{"id":1048,"date":"2014-01-13T10:53:05","date_gmt":"2014-01-13T10:53:05","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/argerich-und-ott-naehern-sich-chopin\/"},"modified":"2014-01-13T10:53:05","modified_gmt":"2014-01-13T10:53:05","slug":"argerich-und-ott-naehern-sich-chopin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/argerich-und-ott-naehern-sich-chopin\/","title":{"rendered":"Argerich und Ott n\u00e4hern sich Chopin"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2010\/100203argerich.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>03.02.2010 &#8212; Beabsichtigt war das wohl kaum, bestechend ist es sehr wohl: Die Deutsche Grammophon ver\u00f6ffentlicht praktisch zeitgleich zum Auftakt des Chopin-Jahres eine CD von Aufnahmen mit Martha Argerich aus den Jahren 1959 und 1967, als die Argentinierin am Anfang ihrer beispiellosen Karriere stand, und eine solche der 1988 geborenen Deutschjapanerin Alice Sara Ott, die heute ebenfalls als Ausnahmetalent gehandelt wird. L\u00e4sst sich also anhand der zwei Silberscheiben vergleichen, ob sich von den sechziger Jahren des 20. Jahrhundert bis heute k\u00fcnstlerisch etwas ver\u00e4ndert hat?<\/p>\n<p> Nahelegen k\u00f6nnte das eine schon fast best\u00fcrzende \u00c4hnlichkeit in der \u00e4ussern Erscheinung der beiden Musikerinnen in jungen Jahren, welche die Portr\u00e4ts in den entsprechenden Booklets offenbaren. Ihre Temperamente scheinen aber doch recht unterschiedlich. Argerich spielt \u00fcberdies eine Ballade, eine Et\u00fcde, Mazurkas, Nocturnes und eine Sonate, Ott s\u00e4mtliche Walzer. \u00dcberschneidungen im Repertoire, die den direkten Vergleich erlaubten, gibt es also (leider) nicht. Und Ott legt ein Studio-Album vor, w\u00e4hrend es sich bei Argerich um Konzertmitschnitte handelt. Sie sind 1967 im WDR K\u00f6ln, Rias Berlin und der Berliner Hochschule f\u00fcr Musik realisiert worden. Die Ballade Nr. 1, g-Moll, op.23 hat Argerich bereits im Januar 1959 im Rias Studio eingespielt.<\/p>\n<p> Die Argerich-Aufnahmen, die als Bootlegs h\u00e4tten Furore machen k\u00f6nnen, w\u00e4ren sie nun nicht offiziell verlegt worden, sind aufschlussreich. Zum einen raubt die scheinbar m\u00fchelose und dennoch engegiegeladene fingertechnische Rasanz der Virtuosin auch heute noch den Atem. Schon die ersten beil\u00e4ufigen Melismen der Ballade wirken unter den Fingern der 18-J\u00e4hrigen auch nach einer ganzen Generation chinesischer Hypervirtuosen noch immer wie ein Schocker.<\/p>\n<p> Daneben zeigt sich in diesen fr\u00fchen Aufnahmen bereits eine unverkennbare \u00e4sthetische Pers\u00f6nlichkeit. Was bei Chopin als Kohleskizze angelegt ist, wird unter Argerichs H\u00e4nden zur hochpr\u00e4zisen Steinmetzarbeit. Die musikalische Kalligraphie des polnischen Nationalkomponisten liest die Argentinierin wie kompromisslose Selbstbehauptungen. Nicht Leichtigkeit und Eleganz sind ihre Ausdrucksmittel, vielmehr wird hier jede Phrase zum schwerm\u00fctigen, brodelnden, manchmal auch launischen Bekenntnis.<\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2010\/100203ott.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Eine solche personalisierte interpretatorische Unverwechselbarkeit scheint nicht das Ziel von Alice Sara Ott. Wiewohl mit fast unbeschr\u00e4nktem technischem K\u00f6nnen begabt, l\u00e4sst sie die Musik eher f\u00fcr sich sprechen. Dabei reicht die Ausdruckspalette von fast schubertisch zu nennender Volkst\u00fcmlichkeit in den Walzern ohne Opuszahl bis zu einem beinahe impressionistisch anmutenden Klangbild in der Wiedergabe des Walzers op. 34, Nr.2. Es sei ihr Ziel gewesen, gibt sie im Text des Booklet an, Chopins Intentionen genau zu befolgen. Sie habe deshalb auf die Autografen zur\u00fcckgegriffen, die, so Ott weiter, \u00abnach ihrem Empfinden dem d\u00fcsteren Geist seiner Musik eher entsprechen als einige der modernen Ausgaben.\u00bb <\/p>\n<p> Der H\u00f6reindruck best\u00e4tigt die Selbsteinsch\u00e4tzung Otts: Da offenbart sich eine Ernsthaftigkeit im Umgang mit dieser Musik, die zwar noch etwas kontrolliert und rhythmisch streckenweise kopflastig wirkt, aber ein hochdifferenziertes, transparentes und vielversprechendes klangliches Universum entwirft. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\"><strong>Argerich Plays Chopin<\/strong> (Ballade Nr.1 in g-Moll, op. 23, Et\u00fcde op.10, Nr. 4, Mazurkas op.41\/1 und 4, op.24\/2, op.63\/2, op.33\/2, op.59\/1-3, Nocturnes Op.15\/1 und Op.55\/2, Sonate Nr.3, op. 58), Deutsche Grammophon (Universal), Best.-Nr. 477 7557.<\/p>\n<p> <strong>Alice Sara Ott, Chopin Complete Waltzes<\/strong>, Deutsche Grammophon. Best.-Nr. 477 8095. <br \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>03.02.2010 &#8212; Beabsichtigt war das wohl kaum, bestechend ist es sehr wohl: Die Deutsche Grammophon ver\u00f6ffentlicht praktisch zeitgleich zum Auftakt&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-1048","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1048","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1048"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1048\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1048"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1048"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1048"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}