{"id":1045,"date":"2014-01-13T10:21:31","date_gmt":"2014-01-13T10:21:31","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/beethoven-orchester-bonn-spielt-schoenberg\/"},"modified":"2014-01-13T10:21:31","modified_gmt":"2014-01-13T10:21:31","slug":"beethoven-orchester-bonn-spielt-schoenberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/beethoven-orchester-bonn-spielt-schoenberg\/","title":{"rendered":"Beethoven Orchester Bonn spielt Sch\u00f6nberg"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/091222schoenberg.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>22.12.2009 &#8212; Sch\u00f6nberg ist auch heute noch ein Komponist, der im b\u00fcrgerlichen Konzertsaal wenig zu h\u00f6ren ist. Sein kompositorisches Schaffen \u00f6ffnet sich selbst geneigten H\u00f6rern nicht leicht, zudem haftet ihm als Erfinder der Zw\u00f6lftonmethode der Ruch des Spielverderbers an, wenn es darum geht, sich der \u00abzu Herzen gehenden\u00bb Melodien- und Espressivo-Seligkeit hingeben zu d\u00fcrfen. Da scheint es mutig, wie Stefan Blunier als Dirigent zum Einstand der Arbeit mit einem neuen Orchester, dem Beethoven Orchester Bonn, eine CD ausschliesslich dem Werk des Neut\u00f6ners zu widmen, auch wenn diese auf dessen fr\u00fches, von Sp\u00e4tromantik und Expressionismus beeinflusstes Schaffen fokussiert.<\/p>\n<p> Das popul\u00e4rste Werk Sch\u00f6nbergs, die \u00abVerkl\u00e4rte Nacht\u00bb, wird dabei ausgespart. Daf\u00fcr ist als gut dreimin\u00fctiges Intermezzo in einer Ersteinspielung etwas zu h\u00f6ren, was man wohl bloss als Jugends\u00fcnde bezeichnen kann und ans Licht bringt, dass der sp\u00e4tere Erfinder der Dodekaphonie sich in ganz jungen Jahren durchaus nicht erbl\u00f6dete, banale Melodien zu schreiben: Sein \u00abNotturno\u00bb von 1896 f\u00fcr Harfe, Sologeige und Streichorchester ist im Kern simple Salonmusik. M\u00f6glich, dass Sch\u00f6nberg die Erkenntnis selber derart in die Knochen gefahren ist, dass er sp\u00e4ter ins Gegenteil umkippte und motivische und klangliche Komplexit\u00e4ten in bislang ungekannte Extreme getrieben hat.<\/p>\n<p> Das Anr\u00fcchige, vor dem sein sp\u00e4terer Prophet Adorno eine un\u00fcberwindbare grossb\u00fcrgerliche Abneigung empfand, hat sich daf\u00fcr ins Atmosph\u00e4rische verlegt: Vor allem die sechs Lieder op. 8, hier von einer ph\u00e4nomenalen, hoch dramatischen Manuela Uhl zum Besten gegeben, sind bei aller satztechnischer Subtilit\u00e4t von einer schw\u00fclstigen Schw\u00fcle, die heute genauso nach Pl\u00fcsch und schweren Parf\u00fcms riecht wie die harmonischen \u00dcppigkeiten der sp\u00e4tromantischen Operntitanen. <\/p>\n<p> In der Klanglichkeit und der sinnlichen Arbeit an subtilen motivischen Mikrostrukturen und akustischem Rankenwerk zeigt sich aber auch hier der ganz grosse Meister. Ein St\u00fcck wie \u00abFarben\u00bb (auf der CD mit dem Urtitel \u00abSommermorgen an einem See\u00bb ettiketiert) aus den f\u00fcnf Orchesterst\u00fccken op. 16 wirkt auch heute noch \u00fcberaus modern; dem durch eine F\u00fclle elektronischer Musik f\u00fcr Klangvaleurs geschulten Ohr offenbart sich in dieser Tonfl\u00e4chenkomposition, wie brillant Sch\u00f6nberg mit dem grossen Orchester umzugehen verstand, eine F\u00e4higkeit, die er sich \u2013 wie im Booklet erw\u00e4hnt \u2013 nicht zuletzt mit dem Orchestrieren von mehreren tausend Seiten Klavierskizzen zu Operetten als Broterwerb angeeignet hat. <\/p>\n<p> Sch\u00f6nbergs Umgang mit dem Orchesterklang zeigt sich auch in der Instrumentierung von Pr\u00e4ludium und Fuge BWV 552 Johann Sebastian Bachs, eine Bearbeitung, die eher einer launigen \u00dcbermalung des Originals, denn einer historisch behutsamen Verdeutlichung der barocken \u00c4sthetik entspricht. <\/p>\n<p> Das Beethoven Orchester Bonn kann in diesen komplexen Partituren seine hervorragenden F\u00e4higkeiten und seine Ernsthaftigkeit im Umgang mit der klassischen Moderne unter Beweis stellen. Es zollt damit auch dem eigenen Erbe Respekt, standen doch im Laufe des 20. Jahrhunderts Klangk\u00fcnstler wie Richard Strauss, Max Reger, Sergiu Celibidache und G\u00fcnter Wand an seinem Pult. Blunier bewegt sich da als neuer Generalmusikdirektor durchaus auf Augenh\u00f6he. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Arnold Sch\u00f6nberg: Orchesterwerke (5 Orchesterst\u00fccke op. 16, Notturno f\u00fcr Harfe Solovioline und Streicher, 6 Lieder op. 8, Orchestrierung von Pr\u00e4ludium und Fuge BWV 552), Beethoven Orchester Bonn, Stefan Blunier (Leitung), Manuela Uhl (Sopran), Dabbbinghaus und Grimm, MDG 937 1584-6 (SACD). <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>22.12.2009 &#8212; Sch\u00f6nberg ist auch heute noch ein Komponist, der im b\u00fcrgerlichen Konzertsaal wenig zu h\u00f6ren ist. 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