{"id":1068,"date":"2014-01-13T11:02:33","date_gmt":"2014-01-13T11:02:33","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/rhapsodie-und-fantasie-im-volksmusikton\/"},"modified":"2014-01-13T11:02:33","modified_gmt":"2014-01-13T11:02:33","slug":"rhapsodie-und-fantasie-im-volksmusikton","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/rhapsodie-und-fantasie-im-volksmusikton\/","title":{"rendered":"Rhapsodie und Fantasie im Volksmusikton"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2010\/101025laendler.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>25.10.2010 &#8212; Volksmusik kennt keine grossen Formen, schon gar keine sinfonischen. Sie kapriziert sich auf T\u00e4nze, Lieder und andere funktionale Aufgaben rund um den Alltag und Jahreszyklus lokaler Gemeinschaften. Man kann nat\u00fcrlich (wie aus beliebigem Material) auch aus Folklore- und Volksmusik-Elementen Kompositionen mit einem weiten Atem zimmern. Heinz Holliger hat dies etwa in seinem knapp halbst\u00fcndigen Alb-Chehr und anderen Eigensch\u00f6pfungen getan. Ein \u00fcberaus witziger und gekonnt gemachter Zyklus ist auch Th\u00fcring Br\u00e4ms \u00abPostcards from Switzerland\u00bb \u00fcbertiteltes f\u00fcnftes Streichquartett. Aber das sind alles Werke, in denen sozusagen in einem Top-Down-Verfahren Kunstmusik geschrieben worden ist, die zwar nach veredelter Volksmusik klingt, aber mit deren Lebenswelt letztlich kaum etwas zu tun haben.<\/p>\n<p> Den andern Weg \u2013 aus der Volksmusik-Praxis heraus \u2013 in gr\u00f6ssere Formen vorzustossen, versucht das L\u00e4ndlerorchester, mit einer 35-min\u00fctigen Rhapsodie und einer gar 42-min\u00fctigen Fantasie. Die Idee zum Ensemble geht auf den Klarinettisten Domenic Janett zur\u00fcck, dem bereits vor vier Jahren ein gr\u00f6sseres Volksmusik-Ensemble vorschwebte, mit dem sich solche sinfonische Formen realisieren liessen. Gelegenheit dazu gegeben hat ihm nun das Festival \u00abStubete am See\u00bb in der Tonhalle Z\u00fcrich, eine Art Gravitationszentrum der Neuen Volksmusik. Das L\u00e4ndlerorchester, ein Zusammenzug von Musikanten aus allen Ensembles, die an der Stubete auftreten, ist damit so etwas wie ein Pendant des Lucerne Festival Orchestra f\u00fcr urban gesinnte Kafi-Fertig-, Chilbi- und Quetschkommoden-Liebhaber. <\/p>\n<p> Neben Janett, der eine vom Stubete-Publikum bei der Urauff\u00fchrung sehr gut aufgenommene \u00abL\u00e4ndler-Rhapsodie\u00bb f\u00fcr den Klangk\u00f6rper geschrieben hat, hat Dani H\u00e4usler im Auftrag von Pro Helvetia eine \u00abWaldst\u00e4tter-Fantasie\u00bb f\u00fcr das Orchester verfasst. F\u00fcr die vorliegende CD aufgenommen worden sind die beiden Werke im Juli dieses Jahres nicht an der Stubete selber, sondern im Radiostudio Z\u00fcrich. <\/p>\n<p> In den Sch\u00f6pfungen der beiden Klarinettisten, die nicht \u00fcber eine solide klassische Kompositions-Ausbildung verf\u00fcgen, zeigen sich schnell die Grenzen des Versuchs: Gr\u00f6ssere B\u00f6gen scheinen da vor allem mit narrativen Elementen gesucht zu werden, die die Zyklen in die N\u00e4he von Theatermusik r\u00fccken. Kaleidoskopartig werden da, teils mit harten Schnitten, teils mittels Uminstrumentieren k\u00fcrzerer Melodien und mit abrupten Tonartenwechseln eine Art Episoden aneinandergef\u00fcgt. Die Kunst der Motiventwicklung und der grossen dramaturgischen B\u00f6gen gibt das Material in seiner urt\u00fcmlichen Form m\u00f6glicherweise auch aus sich selber nicht her. Volksmusik ist daf\u00fcr eben nicht gemacht. <\/p>\n<p> Auf wirklich gelungene Verfeinerungen und \u00dcberhohungen der Schweizer Volksmusik, wie sie etwa Astor Piazzolla f\u00fcr den argentinischen Tango realisiert hat, warten wir noch. Es ist nat\u00fcrlich nicht auszuschliessen, dass sich die alpenl\u00e4ndischen Klangwelten dazu bringen lassen. Ob daf\u00fcr wirklich ein \u00e4sthetisches oder gesellschaftliches Bed\u00fcrfnis besteht, ist dann wieder eine andere Frage. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>cf<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Domenic Janett (*1949): L\u00e4ndler-Rhapsodie; Dani H\u00e4usler (*1974): Waldst\u00e4tter-Fantasie. L\u00e4ndlerorchester. Musiques Suisses, Neue Volksmusik CD MGB-NV 15. Bezugsnachweis: <a href=\"http:\/\/www.musiques-suisses.ch\/shop\/volksmusik\/NV15.php?lang=d\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.musiques-suisses.ch<\/a> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>25.10.2010 &#8212; Volksmusik kennt keine grossen Formen, schon gar keine sinfonischen. 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