{"id":104,"date":"2014-01-09T13:04:07","date_gmt":"2014-01-09T13:04:07","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/beczala-singt-taubers-groesste-erfolge\/"},"modified":"2014-01-09T13:04:07","modified_gmt":"2014-01-09T13:04:07","slug":"beczala-singt-taubers-groesste-erfolge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/beczala-singt-taubers-groesste-erfolge\/","title":{"rendered":"Beczala singt Taubers gr\u00f6sste Erfolge"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2013\/130607tauber.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>07.06.2013 &#8212;<\/em> In einem klugen Buch zur Melodie beschreibt der renommierte Musiktheoretiker Diether de la Motte die Eigenheiten des Operettenstils: Tief atme der Operns\u00e4nger ein, der durch seine Gewalt beeindrucke und mitreisse, so de la Motte. Ganz anders der Operettens\u00e4nger: leicht locker, beweglich, spritzig. Atmen scheine unn\u00f6tig, blitzartig werfe er seine T\u00f6ne in die Luft. Der Melodienanalyst findet gar in der Statistik Kennzeichen der Gattung. T\u00f6ne mittlerer Dauer gebe es kaum, daf\u00fcr ein \u00abHin und Her zwischen langgehaltenen und brillant vor\u00fcberhuschenden T\u00f6nen\u00bb. Piotr Beczalas Reverenz an Richard Tauber mutet wie eine Beispielsammlung f\u00fcr diese Thesen an. Sie ist aber mehr als das. Sie macht offensichtlich, dass sich hinter vordergr\u00fcndiger Leichtigkeit und zur Schau gestellter Idylle Abgr\u00fcnde auftun, die \u00fcberspielt werden sollen. Sentimentale Schwelgerei verschmilzt unversehens mit pechschwarzer Melancholie zu einer Einheit, die schaudern l\u00e4sst. <\/p>\n<p> Der \u00d6sterreicher Tauber wurde 1933 von Nazischergen in Berlin beschimpft, blieb aber dennoch in Deutschland, um seine eigene Operette mit dem sinnigen Titel \u00abDer singende Traum\u00bb zu realisieren (nach dem Anschluss \u00d6sterreichs migrierte er allerdings nach Grossbritannien). Das Schicksal des Tenors zeigt eben eindr\u00fccklich, dass es zwei Formen der Sentimentalit\u00e4t gibt: eine oberfl\u00e4chliche der selbstverliebten Ahnungslosigkeit und eine, die als Mittel der trotzigen Wirklichkeitsverweigerung Tragik nur schlecht maskiert und damit doppelt ersch\u00fcttern und tief loten kann. <\/p>\n<p> Diese Vielschichtigkeit der Operettenwelt ist durch die ganze CD hindurch sp\u00fcrbar. Da wird kein nostalgisches Fest der Evergreens gefeiert, sondern ein komplexer Stil in seinen Facetten ausgeleuchtet. Ein veritabler Coup gelingt zudem mit einem Duett Beczalas mit Tauber, dem eine Aufnahme Taubers aus dem Jahr 1934 zugrundeliegt. Als Natalie Cole 1991 f\u00fcr das Album \u00abUnforgettable\u00bb ihren Gesang \u00fcber eine Aufnahme ihres verstorbenen Vaters legte und sozusagen posthum mit ihm duettierte, gab\u2019s in den Medien noch heftige Diskussionen \u00fcber die Legitimit\u00e4t eines solchen Vorgehens. Mittlerweile scheint es zur Routine geworden, ohne dass das Problematische an dem Dialog \u00fcber den Styx hinweg noch im Bewusstsein w\u00e4re. <\/p>\n<p> Auf dem Album \u00abMein ganzes Herz\u00bb wird der Komplexit\u00e4t des Arrangements Rechnung getragen: Beczala tut nicht so, als ob er mit Tauber im Studio st\u00fcnde und gemeinsam singen w\u00fcrde. Die Duopartie ist formal etwas abgesetzt und wirkt tats\u00e4chlich wie ein Echo aus einer andern Welt, weltgeschichtlich oder mit Blick auf individuelle Lebenszyklen. Das Album erh\u00e4lt dadurch eine weitere Dimension der Verschr\u00e4nkung zwischen Ausgelassenheit und Tragik, zwischen Eros und Thanatos. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <em><span class=\"txt-s-black\" style=\"font-size: x-small;\">Mein ganzes Herz. Richard Taubers gr\u00f6sste Erfolge. Piotr Beczala, Royal Philharmonic Orchestra, Lukasz Borowicz (Leitung). Deutsche Grammophon\/Universal, Best.-Nr. 479 1399. <\/span><\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>07.06.2013 &#8212; In einem klugen Buch zur Melodie beschreibt der renommierte Musiktheoretiker Diether de la Motte die Eigenheiten des Operettenstils:&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-104","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=104"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=104"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=104"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=104"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}