{"id":1040,"date":"2014-01-13T10:18:57","date_gmt":"2014-01-13T10:18:57","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/neue-musik-junger-chinesischer-komponisten\/"},"modified":"2014-01-13T10:18:57","modified_gmt":"2014-01-13T10:18:57","slug":"neue-musik-junger-chinesischer-komponisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/neue-musik-junger-chinesischer-komponisten\/","title":{"rendered":"Neue Musik junger chinesischer Komponisten"},"content":{"rendered":"<p><center><em>Zur Frankfurter Buchmesse 2009<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/091012china.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>13.10.2009 &#8212; Dieser Tage ist China an der Frankfurter Buchmesse Ehrengast, und schon im Vorfeld sind die Wogen hochgegangen, weil das gute Einvernehmen zwischen offiziellen Vertretern des Gastlandes und den Frankfurter Veranstaltern immer wieder auf Proben gestellt wurde. Letztere bem\u00fchten sich darum, auch systemkritische Autoren auf der Messe zu repr\u00e4sentieren, was die chinesischen Beh\u00f6rden wiederum zu verhindern versuchten. Schliesslich provozierte die Buchmesse-Leitung in Europa Polemik, weil sie mit der Ausladung von Autoren scheinbar einen Kotau vor der chinesischen Zensur zu machen schien. Spektakul\u00e4r ist auch die Absage des international wohl bekanntesten bildenden K\u00fcnstlers Chinas. Ai Weiwei, hat sich in M\u00fcnchen, wo eine Ausstellung seiner Werke zu sehen ist, einer Operation unterziehen m\u00fcssen, weil er in der Erdbebenprovinz Sichuan von Sicherheitskr\u00e4ften verpr\u00fcgelt und ernsthaft verletzt worden ist. Ausl\u00f6ser des t\u00e4tlichen Angriffes waren Aktivit\u00e4ten rund um das Bem\u00fchen Ai Weiweis, die Anzahl der Kinder zu ermitteln, die w\u00e4hrend des Erdbebens umkamen, weil beim Bau der Schulh\u00e4user gepfuscht worden war.<\/p>\n<p> Thematisiert wird rund um die Buchmesse nat\u00fcrlich auch das Verh\u00e4ltnis Chinas zu Tibet. Die deutsche ARD weist etwa darauf hin, dass das offizielle China 117 B\u00fccher extra f\u00fcr die Frankfurter Buchmesse aus dem Chinesischen hat \u00fcbersetzen lassen, die Werke der wichtigen tibetischen Autorin Woerse dabei aber nicht ber\u00fccksichtigt wurde. Woerses B\u00fccher sind in China verboten. Und da man ihr keinen Pass zugesteht, kann sie auch nicht ausreisen, um an der Messe teilzunehmen.<\/p>\n<p> Die Einladung Chinas zeigt auf der andern Seite, dass die kulturellen Verbindungen zwischen dem deutschsprachigen Europa und dem Reich der Mitte immer komplexer und reichhaltiger werden und die Chancen f\u00fcr ergiebige Gesch\u00e4ftsbeziehungen viel zu gross sind, um auf Distanz zu gehen. Die ganzen Fragen rund um Menschenrechte, Medienfreiheit und Demokratie sind mit Blick auf den literarischen Austausch naturgem\u00e4ss am dr\u00e4ngendsten, weil es hier um einen sprachlichen Diskurs geht. Zugleich sind in Sachen Literatur die H\u00fcrden f\u00fcr einen Zugang zum chinesischen Schaffen f\u00fcr Europ\u00e4er mit Blick auf alle Kunstformen am h\u00f6chsten, weil hierzulande kaum einer auch nur ein Wort Chinesisch versteht. Dies stellt auch Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse fest: Der Bedarf an \u00dcbersetzung im Falle von China, erkl\u00e4rt er, sei enorm.<\/p>\n<p> Auch die Schweiz kn\u00fcpft ein immer komplexeres Netz zu Chinas Kulturschaffenden. Vor einem Jahr lancierte die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia ihr Programm \u00abSwiss Chinese Cultural Explorations\u00bb, zu dem sie soeben einen ersten Rechenschaftsbericht ver\u00f6ffentlicht hat. In China brachte das Z\u00fcrcher Ballett in diesem Rahmen mit chinesischen Schauspielern und dem Shanghai Symphony Orchestra einen \u00abSommernachtstraum\u00bb auf die B\u00fchne, der vor ausverkauftem Haus gespielt wurde. <\/p>\n<p> Weitere Aktivit\u00e4ten der \u00abSwiss Chinese Cultural Explorations\u00bb sind erw\u00e4hnenswert. Im Rahmen des Festivals Culturescapes werden 2010 in Basel unter anderem das Theaterprojekt \u00abThe Mystery\u00bb \u00fcber Heilkr\u00e4fte in beiden Kulturen zu sehen und die schweizerisch-chinesische Jazzgruppe \u00abSonic Calligraphy\u00bb zu h\u00f6ren sein. \u00abDass auch die chinesischen Partner grosses Interesse an der Zusammenarbeit haben\u00bb, schreibt Pro Helvetia, beweise die Zusage zur offiziellen Partnerschaft seitens des chinesischen Kulturministeriums sowie von vier Regionen der Volksrepublik. <\/p>\n<p> Man wird damit rechnen d\u00fcrfen, dass wie in Frankfurt auch in Basel in der \u00d6ffentlichkeit der heikle Grat zwischen Intensivierung des kulturellen Austausches und Willf\u00e4hrigkeit gegen\u00fcber einer nicht-demokratischen Regierung thematisiert werden d\u00fcrfte, nicht zuletzt durch die hierzulande starke tibetische Exilgemeinde. <\/p>\n<p> Unter der Oberfl\u00e4che des Politdiskurses l\u00e4sst sich eine enorme Dynamik in der Entwicklung des zeitgen\u00f6ssischen Kunstschaffens Chinas konstatieren. Auch in Sachen Musik hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Mehr und mehr finden junge chinesische Komponisten zu eigenen Ausdrucksformen und einem Klanguniversum, das in Sachen Radikalit\u00e4t und technischer Rafinesse der europ\u00e4ischen Neuen Musik in nichts nachstehen. <\/p>\n<p> Niedergeschlagen hat sich dies heuer etwa in einer Einladung an den Komponisten Deqing Wen, am Festival Davos \u2013 young artist in concert als Composer in Residence zu amten. Zeitgleich hat Migros Musiques Suisses eine Portr\u00e4t-CD des in der Westschweiz und Shanghai wirkenden Komponisten realisiert (siehe <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/popular.php?art=80\">Rezension<\/a>) Dokumentiert wird das Schaffen der jungen Komponisten-Generation Chinas mit einer Doppel-CD auch vom Hessischen Rundfunk. Auf ihr finden sich Aufnahmen einer Veranstaltung, die der Sender am 16. August 2008 in Frankfurt am Main im Zusammenarbeit mit dem Siemens Arts Program unter dem Motto \u00abYoung China \u2013 Neue Musik aus dem Reich der Mitte\u00bb veranstaltet hat. Es handelte sich um vier Konzerte, in denen zehn chinesische Komponistinnen und Komponisten, alle unter 30 Jahren, mit jeweils zwei ihrer Werke vertreten waren. Vorgeschlagen wurden die jungen K\u00fcnstler \u00abvon den renommiertesten Konservatorien der Volksrepublik, eine Fachjury w\u00e4hlte aus diesen Empfehlungen die pr\u00e4sentierten St\u00fccke aus\u00bb. Interpretiert werden sie vom Kammerensemble Neue Musik Berlin, dem Ensemble Courage, dem Sonar Quartett und zahlreichen erstklassigen Solisten. <\/p>\n<p> Entdeckungen zu machen gibt&#8217;s da einige. Die Klangwelten des ostasiatischen Nachwuchses unterscheiden sich in Duktus und Atmosph\u00e4re allerdings kaum von dem, was man von der Neuen Musik hierzulande kennt. Chinesische Instrumente wie Pipa und Sheng setzen nicht mehr als koloristische Akzente. Das hat vermutlich seinen Grund: Der Grossteil der portr\u00e4tierten Tonsch\u00f6pfer ist am Pekinger Zentralkonservatorium durch die Schule Jia Guopings gegangen, der selber reichhaltige Kontakte zu den Vertretern der Neuen Musik in Deutschland pflegt. Einige haben dar\u00fcberhinaus in Deutschland Studien absolviert, bei Walter Zimmermann, Cornelius Schwehr, Helmut Lachenmann, Beat Furrer, Georges Aperghis und Peter Ruzicka. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Young China \u2013 Neue Musik aus dem Reich der Mitte, ensemble courage, Kammerensemble Neue Musik Berlin, Sonar Quartett u.a., hr-musik.de \/now hrmn 040-09, 25,\u2013 \u20ac, Booklet: 52 Seiten (deutsch\/english\/chinese), 2 CD \/ Gesamtdauer: 135:01<br \/> Webseite zur CD des hessischen Rundfunks: <a href=\"http:\/\/www.hr-online.de\/website\/rubriken\/kultur\/index.jsp?key=standard_document_37780220&amp;rubrik=2174&amp;seite=1\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> www.hr-online.de<\/a> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Frankfurter Buchmesse 2009 13.10.2009 &#8212; Dieser Tage ist China an der Frankfurter Buchmesse Ehrengast, und schon im Vorfeld sind&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-1040","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1040","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1040"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1040\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1040"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1040"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1040"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}