{"id":1031,"date":"2014-01-13T10:14:36","date_gmt":"2014-01-13T10:14:36","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/bachs-goldberg-variationen-auf-der-harfe\/"},"modified":"2014-01-13T10:14:36","modified_gmt":"2014-01-13T10:14:36","slug":"bachs-goldberg-variationen-auf-der-harfe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/bachs-goldberg-variationen-auf-der-harfe\/","title":{"rendered":"Bachs Goldberg-Variationen auf der Harfe"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/finch_goldberg.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover Finch\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>16.05.2009 &#8212; Bachs Goldberg-Variationen auf der Harfe? Vermutlich versteht jeder, dass man bei dem Projekt der walisischen Harfenistin Catrin Finch zun\u00e4chst skeptisch ist. Und dann liest man zum Abschluss des Booklets von ihr folgendes Zitat: \u00abHoffwn ddiolch i&#8217;m ffrindiau i gyd am yr holl gefnogaeth\u00bb. Einer Frau, die in der Lage ist, solche S\u00e4tze von sich zu geben, <em>kann<\/em> man nichts nachtragen. Selbst wenn man keine Ahnung hat, was einem damit gesagt wird.<\/p>\n<p> Auch bei der Bach-Transkription fragt man sich, ob sie f\u00fcr Nichtharfenisten einen Mehrwert bringt. Die Antwort f\u00e4llt zwiesp\u00e4ltig aus. Zum einen ist Catrin Finch eine hervorragende Musikerin; ihr zuzuh\u00f6ren lohnt sich dank ihrer Musikalit\u00e4t und Ernsthaftigkeit ganz unabh\u00e4ngig davon, welche Musik sie spielt. Zum andern wehrt sich ihr Instrument doch recht erfolgreich gegen die ihm fremde barocke Polyphonie.<\/p>\n<p> Zwei fast un\u00fcberwindbare Probleme ergeben sich. Der Harfe muss die Chromatik, die dem wohltemperierten Cembalo selbstverst\u00e4ndlich ist, mit mechanischen Behelfen mehr oder weniger aufgezwungen werden. Um alle Halbt\u00f6ne erreichen zu k\u00f6nnen, muss die Spielerin mittels Pedalen die Tonh\u00f6hen der Saiten ver\u00e4ndern. Wie Catrin Finch selber bemerkt, f\u00fchrt das unter anderem in der Variation 25 zu beeintr\u00e4chtigendem mechanischem Aufwand, ebenso wie in Variation 11 durch rasche Wechsel von Zupfen und Ber\u00fchren der Saiten eine Art Sirren erzeugt wird, das sich in diesem stilistischen Umfeld doch recht unmusikalisch anh\u00f6rt. Derart st\u00f6rende Beiger\u00e4usche dringen etwa auch in den Variationen 17 und 26 durch.<\/p>\n<p> Dar\u00fcber hinaus ist aber auch die f\u00fcr diese Musik so wichtige Klangbalance auf der Harfe nicht gegeben. Einer hellen und recht aggressiv anmutenden Oberstimme stehen wummernd-verwischende Mittel- und Unterstimmen gegen\u00fcber. Streckenweise, zum Beispiel in den Variationen 14 und 17 sind die eigentlichen Strukturen der Musik so kaum mehr zu erahnen. Nur in ganz seltenen F\u00e4llen \u2013 etwa in den Variationen 5 und 20 \u2013 verleiht der Harfenklang der Musik eine faszinierende eigene Note. <\/p>\n<p> Zum falschen Klanggleichgewicht mag auch die Aufnahmetechnik beitragen. Da wird offensichtlich mit viel Hall gearbeitet. Ein solcher mag Werken des franz\u00f6sischen Impressionismus angemessen sein, im Falle von Bachs Goldberg-Variationen richtet er aber streckenweise regelrechte Verw\u00fcstungen an.<\/p>\n<p> Trotz solcher Einw\u00e4nde kann man Idee und Durchf\u00fchrung dieser Transkription verteidigen. Sie stellt in Zeiten pianistischen Herdentriebs und interpretatorischer Gleichschaltung einen originellen und anregenden, fast subversiv anmutenden neuen Blickwinkel auf dieses Monument barocker Innerlichkeit dar. F\u00fcr die Harfenistinnen und Harfenisten bedeutet sie sicherlich ein willkommenes, \u00fcberaus kompetent erstelltes Studienobjekt und eine horizonterweiternde Herausforderung. Es ist auch vorstellbar, dass ihre Wiedergabe im Konzertsaal (mit geeigneter Akustik), in dem Spielerin und Publikum in einen intensiven inneren Dialog treten k\u00f6nnen, weit mehr Wirkung entfaltet als auf CD. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p> <center><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\"><strong>Info:<\/strong> <\/span><\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Catrin Finch: Goldberg-Variations. Transkription von Bachs Goldberg-Variationen f\u00fcr zweimanualiges Cembalo BWV 988 auf die moderne Konzertharfe. Deutsche Grammophon 477 8165. <br \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>16.05.2009 &#8212; Bachs Goldberg-Variationen auf der Harfe? 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