessen Klangwelten in Urauff\u00fchrungen und Bearbeitungen auseinandergesetzt, die auf ausdr\u00fccklichen Wunsch Schnittkes selber entstanden sind. Aber auch mit dem \u00e4sthetischen Umfeld Schnittkes ist er bestens vertraut. So hat er etwa auch Prokofjews \u00abAlexander Newski\u00bb uraufgef\u00fchrt und sich als versierter Spezialist f\u00fcr Stummfilmmusik sowie als Chefdirigent des Deutschen Filmorchesters Babelsberg ausgezeichnet. Die herausragende Pianistin Ewa Kupiec \u2212 eine bemerkenswert eigenst\u00e4ndige k\u00fcnstlerische Pers\u00f6nlichkeit \u2212 und ihre Partnerin Maria Lettberg lassen ebenfalls nichts anbrennen.<\/p>\n<p> Die Aufnahmen zum Klavierkonzert aus dem Jahr 1960 entstanden im November 2005 in Berlin im Vorfeld der erstmaligen Wiederauff\u00fchrung des Werkes nachdem es nach der Urauff\u00fchrung in Moskau in der Versenkung veschwunden war. Die beiden sp\u00e4teren Werke sind ein Jahr sp\u00e4ter ebenfalls in Berlin eingespielt worden. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Alfred Schnittke: Die Klavierkonzerte, Ewa Kupiec (Klavier), Maria Lettberg (Klavier), Rundfunk-Sinfonieorhcester Berlin, Frank Strobel (Leitung), Phoenix Edition 103, 1 SACD,\u00b7in Zusammenarbeit mit Deutschlandradio Kultur. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>20.01.2009 &#8212; Es ist zu hoffen, dass Komponisten wie Alfred Schnittke nicht mehr nach dem beurteilt werden, was sie nicht&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-1021","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1021","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1021"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1021\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1021"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1021"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1021"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}