{"id":1042,"date":"2014-01-13T10:19:56","date_gmt":"2014-01-13T10:19:56","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/jansen-spielt-beethoven-und-britten\/"},"modified":"2014-01-13T10:19:56","modified_gmt":"2014-01-13T10:19:56","slug":"jansen-spielt-beethoven-und-britten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/jansen-spielt-beethoven-und-britten\/","title":{"rendered":"Jansen spielt Beethoven und Britten"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/091117jansen.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>18.11.2009 &#8212; Historisch ist die Assoziation zwar vollkommen schief (wir leisten unverz\u00fcglich Abbitte); dennoch dr\u00e4ngt sie sich auf: Da legen die Geigerin Janine Jansen und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter der Leitung von Paavo J\u00e4rvi eine Aufnahme von Beethovens Violinkonzert vor, die wirkt, als h\u00e4tte Botticelli den Pinsel gef\u00fchrt: helle, transparente Farben, klarer Strich, liebevolle Exaktheit in den dynamischen und rhythmischen Details \u2013 der Bonner Meister, ein Renaissance-K\u00fcnstler? <\/p>\n<p> Was f\u00fcr eine Solistin, was f\u00fcr ein Orchester! Selten h\u00f6rt man das Konzert, das zu seiner Zeit als unspielbar galt, so frei vom Ringen um die richtige Form, das ausufernde Skalenwerk des Solopartes, das zum mechanischen Et\u00fcdens\u00e4gen verkommen kann, so organisch und selbstverst\u00e4ndlich sich entfalten. Die niederl\u00e4ndische Geigerin, die hier einmal mehr Zeugnis ihrer Jahrhundertbegabung ablegt, erkl\u00e4rt im Booklet, sie habe bef\u00fcrchtet, ihr Interpretationsansatz k\u00f6nnte \u00abzu romantisch sein\u00bb. Dabei wirkt die Einspielung schon fast wie ein antiromantisches Manifest, welches das gigantische Repertoirest\u00fcck \u00fcberraschend modern wirken l\u00e4sst. Dies mag auch am Orchester liegen. Selten wird Beethoven so pr\u00e4zise und in der dynamischen und rhythmischen Mikrostruktur so fein und durchsichtig durchgearbeitet. Das ist Beethoven f\u00fcrs 21. Jahrhundert: nicht revolution\u00e4r, nicht aufbegehrend, sondern einfach souver\u00e4n, in sich stimmig und von kathartischer Sch\u00f6nheit.<\/p>\n<p> Brittens Violinkonzert, das Jansen und J\u00e4rvi mit dem London Symphony Orchestra auf diese CD gebracht haben, verbindet mit demjenigen Beethovens eigentlich nur der Auftakt mit einem Paukenmotiv: ein d\u00fcsteres St\u00fcck Musik, das etwa \u00e4hnlich einsch\u00fcchtert wie die dunkeln Holzt\u00e4ferungen britischer Herrschaftsh\u00e4user. Auf dem Kontinent wird es selten gespielt und kaum verstanden (noch vor zwei Jahren schrieb der NZZ-Kritiker anl\u00e4sslich einer Wiedergabe am Lucerne Festival durch Frank Peter Zimmermann, es sei \u00abgewiss ehrenwert, aber doch eigentlich uns\u00e4glich\u00bb \u2013 ein erstaunliches Urteil). Ganz anders der Eindruck Jansens. Sie erkl\u00e4rt, die \u00abunglaubliche Verzweiflung und die d\u00fcstere Stimmung\u00bb liessen sie erzittern und \u00abjedes Mal klein und verloren f\u00fchlen\u00bb, wenn sie es h\u00f6re.<\/p>\n<p> So spielt sie auch. Und so wird sie zur \u00fcberzeugenden Botschafterin f\u00fcr ein grossartiges St\u00fcck Musik, dessen Wert im deutschsprachigen Raum m\u00f6glicherweise erst gew\u00fcrdigt wird, wenn Vorbehalte gegen\u00fcber der im Popul\u00e4ren geerdeten britischen Musikkultur des 20. Jahrhunderts sich etwas verlieren. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>cf<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Violinkonzerte von Beethoven und Britten, Janine Jansen (Violine), Paavo J\u00e4rvi (Leitung), Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, London Symphony Orchestra. Universal\/Decca Best.-Nr. 478 1530.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>18.11.2009 &#8212; Historisch ist die Assoziation zwar vollkommen schief (wir leisten unverz\u00fcglich Abbitte); dennoch dr\u00e4ngt sie sich auf: Da legen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-1042","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1042","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1042"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1042\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1042"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1042"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1042"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}