{"id":1032,"date":"2014-01-13T10:15:04","date_gmt":"2014-01-13T10:15:04","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/merel-quartet-mit-heftis-erstem-streichquartett\/"},"modified":"2014-01-13T10:15:04","modified_gmt":"2014-01-13T10:15:04","slug":"merel-quartet-mit-heftis-erstem-streichquartett","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/merel-quartet-mit-heftis-erstem-streichquartett\/","title":{"rendered":"Merel Quartet mit Heftis erstem Streichquartett"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/090527merel.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/> 27.05.2009 &#8212; \u00abQuartetten willst Du schreiben? Eine Frage, aber lache mich nicht aus: kennst Du denn die Instrumente genau?\u00bb hat Clara Schumann einst an Robert geschrieben, und es t\u00f6nt, als fragte sie, ob er eine Frau lieben wolle und ob er aber auch ihre Seele begreife. Tats\u00e4chlich galt der Quartettsatz im klassisch-romantischen Kanon wie im Barock die Fuge als oberster Pr\u00fcfstein des kompositorischen Verm\u00f6gens, eine Art Meisterpr\u00fcfung vor dem Tribunal der Giganten Haydn und Beethoven \u2013 und zugleich wegen der Intimit\u00e4t und Sinnlichkeit dieser Art von Musik als Initiation in der Kunst der h\u00f6heren Liebeslyrik. Alle Schw\u00e4chen eines Tonsch\u00f6pfers wie mangelnde Einfallskraft, zu wenig ausgebildeter Sinn f\u00fcr klangliche Valeurs und formale Gleichgewichte oder minderwertiges melodisches Material offenbaren sich hier in erbarmungsloser Weise \u2013 genauso, wie es nach Beethoven das Verfehlen der Authentizit\u00e4t romantischen Gef\u00fchlsgenies ans Tageslicht bringt.<\/p>\n<p> Das Clara-Schumann-Zitat hat der Schweizer Komponist David Philipp Hefti zum Ausgangspunkt seines ersten Streichquartetts gemacht. Es handelt sich um eine Auftragsarbeit des jungen Schweizer Merel Quartet, bestehend aus Mitgliedern des Orchesters des Z\u00fcrcher Opernhauses, des Tonhalle Orchesters Z\u00fcrich und der Camerata Bern. Das dreis\u00e4tzige Werk tr\u00e4gt den Titel \u00abPh(r)asen\u00bb und kreist um \u00abdie Phasenverschiebung und die \u00dcberlagerung verschiedener Ebenen\u00bb, nimmt aber auch auf Elemente zweier hochromantischer Quartette Bezug, die um die Inspirationen der Liebe kreisen: Schumanns op. 41\/1 in a-Moll und Jan\u00e1ceks Nr. 2 mit dem Titel \u00abintime Briefe\u00bb, in welcher der tschechische Tonsch\u00f6pfer seine blinde und unerwiderte Liebe zur 37 Jahre j\u00fcngeren Kamila St\u00f6sslowa verarbeitet \u2013 indem er die m\u00e4hrische Sprachmelodik in Musik tranformiert.<\/p>\n<p> Dass Hefti der Einstand in der K\u00f6nigsdisziplin der europ\u00e4ischen Kammermusik gelungen ist, zeigt nicht zuletzt die Tatsache, dass er f\u00fcr das im November 2007 im Rahmen des Euroart Festivals in Prag uraufgef\u00fchrten Werk gleich den zweiten Preis des Internationalen Witold-Lutoslawski-Wettbewerbs f\u00fcr Komposition zugesprochen erhalten hat. Ein zweites Quartett, die \u00abGuggisberg-Variationen\u00bb hat Hefti \u00fcbrigens kurz darauf folgen lassen (im Auftrag des Amar Quartetts) und daf\u00fcr beim internationalen Kazimierz Serocki-Wettbewerb f\u00fcr Komposition letztes Jahr ebenfalls eine Auszeichnung abgeholt.<\/p>\n<p> Das hochklassige, ausgewogen, transparent und dennoch \u00e4usserst expressiv aufspielende Merel Quartet bettet Heftis Werk auf seiner CD zwischen die beiden Streichquartette von Schumann und Jan\u00e1cek; es legt damit ein Album mit grosser programmatischer Geschlossenheit vor, das Alt und Neu auf gelungene Art verbindet. Da offenbart sich eine Art innere Verbundenheit, so als ob Schumann mit seinen \u00abDavidsb\u00fcndlern\u00bb dem nachgeborenen Komponisten mit ebendiesem Vornamen bereits einen Platz in seinem Gesellschaftskreis h\u00e4tte freihalten wollen.<\/p>\n<p> \u00abPh(r)asen\u00bb ist in die drei S\u00e4tze \u00abIm Traume\u00bb, \u00abRuhelos\u00bb und \u00abSilhouette\u00bb unterteilt und beweist einmal mehr, wie souver\u00e4n Hefti mittlerweile mit variantenreichen und subtilen Klangvaleurs emotional geladene Texturen zu erzeugen vermag, aus denen melodische Gebilde heraustreten und sich zu einer zerfurchten, plastischen Klanglandschaft formieren k\u00f6nnen. <\/p>\n<p> Der Publizist Wolfgang St\u00e4hr umschreibt die Techniken, die dabei zum Zuge kommen, im Booklet treffend als Regenbogen-Pizzicati, Sternschnuppen-Glissandi, tonloses Streichen auf dem Steg, ratternden Klang mit zuviel Bogendruck, Schlagen und Klopfen auf Griffbrett, Korpus und Zargen und schliesslich sogar gemeinsames Summen der Musiker. Im dritten Satz l\u00f6st sich die Struktur in eine einzige \u00abH\u00fclle eines Klanges\u00bb auf, so als ob den zuvor beschworenen Landschaften alle darin vorfindlichen Objekte entzogen worden w\u00e4ren. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Merel Quartet (Mary Ellen Woodside, Violine; Meesun Hong, Violine; Alexander Besa, Viola; Rafael Rosenfeld, Cello): Robert Schumanns: Streichquartett op. 41\/1 in a-Moll, Leos Jan\u00e1cek, Striechquartett Nr. 2 \u00abintime Briefe\u00bb, David Philipp Hefti: Streichquartett Nr. 1 \u00abPh(r)asen\u00bb. Aufgenommen im Dezember 2007 in der Kartause Ittingen, Telos Music Records TLS 104.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>27.05.2009 &#8212; \u00abQuartetten willst Du schreiben? 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