{"id":1076,"date":"2014-01-13T11:15:43","date_gmt":"2014-01-13T11:15:43","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/im-portrait-saxofon-und-klavier\/"},"modified":"2014-01-13T11:15:43","modified_gmt":"2014-01-13T11:15:43","slug":"im-portrait-saxofon-und-klavier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/im-portrait-saxofon-und-klavier\/","title":{"rendered":"Im Portrait: Saxofon und Klavier"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2011\/sax26111.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>04.03.2011 &#8212; Mit einem jungen und einem alten Mitglied der Musikinstrumentenfamilie er\u00f6ffnet der B\u00e4renreiter-Verlag die \u00abPortrait\u00bb-Reihe. <\/p>\n<p> 1846 liess der belgische Klarinettist und T\u00fcftler Antoine-Joseph Adolphe Sax, Konstrukteur Dutzender von Klangk\u00f6rpern, sein Saxophon patentieren. \u2013 Mehrere Erfinder sind dagegen \u00fcber Jahrhunderte an der Entwicklung der Tasteninstrumente beteiligt; Bartolomeo Cristofori stellte in Florenz um 1709 ein \u00abgravicembalo con piano e forte\u00bb her und gilt als Ahnherr des modernen Klaviers und Fl\u00fcgels. <\/p>\n<p> W\u00e4hrend die Bibliografie \u00fcber das Klavier, seine Vorg\u00e4nger und seine Literatur kaum noch den Spezialisten \u00fcberschaubar ist, liegen zwar viele Saxophon-Schulwerke vor, doch nur wenige monografische Darstellungen der \u00abr\u00f6hrenden Kanne\u00bb. Der Musikjournalist und Festivalleiter Ralf Dombrowski, Autor der Basis-Diskothek Jazz (Reclam) und einer John-Coltrane-Biografie (Oreos), hat mit dem Portrait-Band Saxofon eine vielseitige Geschichte dieser Blasinstrumentenfamilie verfasst, eine reich illustrierte Publikation, die alles Wesentliche zusammenf\u00fchrt, ordnet und kommentiert. <\/p>\n<p> Wer die Vorg\u00e4nger dieses Messinginstruments sind und wie seine Bauformen konstruiert werden, wie es seinen Weg aus der Werkstatt von Sax in die Milit\u00e4rkapellen aller Herren L\u00e4nder beschreitet, welchen Einfluss der Erste Weltkrieg auf die Saxofon-Familie hat, wie diese nach New Orleans kommt und wieder zur\u00fcck auf den Alten Kontinent \u2013 das alles schildert Dombrowski auf spannende Art. <\/p>\n<p> Wechselspiel der Impulse: Experimentierfreudige Musiker, am Anfang Sidney Bechet, Marcel Mule und Sigurd Rasch\u00e8r, reihen sich in die Galerie legend\u00e4rer und stilbildender Saxofonisten, und in Bands und Combos setzen junge Talente neue Techniken und pers\u00f6nliche Klangvorstellungen um. Der Autor charakterisiert das Spiel dieser Virtuosen, Revoluzzer und Selbstdarsteller vom Swing und Bebop bis zur Jazz-Avantgarde, zu den Str\u00f6mungen der Gegenwart wie Pop und Rock, Weltmusik, Postmoderne, fasst dabei auch die politische Situation, den soziologischen Hintergrund ins Auge. Hilfreich w\u00e4re die Angabe der Lebens- bzw. Geburtsdaten bei allen gew\u00fcrdigten K\u00fcnstlern im Text oder im Personenregister. <\/p>\n<p> Dombrowski blendet die Aspekte des Saxofons in der klassischen Musik nicht aus. Zwar blieb es im Sinfonieorchester ein Aussenseiter, doch brachten neoromantische Komponisten seit den 1930er Jahren das exotische Flair des Jazzsax in den b\u00fcrgerlichen Konzertsaal. Nach und nach wuchs das Repertoire, vor allem im Bereich der Kammermusik und, in stil\u00fcberschreitenden Projekten, im Saxofon-Quartett. <\/p>\n<p> In gesonderten Kapiteln stellt Dombrowski Top-Ten-Aufnahmen und -K\u00fcnstler sowie H\u00f6hepunkte des Jazzrepertoires vor und geht abschliessend ausf\u00fchrlich auf die Ausbildungsm\u00f6glichkeiten ein. <\/p>\n<p> Zwischen den Haupttext gestreut finden sich Illustrationen in Farbe und Schwarzweiss, CD- und Buchtipps, Interviews und Anekdoten. Hilfreich f\u00fcr Laien wie f\u00fcr Fortgeschrittene sind die Literaturangaben und die vielen Internet-Adressen, darunter jene der deutschen Hochschulen mit Studiengang Jazzsaxofon (zu korrigieren ist die angef\u00fchrte Adresse des einstigen All Music Guide: www.allmusic.com). <\/p>\n<p> <strong><em>Zitat aus dem Buch: <\/em><\/strong><br \/> \u00abDer Neuling in der Instrumentenfamilie des 19. Jahrhunderts hatte im Sinne seines Erfinders etwas strukturell Revolution\u00e4res. Er verkn\u00fcpfte die Klangcharakteristiken verschiedener Vorg\u00e4nger und Konkurrenten von Streichern bis zu Klarinetten, war mobil und vielseitig einsetzbar, hatte aber auf der anderen Seite durch diese Universalit\u00e4t, Progressivit\u00e4t und die Orientierung am Milit\u00e4rischen das Problem, keinen Fu\u00df in die T\u00fcr der b\u00fcrgerlich-sch\u00f6ngeistigen Salon- und Konsumkreise zu bekommen. Bezeichnenderweise musste das Saxofon den Umweg \u00fcber Entertainment, Jazz und Subkultur nehmen, um quasi \u00fcber die kulturmythische Hintert\u00fcr Eingang in die R\u00e4ume umfassender Akzeptanz zu finden.\u00bb (Seite 16) <\/p>\n<p> <strong>Portrait Klavier<\/strong> <\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2011\/klav26111.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Ebenfalls eine F\u00fclle praktischer Hinweise hat Matthias Kornemann seinem Portrait-Band \u00fcber das Klavier bzw. den Fl\u00fcgel mitgegeben. Dass er sich dabei auf das Solo- und Konzertrepertoire im klassischen Bereich von Bach bis zu Bart\u00f3k, Ives, Cage und Ligeti, geografisch auf Europa, die USA und Russland konzentriert, ist wohl eine Folge des auf 166 Seiten beschr\u00e4nkten Buchumfangs. Dieser Limitierung sind leider auch zwei Kapitel zum Opfer gefallen: \u00fcber Clavichord und Cembalo-Familie und \u00fcber das Piano im Jazz. (Beide Artikel lassen sich via Website www.baerenreiter.com \u00fcber die Schnellsuche mit dem Stichwort \u00abKornemann\u00bb herunterladen.) <\/p>\n<p> Matthias Kornemann, Musikpublizist f\u00fcr Fachmagazine, Dozent an der Hochschule Hanns Eisler in Berlin, Autor einer Brahms-Biografie (2006, vergriffen), sch\u00f6pft aus der F\u00fclle des Klavier-Wissens und bereitet es auf in \u00fcberschaubaren Einheiten, offen f\u00fcr erhellende Seitenblicke und pointierte Urteile. Selbst die in der Regel trockene Materie der Evolution vom Hammerklavier bis zum Fl\u00fcgel (\u00abDie Mechanik eines modernen Konzertfl\u00fcgels besteht aus nahezu 8800 einzelnen Teilen!\u00bb) versteht der Autor plastisch und kurzweilig anhand der Erfinder-Pers\u00f6nlichkeiten zu erz\u00e4hlen. <\/p>\n<p> Im sozio-kulturellen, auch wirtschaftliche Gesichtspunkte einbeziehenden \u00dcberblick spannt Kornemann kritisch und humorvoll den Bogen vom 18. Jahrhundert \u00fcber das bildungsb\u00fcrgerliche Klavierspiel, den Historismus mit dem Kanon von Meisterwerken zu den nationalen Klavierschulen und den wichtigen Interpretinnen und Interpreten samt ihren Kurzbiografien und herausragenden Leistungen. Auch wenn man nicht alle Einsch\u00e4tzungen und Bewertungen des Autors \u00fcbernehmen mag \u2013 seine Charakterisierungen und Analysen sind anregend und des Reflektierens wert. <\/p>\n<p> Eingeschoben in den Lauftext finden sich Illustrationen und Notenbeispiele, Erl\u00e4uterungen von Fachw\u00f6rtern, Werkbesprechungen, Aussagen von Komponisten, Zeugnisse von Zeitgenossen, CD-, Internet- und Buch-Tipps (weiterf\u00fchrende Literatur findet sich auch im Anhang). Ein eigenes Kapitel befasst sich mit Ausbildung, Unterricht, Instrumentenwahl, dem Klavierspiel als Beruf (mit der Liste der Hochschulen in Deutschland, die den Studiengang Klavier anbieten) und dem Wettbewerbswesen. <\/p>\n<p> <strong><em>Zitat aus dem Buch: <\/em><\/strong><br \/> \u00abDie gro\u00dfen Wettbewerbe z\u00fcchten einen Typus des B\u00fchnenmusikers heran, der einem, \u00fcberspitzt formuliert, globalisierten Einheitsgeschmack entspricht. \u00dcber die angebliche &#8218;Globalisierung des Klangs&#8216; auf dem von wenigen Firmen dominierten Klaviermarkt liest man immer \u00f6fter. Aber selbst wenn alle Instrumente exakt gleich kl\u00e4ngen, lie\u00dfe sich darauf eine Unendlichkeit interpretatorischer Facetten darstellen. Aber wenn die Darsteller ihrerseits unter immer gr\u00f6\u00dferem Druck zur technisch unendlich ausgeh\u00e4rteten Einheitsform gepresst werden, entsteht jene leider immer mehr anwachsende &#8218;postinterpretatorische&#8216; Langweiligkeit.\u00bb (Seite 161). <br \/> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Ralf Dombrowski: Portrait Saxofon. Kultur, Praxis, Repertoire, Interpreten. B\u00e4renreiter-Verlag, Kassel 2010. Mit Abbildungen. 166 Seiten. \u20ac 27,50. Fr. 49.50. <\/p>\n<p> Matthias Kornemann: Portrait Klavier. Kultur, Praxis, Repertoire, Interpreten. B\u00e4renreiter-Verlag, Kassel 2010. Mit Abbildungen und Notenbeispielen. 166 Seiten. \u20ac 27,50. Fr. 49.50. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>04.03.2011 &#8212; Mit einem jungen und einem alten Mitglied der Musikinstrumentenfamilie er\u00f6ffnet der B\u00e4renreiter-Verlag die \u00abPortrait\u00bb-Reihe. 1846 liess der belgische&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-1076","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1076","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1076"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1076\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1076"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1076"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1076"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}