{"id":1033,"date":"2014-01-13T10:15:34","date_gmt":"2014-01-13T10:15:34","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/louis-viernes-sechs-orgelsinfonien\/"},"modified":"2014-01-13T10:15:34","modified_gmt":"2014-01-13T10:15:34","slug":"louis-viernes-sechs-orgelsinfonien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/louis-viernes-sechs-orgelsinfonien\/","title":{"rendered":"Louis Viernes sechs Orgelsinfonien"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/090619vierne.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>20.06.2009 &#8212; Es gibt Menschen mit einer schon fast exemplarisch unspektakul\u00e4ren beruflichen Karriere. Louis Vierne geh\u00f6rt zu ihnen. Seine Lebensstationen sind schnell aufgez\u00e4hlt: 1870 geboren, Kindheit in Paris, Studium am Pariser Konservatorium, Lehrer am Pariser Konservatorium, Titularorganist der Kathedrale Notre-Dame in Paris, Orgelprofessor am Pariser Konservatorium, Orgelprofessor an der Pariser Schola Cantorum. Sogar der Tod \u2013 er ereilt ihn 1937 w\u00e4hrend des Spiels an seiner Orgel in der Kathedrale \u2013 f\u00fcgt sich in dieses Beamten- und Organistenleben. Einen schon fast absurden Anstrich erh\u00e4lt es dadurch, dass ihn seine Frau mit einem bedeutenden Orgelbauer, seinem Freund Charles Mutin (dem er seine zweite Orgelsinfonie gewidmet hat) betr\u00fcgt, worauf die Ehe, nein, nat\u00fcrlich nicht bloss geschieden, sondern von der katholischen Kirche annuliert wird, damit alles seine b\u00fcrokratische Richtigkeit hat.<\/p>\n<p> Dieses Curriculum vitae ist allerdings bloss die halbe Wahrheit, denn Viernes Leben ist voller Schicksalsschl\u00e4ge, die man nicht Revue passieren lassen kann, ohne davon ber\u00fchrt zu werden: Als Kind erblindet er fast vollst\u00e4ndig (eine riskante Operation verhilft ihm immerhin zu rudiment\u00e4rer Sehkraft). Mit 36 Jahren verliert er wegen eines Unfalls beinahe ein Bein und muss sein Pedalspiel g\u00e4nzlich neu erlernen, sein Sohn Andr\u00e9 erliegt einer Tuberkulose, sp\u00e4ter tr\u00fcbt der Gr\u00fcne Star seine Sehkraft noch st\u00e4rker, und auch seine sp\u00e4tere Freundin Jeanne Montjovet verl\u00e4sst ihn nach einer f\u00fcnf Jahre dauernden Beziehung. Sein Bruder stirbt im Ersten Weltkrieg im Kampf, ebenso sein zweiter Sohn Jacques. Eine erneute Augenoperation scheitert. Daneben muss er vor und w\u00e4hrend der Jahre des Krieges immer wieder damit leben, dass sich \u00abseine\u00bb Notre-Dame-Orgel in einem erb\u00e4rmlichen Zustand befindet.<\/p>\n<p> Vierne soll, so Zeitzeugen, ein \u00fcberaus liebensw\u00fcrdiger, \u00fcbersensibler und grundg\u00fctiger Mensch gewesen sein. Die wilde Seite seiner Pers\u00f6nlichkeit findet sich vor allem in seinem Orgelwerk, und das hat es nun wirklich in sich: In den Sinfonien t\u00fcrmen sich dr\u00e4uende, vibrierende, teils gespenstische Klangwelten auf. Sie schaffen aus fasslichen, meist kurzen Motiv-Kacheln komplexe, chromatisch verwischte Texturen. Die \u00abIntroduction\u00bb zur sechsten Sinfonie etwa, vom Meer inspiriert, scheint die sp\u00e4tromantischen Tableaus wild bewegter Seelandschaften in der Art eines Gustave Courbet zu evozieren, das Spiel mit der Vox Humana in der Pastorale der ersten Sinfonie ger\u00e4t zum fahlen Totentanz.<\/p>\n<p> Diese dichten, von einer inneren Unruhe vorangetriebenen Tons\u00e4tze verlangen nach einer \u00fcberaus pr\u00e4zisen, Viernes Phrasierungs- und Dynamikangaben getreu respektierenden Wiedergabe und nach einem exzellenten Instrument. F\u00fcr beides ist in der Einspielung f\u00fcr das Label Sicus Klassik gesorgt. Dem Braunschweiger Organisten Hans-Dieter Meyer-Moortgat steht mit der Orgel der Stiftskirche von Bad Gandersheim ein w\u00e4hrend der Aufnahme im Oktober 2007 erst sieben Jahre altes Instrument aus der els\u00e4ssischen Manufaktur M\u00fchleisen zur Verf\u00fcgung, \u00fcber deren Registerausstattung das Booklet detailliert Auskunft gibt.<\/p>\n<p> Bemerkenswert ist auch die technische Realisierung dieser Gesamtaufnahme der Vierne-Orgelsinfonien. Die hohen Anspr\u00fcche, welche die differenzierte Klanglichkeit der impressionistischen Orgel stellt, verlangt nach einem speziell geschulten Ohr. Dass beim Mastering mit Thomas Sandmann ein sowohl in Sachen Klassik versierter als auch an der Entstehung der deutschen Techno-Bewegung massgeblich beteiligter Frequenz- und Klangh\u00fcllent\u00fcftler zum Zug gekommen ist, scheint da durchaus passend. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Louis Vierne: Symphonies pour Orgue, Hans-Dieter Meyer-Moortgart (an der Orgel der Stiftskirche Bad Gandersheim), 3-CD-Box, Sicus Klassik sic 010-2.<br \/> Bezugsnachweis: <a href=\"http:\/\/sicusklassik.de\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">sicusklassik.de<\/a> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>20.06.2009 &#8212; Es gibt Menschen mit einer schon fast exemplarisch unspektakul\u00e4ren beruflichen Karriere. 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