{"id":1024,"date":"2014-01-13T10:11:16","date_gmt":"2014-01-13T10:11:16","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/musik-des-haendel-zeitgenossen-pepusch\/"},"modified":"2014-01-13T10:11:16","modified_gmt":"2014-01-13T10:11:16","slug":"musik-des-haendel-zeitgenossen-pepusch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/musik-des-haendel-zeitgenossen-pepusch\/","title":{"rendered":"Musik des H\u00e4ndel-Zeitgenossen Pepusch"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/090224pepusch.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>24.02.2009 &#8212; Wir befinden uns in einem H\u00e4ndel-Jahr, werfen also einmal mehr den Blick zur\u00fcck in eine Epoche dessen, was wir heute als Alte Musik bezeichnen. Der Sch\u00f6pfer der Wassermusik und zahlreicher heute wieder \u00fcberaus popul\u00e4rer Opern steht f\u00fcr eine ganze Epoche, die in Kammermusik und Musiktheater noch (oder wieder) Entdeckungen erlaubt. Ironischerweise ging es den Musikern zu H\u00e4ndels Lebzeiten genauso. Ihren zeitgen\u00f6ssischen (und heute alten) Kl\u00e4ngen setzten sie aus ihrer Perspektive alte (und aus heutiger Sicht schon ausgesprochen alte) musikalische Universen entgegen und erforschten diese in &#8230; einer Academy of Ancient Music. Die klangliche Wiederbelebung versunkener Zeiten selber scheint also ein zeitloses Ph\u00e4nomen zu sein.<\/p>\n<p> In der Academy richtete sich der Blick vor allem auf das Elisabethanische Zeitalter. Das hatte etwas f\u00fcr sich: Wenn wir 1560 als Stichdatum f\u00fcr die Kultur am Hofe Elisabeth I. festlegen, dann war dessen Musik f\u00fcr die Zeitgenossen H\u00e4ndels von 1710 \u2212 dem Gr\u00fcndungsjahr der Academy \u2212 etwa so weit entfernt, wie f\u00fcr uns heute die Musik von 1859, also etwa die Urauff\u00fchrung von Charles Gounods \u00abFaust\u00bb oder die Entstehung von Wagners \u00abTristan und Isolde\u00bb. Man vergisst diese zeitlichen Distanzen der aus heutiger Sicht historischen Epochen aus der geschichtlichen Ferne ganz gerne. <\/p>\n<p> Ein wichtiger Mitbegr\u00fcnder der Academy war Johann Christoph Pepusch, der wie H\u00e4ndel als deutscher Tonsch\u00f6pfer seinen k\u00fcnstlerischen Weg vor allem in England machte und mit der \u00abBeggar&#8217;s Opera\u00bb so etwas wie einen satirischen Gegenentwurf zu H\u00e4ndels kommerziell erfolgreichen Dramen schuf. Die Bettleroper begr\u00fcndete eine Tradition der \u00abBallad Opera\u00bb, die bis heute daf\u00fcr sorgt, dass die britische Opern\u00e4sthetik bodenst\u00e4ndig und volksverbunden geblieben ist. Reverenz erwiesen haben ihr \u00fcberdies Bert Brecht und Kurt Weill mit ihrer Adaption in Form der \u00abDreigroschenoper\u00bb. <\/p>\n<p> Es w\u00e4re aber falsch, Pepusch einfach als bacchantischen Gegenpart zu H\u00e4ndel zu sehen. Der Berliner Pfarrerssohn lehrte an der Oxford University und war selber ein einfallsreicher, handwerklich souver\u00e4ner und mit hohem \u00e4sthetischem Geschmack geschlagener Komponist. Einen Gl\u00fccksfall bildet deshalb die Tatsache, dass ihm just im Vorfeld zum Gedenkjahr an seinen grossen Gegenpart H\u00e4ndel das Basler Ensemble La Tempesta mit einem beim spanischen Label Enchiriadis erschienen Album ein Denkmal gesetzt hat. <\/p>\n<p> Das Ensemble besteht aus dem Tenor Felix Rienth, der Blockfl\u00f6tenspielerin Muriel Rochat Rienth (die das Ensemble auf der CD auch leitet) sowie einem Basso continuo aus Norberto Broggini (Cembalo und Orgel) und wahlweise der Gambistin Romina Lischka und dem Barockfagottisten Philippe Miqueu.<\/p>\n<p> Das Ensemble hat vier Kantaten f\u00fcr Tenor und Blockfl\u00f6te, drei Blockfl\u00f6tensonaten und sechs sogenannte \u00abVoluntaries\u00bb f\u00fcr Orgel solo auf Silberscheibe gebrannt, die es bereits im September 2006 in der Kirche von Betberg im Schwarzwald aufgenommen hat. Der Kirchenraum und vermutlich auch die Kunst des Basler Tontechnikers Gabor Kartschmaroff sorgen f\u00fcr einen ungew\u00f6hnlich ausgewogenen und warmen, differenzierten und dennoch geschlossenen Gesamteindruck \u2212 kein geringes Kunstst\u00fcck, erzeugt das Ensemble mit einer Stimme, einem Blas- und einem Streichinstrument sowie dem Cembalo doch einen ausgesprochenen Spaltklang.<\/p>\n<p> Die farbige, transparente und einfallsreiche Musik ist auch interpretatorisch in besten H\u00e4nden (und Kehlen). Muriel Rochat Rienth entlockt ihrem von Natur aus wenig modulationsf\u00e4higen Instrument fein gestaltete und organisch aufbl\u00fchende Linien, der Tenor Felix Rienths h\u00e4lt damit souver\u00e4n und ebenb\u00fcrtig Zwiegespr\u00e4ch, Norberto Broggini l\u00e4sst als Solist ahnen, dass Pepuschs Orgelmusik auch \u00fcber Spezialistenkreise hinaus eine Wiederentdeckung wert ist, und die Generalbassgruppe entledigt sich ihrer Aufgabe mit der n\u00f6tigen Diskretion und Delikatesse.<\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Pepusch: Tenor Cantatas, Recorder Sonatas, Felix Rienth (Tenor), Muriel Rochat Rienth (Blockfl\u00f6te), Norberto Broggini (Cembalo und Orgel), Romina Lischka (Viola da Gamba), Philippe Miqueu (Barockfagott).Enchiriadis 2008, Best.Nr. EN 2024. Webseite des Ensembles: <a href=\"http:\/\/www.latempestabasel.com\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.latempestabasel.com<\/a> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>24.02.2009 &#8212; Wir befinden uns in einem H\u00e4ndel-Jahr, werfen also einmal mehr den Blick zur\u00fcck in eine Epoche dessen, was&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-1024","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1024","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1024"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1024\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1024"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1024"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1024"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}