{"id":1035,"date":"2014-01-13T10:16:33","date_gmt":"2014-01-13T10:16:33","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/salzburger-festspiele-2007-kontra-wagner\/"},"modified":"2014-01-13T10:16:33","modified_gmt":"2014-01-13T10:16:33","slug":"salzburger-festspiele-2007-kontra-wagner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/salzburger-festspiele-2007-kontra-wagner\/","title":{"rendered":"Salzburger Festspiele 2007: \u00abKontra Wagner\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/090714wagner.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>15.07.2009 &#8212; Wagners Musik geht seit jeher praktisch Hand in Hand mit ihrer Ver\u00e4ppelung. Zu verdanken hat sie das zum einen sicherlich ihrem Pathos; nichts ist einfacher zu parodieren als ebensolches, meist gen\u00fcgt eine leichte \u00dcbertreibung oder eine Zwergenfassung zu Grandiosit\u00e4t neigender Kl\u00e4nge, und schon hat man die Lacher auf seiner Seite. Zum andern fl\u00fcchtet sich mit Vorliebe in die Satire, wem die schw\u00fcle Sinnlichkeit des Turboromantikers allzu sehr aufs Gem\u00fct schl\u00e4gt (oder auch nur auf den Keks geht).<\/p>\n<p> An den Salzburger Festspielen 2007 haben Mitglieder der Berliner Philharmoniker in der 1994 von Claudio Abbado begr\u00fcndeten Kammermusikreihe Kontrapunkte einen ganzen Strauss solcher Parodien zum Besten gegeben. Das \u00abSiegfried-Idyll\u00bb als Bonsai-Version f\u00fcr Kammerorchester ist da noch vergleichsweise harmlos. Bitterb\u00f6se sind Verulkungen, in denen neben dem \u00fcblichen Wagner-Bashing noch nationalistische Untert\u00f6ne mitschwingen. Claude Debussy hat eine verh\u00e4ltnism\u00e4ssig zahme Variante in Golliwog&#8217;s Cakewalk aus dem Children&#8217;s Corner pr\u00e4sentiert (nicht auf dieser CD). Die \u00abSouvenirs de Munich\u00bb Emmanuel Chabriers in der wunderbar hinterh\u00e4ltigen Instrumentierung Dave Matthews bilden demgegen\u00fcber eine bissige Quadrille, die einem Jahrmarkts-Orchestrion auf den Leib geschrieben scheint: \u00abTristan und Isolde\u00bb als r\u00f6hrend-mechanisches Tschinderassa.<\/p>\n<p> Subtiler, aber nicht minder schr\u00e4g: ein Wagner-Cs\u00e1rd\u00e1s f\u00fcr Violine und vier Fagotte (!) von Vittorio Monti, respektive Arthur Kullnig. \u00dcbertroffen wird Kullnigs Einrichtung von der Ouvert\u00fcre zum \u00abFliegenden Holl\u00e4nder\u00bb, arrangiert von Paul Hindemith f\u00fcr ein Streichquartett, das klingen soll wie \u00abeine schlechte Kurkapelle morgens um 7 am Brunnen\u00bb, die vom Blatt spielt. Genauso besoffen und nach durchzechter Nacht unzurechnungsf\u00e4hig klingt das Machwerk denn auch.<\/p>\n<p> Das Wesendonck-Lied \u00abTr\u00e4ume\u00bb hat&#8217;s gleich zweimal auf die CD geschafft, einmal in einer recht schr\u00e4gen Version eines Arthur Frackenpohl f\u00fcr Trompete, Bl\u00e4ser und Harfe, eine Kombination, die verbl\u00fcffend gut klingen w\u00fcrde, wenn&#8217;s nicht um Liebesdusel ginge. Die zweite Bearbeitung &#8211; f\u00fcr Violine und kleines Orchester \u2013 stammt von Wagner selber und t\u00f6nt entsprechend ernsthaft.<\/p>\n<p> Die CD schliesst (nicht unbedingt zwingend) mit zwei Werken, die als \u00e4sthetische Negation des Wagnerschen Pathos begriffen werden k\u00f6nnen, Ernst Kreneks Serenade f\u00fcr Streichtrio und Klarinette op. 4 sowie Anton Weberns erst 1966 posthum publizierter Satz f\u00fcr Streichtrio, mit seinen 24 pointillistischen Takten im 4\/16-Metrum wohl ein ultimativer Kontrapunkt zu Wagners mehrst\u00fcndigen B\u00fchnenwerken.<\/p>\n<p> Die CD dokumentiert die Auff\u00fchrungen in Salzburg inklusive Nebenger\u00e4uschen aus dem Publikum, Gel\u00e4chter und Applaus und hat so eher Gelegenheitscharakter, die hochkar\u00e4tigen Interpretationen der Berliner G\u00e4ste an der Salzach weisen aber \u00fcber das lokale Ereignis hinaus. Wie sich der durchaus unterhaltsame Text des Schriftstellers Maximilian Dorner &#8211; autobiografische Erinnerungen an Erlebnisse mit Wagners Musik &#8211; im Booklet ins Gesamtkonzept f\u00fcgt, bleibt noch zu entdecken. Man h\u00e4tte sich dar\u00fcber hinaus mehr Hintergrundinformationen zu den einzelnen Bearbeitungen gew\u00fcnscht. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Kontra Wagner &#8211; \u00ab&#8230;unter das Eis der Wirklichkeit\u00bb (\u00abTr\u00e4ume\u00bb f\u00fcr Violine und Orchester; Siegfried-Idyll, Monti\/Kullnig: Wagner-Csardas f\u00fcr Violine und 4 Fagotte, Chabrier: \u00abSouvenirs de Munich\u00bb (orchestriert von David Matthews), Hindemith: \u00abDer Fliegende Holl\u00e4nder\u00bb f\u00fcr Streichquartett, Wagner\/Franckenpohl: \u00abTr\u00e4ume\u00bb f\u00fcr Trompete, Blechbl\u00e4ser, Harfe, Krenek: Serenade op. 4 f\u00fcr Klarinette und Streichtrio, Webern: Satz f\u00fcr Streichtrio op. Posth.); Mitglieder und G\u00e4ste der Berliner Philharmoniker, col legno, 1 CD, WWE 1CD 60018. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15.07.2009 &#8212; Wagners Musik geht seit jeher praktisch Hand in Hand mit ihrer Ver\u00e4ppelung. 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