{"id":1028,"date":"2014-01-13T10:13:07","date_gmt":"2014-01-13T10:13:07","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/pianisten-und-komponisten-leimer-und-field\/"},"modified":"2014-01-13T10:13:07","modified_gmt":"2014-01-13T10:13:07","slug":"pianisten-und-komponisten-leimer-und-field","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/pianisten-und-komponisten-leimer-und-field\/","title":{"rendered":"Pianisten und Komponisten: Leimer und Field"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/leimer1_18209.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>20.03.2009 &#8212; Vier Konzerte f\u00fcr sein Instrument und einige Solowerke hat der deutsche Pianist Kurt Leimer (1920\u20131974) komponiert. Dass er beim illustren Rachmaninow-Sch\u00fcler Wladimir Horbowsky studierte, hat sich im 1955 fertiggestellten 4. Konzert niedergeschlagen. Es ist von russischem Habitus gepr\u00e4gt mit kantigen Themen, schwerem Orchestersatz mit kompaktem Blechbl\u00e4serharst, verweist auch mal auf Bart\u00f3k, ist thematisch dicht verzahnt, spielt mit motivischen und rhythmischen Partikeln und Einfl\u00fcssen des Jazz, verschmilzt in seiner eins\u00e4tzigen Anlage Sonaten- und Rondoform. Er habe sich hier die Aufgabe gestellt, erl\u00e4uterte Leimer, \u00abgr\u00f6sste Gegens\u00e4tze in eine Synthese zu zwingen, ohne dabei die Einheit des Charakters im Ganzen zu gef\u00e4hrden\u00bb.<\/p>\n<p> Keines von Leimers Klavierkonzerten hat den Einzug ins Repertoire der Rarit\u00e4ten geschafft; die technischen Schwierigkeiten des Soloparts, den sich Leimer in seine H\u00e4nde geschrieben hat, sind auch im 4. Konzert dermassen exorbitant, dass andere Pianisten lieber die Finger davon lassen. <\/p>\n<p> So h\u00e4lt man sich denn mit Gewinn an Leimers eigene Interpretation, die er 1961 in New York mit dem Dirigenten Leopold Stokowsky f\u00fcr das Label EMI realisierte und deren Masterb\u00e4nder (mono) f\u00fcr die vorliegende CD aufbereitet wurden. <\/p>\n<p> Kurt Leimers Eloquenz, Klarheit und unfehlbare technische Souver\u00e4nit\u00e4t mit lockerem Anschlag und federnder Rhythmik ist desgleichen zu bewundern in der 1970 realisierten Einspielung von Gershwins Concerto in F, in der Leimer die Welt des Jazz und jene der Klassik in elegant austariertem Gleichgewicht h\u00e4lt. <\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/leimer2_18209.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/> Nach Leimers Einspielungen seines Klavierkonzerts f\u00fcr die linke Hand (Philharmonia Orchestra London unter Karajan; 1954) und dem Panathen\u00e4enzug op. 74 von Richard Strauss (N\u00fcrnberger Symphoniker unter Neidlinger; 1972) liegt die vierte CD der durch die Kurt Leimer Stiftung, Z\u00fcrich, betrauten Sonderedition im Label Colosseum Classics vor. Das Album enth\u00e4lt Kurt Leimers pers\u00f6nlichkeitsstarke, romantischen \u00dcberdruck meidende Interpretationen von Brahms\u2019 2. Konzert (Mono-Aufnahme aus den sp\u00e4ten Sechzigerjahren) und Tschaikowskis b-Moll-Konzert (eingespielt 1971, stereo), vitale und k\u00fcnstlerisch ber\u00fchrende Zeugnisse eines der zu fr\u00fch verstorbenen grossen Pianisten des 20. Jahrhunderts. <\/p>\n<p> <strong>John Fields Klavierkonzerte <\/strong><\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/field18209.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/> Die beiden sind, wenigstens im Bewusstsein der Klaviermusikfreunde, unzertrennlich: Field und Nocturne. Das ehemalige Nachtst\u00fcck oder Abendst\u00e4ndchen als Freiluft-Serenade importierte der Ire John Field in die h\u00e4usliche Klaviermusik. Der Pole Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin hat dann die tr\u00e4umerische Nocturne \u2013 wie Scherzo und Ballade \u2013 als ureigene Gattung und Ausdrucksform f\u00fcr den Konzertsaal adaptiert. <\/p>\n<p> Der Name Fields (er lebte von 1782 bis 1837) bleibt auch verbunden mit jenem Muzio Clementis, seinem Lehrer, Arbeitgeber in dessen Klavierhandlung in London und Reisebegleiter nach Paris, Wien, St. Petersburg (1802). Nach Clementis R\u00fcckreise 1803 blieb Field in Petersburg; in Russland konzertierte, unterrichtete und komponierte er mit eklatantem Erfolg, liess sich 1821 in Moskau nieder. Anfang der Dreissigerjahre unternahm er, gesundheitlich geschw\u00e4cht, eine Reise durch Mitteleuropa. 1837, erst 55-j\u00e4hrig, starb Field, weitgehend vergessen, in Moskau. <\/p>\n<p> Vor einem Jahrzehnt haben der Pianist M\u00edce\u00e1l O\u2019Rourke, der sich u. a. auch als Interpret Chopins, Schumanns, Debussys, Brittens einen Namen gemacht hat, und die London Mozart Players unter Matthias Bamert die sieben zwischen 1799 und 1822 komponierten Klavierkonzerte Fields f\u00fcr Chandos eingespielt. In einer Box mit vier CDs und ausf\u00fchrlichem Booklet (engl., frz.) sind sie nun, digital aufgefrischt, wieder erh\u00e4ltlich. Als Zugabe: Divertissements 1 und 2, das As-Dur-Klavierquintett und die Nocturne Nr. 16. <\/p>\n<p> Die Vorz\u00fcge Fields, die von Schumann, Liszt, Glinka (einem von Fields Sch\u00fclern) und Busoni respektvoll ger\u00fchmt wurden, liegen nicht in auftrumpfender Virtuosit\u00e4t (bezeichnend der Verzicht auf Kadenzen), vielmehr nehmen sie ein durch eindringliche Rhetorik, pianistische Delikatesse, sensible Ausdrucksn\u00fcancen, atmosph\u00e4rischen Reiz, Grazie und Poesie. Entsprechend ist der Orchestersatz transparent, die Instrumentation (Bl\u00e4ser!) erfindungs- und farbenreich. Und alles w\u00e4chst formal \u00fcbersichtlich aus quasi improvisatorischem Gestus, was dem musikalischen Verlauf und dem Klaviersatz Frische und \u00dcberraschung sichert. <\/p>\n<p> In den Interpretationen kommen diese Vorz\u00fcge in \u00fcberzeugender Art zum Ausdruck, sowohl in der klanglich und agogisch differenzierten pianistischen Bew\u00e4ltigung wie in der inspirierten Umsetzung des Orchesterparts. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Kurt Leimer: Klavierkonzert Nr. 4 in einem Satz (1955). George Gershwin: Concerto in F. \u2013 Kurt Leimer, Klavier. Skyline Symphony Orchestra; Leitung G\u00fcnther Neidlinger (Leimer). Symphony of the Air-Orchestra New York; Leitung Leopold Stokowski (Gershwin). (Colosseum Classics COL 9202.2; 67\u2019) <\/p>\n<p> Brahms: Klavierkonzert B-Dur op. 83. Tschaikowski: Klavierkonzert b-Moll op. 23. \u2013 Kurt Leimer, Klavier. N\u00fcrnberger Symphoniker; Leitung Erich Kloss (Brahms). Symphony of the Air-Orchestra New York; Leitung G\u00fcnther Neidlinger (Tschaikowski). (Colosseum Classics COL 9203.2; 76\u2019) <\/p>\n<p> John Field: The Piano Concertos. M\u00edce\u00e1l O\u2019Rourke, Klavier. London Mozart Players. Leitung Matthias Bamert. (Chandos Classics CHAN 10468(4) X; 250\u2019) <\/p>\n<p> Siehe auch: <br \/> <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/rezensionen_ind2.php?art=341\">Musik f\u00fcr Tasteninstrumente<\/a> (Leimer spielt Chopin) <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>20.03.2009 &#8212; Vier Konzerte f\u00fcr sein Instrument und einige Solowerke hat der deutsche Pianist Kurt Leimer (1920\u20131974) komponiert. Dass er&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-1028","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1028","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1028"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1028\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1028"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1028"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1028"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}