{"id":1029,"date":"2014-01-13T10:13:38","date_gmt":"2014-01-13T10:13:38","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/dubugnons-musikalische-tarotkarten\/"},"modified":"2014-01-13T10:13:38","modified_gmt":"2014-01-13T10:13:38","slug":"dubugnons-musikalische-tarotkarten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/dubugnons-musikalische-tarotkarten\/","title":{"rendered":"Dubugnons musikalische Tarotkarten"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/090404arcanes.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>07.04.2009 &#8212; Die Idee ist so einleuchtend, dass man sich fragt, weshalb noch keiner darauf gekommen ist: Die Tarotkarten mit ihrem szenischen und fig\u00fcrlichen Mikrokosmos bieten sich f\u00f6rmlich an f\u00fcr eine Umsetzung in musikalische Bilder. Daraus eine \u00fcppige Kollektion zu machen, aus der \u2013 wie bei der Nutzung der Karten zur Grossen Weltbefragung \u2013 mehrere S\u00e4tze \u00abgezogen\u00bb werden k\u00f6nnen, die sich dann zu Suiten zusammenstellen lassen, das ist schon ein Einfall f\u00fcr sich.<\/p>\n<p> Von ihm leiten lassen hat sich der 1968 in Lausanne geborene, sich selber als franz\u00f6sisch-schweizerischen Komponisten bezeichnende Richard Dubugnon. Seine vom \u00abTarot de Marseille\u00bb inspirierten \u00abArcanes symphoniques\u00bb sind \u00fcber mehrere Jahre an verschiedenen Orten geschrieben worden. In Frankreich hat der Komponist daf\u00fcr soeben den Grand Prix Lyc\u00e9en des Compositeurs 2009 erhalten, ex aequo mit der Komponistin Sophie Lacaze, die sich ebenfalls einem symbolistischen Zyklus gewidmet hat, n\u00e4mlich den vier Elementen.<\/p>\n<p> Die Preisverleihung ist \u00fcbrigens in typisch franz\u00f6sischer Form als eloquente Debatte inszeniert worden. Rund 800 Studierende haben sich dazu im Haus von Maison France versammelt. Die vom Moderator Dominique Boutel geleitete Diskussion wird dieser Tage (am 9. April 2009, um genau zu sein) von Radio France in der Sendung Ado Di\u00e8se ausgestrahlt.<\/p>\n<p> Dubugnon greift f\u00fcr seine \u00abArcanes\u00bb auf eine reiche Metaphorik zur\u00fcck. Da die Karten durchnummeriert sind \u2013 \u00abLe Diable\u00bb etwa tr\u00e4gt die Nummer XV, \u00abLe Pendu\u00bb die XII \u2013, hat er ihnen entsprechende rhythmische Figuren oder Skalen zugeordnet, einzelnen S\u00e4tzen liegt auch eine Farbsymbolik zugrunde, in der B\u00e4sse und Celli etwa das Rot der Karten \u00fcbernehmen, oder die Klarinetten sowie das Vibraphon das Blau. <\/p>\n<p> Entstanden ist so eine farbige, eher kleinr\u00e4umig gegliederte und von polyphoner Dichte gepr\u00e4gte Tonsprache, die eine Geistesverwandschaft zur Musik Charles Koechlins zu verraten scheint (Dubugnon selber nennt als Einfl\u00fcsse die Klangwelten Ravels und Prokofiews). Das erstaunt wenig, wenn man weiss, dass der Komponist als Student am Conservatoire National Superieure de Musique de Paris zun\u00e4chst als Tr\u00e4ger von Preisen f\u00fcr kontrapunktische Schreibweise (1er Prix en Contrepoint 1993, 2\u00e8me Prix en Fugue 1994) aufgefallen ist. Sp\u00e4ter hat er auch noch einige andere renommierte Auszeichnungen eingeheimst, 2006 etwa den Prix H\u00e9rve Dugardin der Sacem, dem franz\u00f6sischen Gegenst\u00fcck zur Schweizer Suisa.<\/p>\n<p> Welschschweizer Tonsch\u00f6pfer schaffen es leider selten, sich auf der andern Seite des R\u00f6stigrabens einen Namen zu schaffen (und umgekehrt). Dubgnon ist aber auch in unseren L\u00e4ngengraden l\u00e4ngst kein Unbekannter mehr. Am Lucerne Festival war letztes Jahr ein Werk von ihm zu h\u00f6ren, und f\u00fcr die Geigerin Janine Jansen hat er ein weitherum gelobtes Violinkonzert geschrieben. <\/p>\n<p> Auf der CD sind die S\u00e4tze der \u00abArcanes\u00bb ohne R\u00fccksicht auf die Abfolge der Charaktere in der Reihenfolge ihrer Entstehung gruppiert. Die Silberscheibe ist damit eher eine akustische Dokumentation des Projektes als ein Tondokument das man sich einfach so von Anfang bis Schluss anh\u00f6rt. Die kompositorische und klangliche Dichte kann da n\u00e4mlich durchaus zur \u00dcbers\u00e4ttigung f\u00fchren. Zu kleineren Zyklen zusammengestellt d\u00fcrften die musikalischen Karten im Konzertsaal aber sicherlich grossen Effekt erzeugen. <\/p>\n<p> Eingespielt worden sind die insgesamt 18 S\u00e4tze vom Orchestre National de Montpellier Languedoc-Roussillon, einem Klangk\u00f6rper, der in der (Deutsch-)schweiz wenig bekannt ist, aber auf sehr hohem Niveau agiert. Es handelt sich um Aufnahmen mehrerer Konzerte zwischen April 2004 und Oktober 2007 in der Heimatstadt des Ensembles. <\/p>\n<p> Die geheimniskr\u00e4merischen Tarotkarten k\u00f6nnten im \u00fcbrigen eine spezielle Funktion der CD inspiriert haben, handelt es sich doch um eine sogenannte \u00abOpendisc\u00bb. Schiebt man sie ins CD-Laufwerk eines Computers und \u00f6ffnet man einen Internet-Browser, so erh\u00e4lt man exklusiv Zugang zu einer Webseite (nat\u00fcrlich mit viel Promomaterial f\u00fcr weitere Ver\u00f6ffentlichungen befreundeter Labels), auf der sich in der Sektion Videos ein interessantes Filmchen betrachten l\u00e4sst. Darauf erl\u00e4utert Dubugnon auf Franz\u00f6sisch die Kompositionsidee am Klavier. Einige \u00abLeitmotive\u00bb des Zyklus sind in Notenform zudem auch im Booklet zu finden. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Richard Dubugnon: Arcanes Symphoniques, Friedemann Layer, Enrique Diemecke, Alain Altinoglu (Leitung), Accord 480 1435 (Universal), Gesamtspieldauer: 77&#8217;55&#8220;. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>07.04.2009 &#8212; Die Idee ist so einleuchtend, dass man sich fragt, weshalb noch keiner darauf gekommen ist: Die Tarotkarten mit&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-1029","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1029","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1029"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1029\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1029"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1029"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1029"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}