{"id":108,"date":"2014-01-09T13:08:03","date_gmt":"2014-01-09T13:08:03","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/daniel-hopes-sphaerenklaenge\/"},"modified":"2014-01-09T13:08:03","modified_gmt":"2014-01-09T13:08:03","slug":"daniel-hopes-sphaerenklaenge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/daniel-hopes-sphaerenklaenge\/","title":{"rendered":"Daniel Hopes Sph\u00e4renkl\u00e4nge"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2013\/130329hope.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>29.03.2013 &#8212;<\/em> Neue Einfachheit? Minimal Music? P\u00e4rt und die Folgen? Wie dem auch sei, strukturell repetitive und\/oder meditative Musik findet heute ihr Publikum, und dagegen ist auch gar nichts zu sagen. Die radikal reduzierten Klangwelten haben einerseits das Odium von Klangtapeten f\u00fcr New-Age- und Esoterik-Messen, bei denen der Welterkl\u00e4rungsanspruch sich reziprok zur gedanklichen Tiefe verh\u00e4lt; andererseits muten sie noch immer etwas subversiv an, als einfach gebaute Gegenbewegung zur (\u00dcber-)Komplexit\u00e4t der Neuen Musik.<\/p>\n<p> Im Grunde genommen ist die scheinbare Einfachheit aber bloss Trug. Denn wenn melodisches Material, Rhythmik und Harmonik schlicht und redundant gestaltet sind, verlegt sich die H\u00f6raufmerksamkeit einfach auf anderes, etwa die subtile Durchformung des einzelnen Tones. Wenn dann noch ein Geiger wie Daniel Hope am Werk ist, der sogar das Telefonbuch musikalisch atemraubend rauf- und runterspielen w\u00fcrde, dann werden Warner vor der Banalit\u00e4t der Partituren ruhiggestellt. <\/p>\n<p> Etwas zwiesp\u00e4ltig sind die Ausfl\u00fcge in die Statik der musikalischen Architektur allerdings dennoch, denn je simpler die Kl\u00e4nge, umso bombastischer halt eben auch der metaphysische Anspruch. Auch die j\u00fcngsten derartigen Produktionen beschw\u00f6ren der Welten Kosmos, Hope etwa mit seiner CD, die mit \u00abSpheres\u00bb die neuplatonische Sph\u00e4renharmonie wieder aufleben l\u00e4sst. Es finden sich denn darauf auch Werke der f\u00fchrenden Minimalisten, Ludovico Einaudi, Phil Glass, Arvo P\u00e4rt, Michael Nyman, aber auch Fundst\u00fccke aus den Werkst\u00e4tten Gabriel Faur\u00e9s, Lera Auerbachs, Johann Sebastian Bachs oder des als Musikclown weitaus bekannteren Aleksey Igudesman. Die Liste ist nicht vollst\u00e4ndig. <\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2013\/130329einaudi.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Aber eben: Wo Hope seine H\u00e4nde mit im Spiel hat, kommt immer etwas Originelles dabei heraus. Das betrifft auch die g\u00e4nzlich dem Werk Einaudis gewidmete CD \u00abIn a Time Lapse\u00bb, auf der neben Einaudi selber, etlicher seiner Freunde und eben Hope auch das Orchestra I Virtuosi Italiani mittut. Eine stimmungsvolle, unaufgeregte Silberscheibe f\u00fcr das, was der Nachwuchs neudeutsch als \u00abChillen\u00bb bezeichnen d\u00fcrfte. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2013\/130329miserere.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Ebenfalls reduziert, aber mit einem Hang zur expressiven Bombastik sind die Kompositionen von Henryk G\u00f3recki. Bereits 1981 entstanden ist sein \u00abMiserere\u00bb, das der Los Angeles Master Chorale in musterg\u00fcltiger Art neu eingespielt hat. \u00dcberlegungen des Chorleiters Grant Gershon im Booklet festigen den Ruf dieser Art von Musik: Da werde ein ganzes Universum an Schmerz und Solidarit\u00e4t erfasst. G\u00f3recki sei der Meinung gewesen, \u00abdass man die eigentliche Wahrheit eines Kunstwerks nur erreichen kann, wenn man alles belanglose abwirft.\u00bb Das sei dann f\u00fcr alle Beteiligten auch \u00abein \u00fcberw\u00e4ltigendes emotionales Erlebnis\u00bb geworden, schreibt Gershon. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2013\/130329symphony.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>\u00c4hnlich gestrickt ist G\u00f3reckis dritte Sinfonie, die das Danish National Symphony Orchestra unter Leitung John Axelrods, des fr\u00fcheren Chefdirigenten des Luzerner Sinfonieorchesters, mit der Sopranistin Isabel Bayrakdarian neu eingespielt hat. Sie belebt den ansonsten auch statischen dritten Satz des Werkes, der sich einreiht in eine Tradition der mit Gesang abgeschlossenen Sinfonien. Sie reicht damit von Beethoven \u00fcber Mahler bis eben in die Neuzeit. <em>(wb)<\/em><br \/><\/span><\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><br \/> <em><span class=\"txt-s-black\" style=\"font-size: x-small;\">Daniel Hope: Spheres, Deutsche Grammophon\/Universal, Best.-Nr. 479 0571<br \/> Ludovico Einaudi: In a Time Lapse, Decca\/Universal, Best.-Nr. 4810173<br \/> G\u00f3recki: Miserere, Los Angeles Master Chorale, Grant Gershon (Leitung), Decca\/Universal, Best.-Nr. 478 3537<br \/> Henryk G\u00f3recki: Symphony No. 3, Danish National Symphony Orchestra, John Axelrod (Leitung), Isabel Bayrakdarian (Sopran), Sony Music, Best.-Nr. 88697966242 <\/span><\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>29.03.2013 &#8212; Neue Einfachheit? Minimal Music? P\u00e4rt und die Folgen? 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