{"id":1054,"date":"2014-01-13T10:55:59","date_gmt":"2014-01-13T10:55:59","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/accademia-bizantina-spielt-barocken-haydn\/"},"modified":"2014-01-13T10:55:59","modified_gmt":"2014-01-13T10:55:59","slug":"accademia-bizantina-spielt-barocken-haydn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/accademia-bizantina-spielt-barocken-haydn\/","title":{"rendered":"Accademia Bizantina spielt barocken Haydn"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2010\/100509haydn.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>09.05.2010 &#8212; Die 1983 gegr\u00fcndete italienische Accademia Bizantina ist ein typisches Barockensemble, auch ihre letzten CD-Produktionen sind fast ausschliesslich barocken Meistern gewidmet: Bach, H\u00e4ndel, Vivaldi, Tartini, dem venezianischen Settecento und so weiter (irgendwo schleicht sich allerdings auch noch ein Schubert ein). Wenn sich das Ensemble unter Leitung von Ottavio Dantone und seinem Konzertmeister Stefano Montanari nun Instrumentalkonzerten Haydns annimmt und die Anweisung \u00abConcerto per il\/Clavicembalo 6 Forte piano\u00bb des Konzertes Hob. XVIII\/11 zugunsten des Cembalos auslegt, dann kann man mit Fug und Recht vermuten, die Interpretationen atmeten barocken Geist; und so verh\u00e4lt es sich auch: Die spielfreudigen Italiener betonen die barocken Wurzeln der Konzerte, die sie im Februar 2009 in der Sala Dantesca der Biblioteca Classense von Ravenna eingespielt haben (neben dem erw\u00e4hnten auch noch das G-Dur-Violinkonzert Hob. VIIa:4 und das Doppelkonzert Hob. XVIII\/6).<\/p>\n<p> Der eher anspruchslose Klaviersatz des Werkes Hob. XVIII\/11 legt die Wahl des Cembalos nicht unbedingt nahe; er scheint (vor allem in den typischen Begleitfiguren der linken Hand) weitaus mehr auf das Fortepiano zugeschnitten zu sein und entfaltet auf dem barocken Vorg\u00e4nger nicht wirklich grosse Wirkung. Dantone, der das Ensemble vom Tasteninstrument aus dirigiert, schafft aber luzide klangliche Gleichgewichte und steuert selber stimmige Kadenzen bei. Das entbehrt nicht einer gewissen Logik: Die von Haydn selber verfassten Kadenzen sind n\u00e4mlich offensichtlich f\u00fcrs Fortepiano gedacht.<\/p>\n<p> Man nimmt interessiert zur Kenntnis, wie sich die vergn\u00fcgliche und verspielte Tonsprache der Klassik im Kleid der zupackend, ja \u2013 abflauender Moden moderner \u00abhistorisch informierter\u00bb Spielpraxis folgend \u2013 teilweise ruppig aufspielenden Accademia pr\u00e4sentiert. Der luzide Gesamtklang erh\u00f6ht das Vergn\u00fcgen.<\/p>\n<p> Kann sich Dantone als Solist auf die Betitelung des Klavierkonzertes berufen, kommt der Spielweise des Geigers Stefano Montanari in seiner launischen Interpretation des Violinkonzertes die Tatsache entgegen, dass das Werk bloss in der lausigen Fassung eines nachl\u00e4ssigen Kopisten vorliegt und der Solist deshalb viel Deutungsspielraum hat. <\/p>\n<p> Montanari parf\u00fcmiert den praktisch vibratolos gespielten Solopart mit f\u00fcr Geschmackspuristen provokativ anmutenden Glissandi, respektive Portamenti, die ab und zu gar an eine sich r\u00e4kelnde Katze erinnern, und gelegentlich zeigt er sich auch nicht ganz intonationssicher. <\/p>\n<p> Alles in allem erweist er sich aber als unterhaltsamer und spielfreudiger Frontmann, dessen eigene Kadenzen genauso \u00fcberzeugen wie diejenigen des Pianisten. Und da Ensemble und Solist aus den eigenen Reihen naturgem\u00e4ss perfekt aufeinander eingespielt sind, kann man sich an einem tollen Orchestergroove erfreuen, und an effektvoll eingesetzten Tempofreiheiten.<\/p>\n<p> Alles in allem d\u00fcrften die Haydn-Interpretationen der Accademia Bizantina f\u00fcr die kanonische Haydn-Deutung kaum Massst\u00e4be setzen. Sie werfen aber aus der Perspektive der historischen Herkunft ein interessantes Licht auf die Musik, und sie bleiben in lebhafter Erinnerung \u2013 ein deutliches Zeichen daf\u00fcr, dass sie durchdachter sein d\u00fcrften, als es zun\u00e4chst den Eindruck macht. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Joseph Haydn: Klavierkonzert D-Dur Hob. XVIII\/11, Violinkonzert G-Dur Hob. VIIa:4, Doppelkonzert f\u00fcr Klavier und Geige F-Dur Hob. XVIII\/6. Accademia Bizantina, Ottavio Dantone (Cembalo, Leitung), Stefano Montanari (Violine). L\u2019Oiseau Lyre\/Universal, Best. Nr. 478 2243. <br \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>09.05.2010 &#8212; Die 1983 gegr\u00fcndete italienische Accademia Bizantina ist ein typisches Barockensemble, auch ihre letzten CD-Produktionen sind fast ausschliesslich barocken&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-1054","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1054","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1054"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1054\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1054"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1054"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1054"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}