{"id":1095,"date":"2014-01-13T11:25:09","date_gmt":"2014-01-13T11:25:09","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/vokalmusik-von-schuetz-und-schein\/"},"modified":"2014-01-13T11:25:09","modified_gmt":"2014-01-13T11:25:09","slug":"vokalmusik-von-schuetz-und-schein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/vokalmusik-von-schuetz-und-schein\/","title":{"rendered":"Vokalmusik von Sch\u00fctz und Schein"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2012\/sch27212.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>07.03.2012 &#8212; Der einzige klingende, will heissen in Text und Musik gesetzte Sarg ist jener des Heinrich II. Posthumus Reu\u00df. Der Herr zu Gera, Lobenstein, Ober-Kranichfeld etc. etc., geboren 1572, war ein aufgekl\u00e4rter F\u00fcrst, der in seinem Land Wirtschaft und Schulwesen f\u00f6rderte, calvinistischen Glaubensfl\u00fcchtlingen aus Flandern Niederlassungsrecht gew\u00e4hrte und seine Residenzstadt Gera zu einem kulturellen Zentrum Th\u00fcringens machte. <\/p>\n<p> Er k\u00fcmmerte sich auch um seine eigenen opulenten Begr\u00e4bnisfeierlichkeiten und sein Nachleben: Heinrich Reu\u00df entwarf einen minuti\u00f6sen \u00abLeichprocess\u00bb, und etwa ein Jahr vor seinem Hinschied 1636 stellte er Bibelspr\u00fcche und Choralverse zusammen und liess sie auf seinem reichverzierten kupfernen \u00dcbersarg anbringen. <\/p>\n<p> Heinrich Sch\u00fctz, der Heinrich Posthumus Reu\u00df wiederholt begegnet war, vertonte die Sarg-Texte; unter dem Titel \u00abMusikalische Exequien\u00bb lag das dreiteilige, sechs- bis achtstimmig gesetzte grosse Vokalwerk bereits 1636 in Dresden gedruckt vor. <\/p>\n<p> Die Trauermusik \u2013 den ersten Teil bezeichnete Sch\u00fctz als \u00abConcert in Form einer Teutschen Begr\u00e4bnis-Missa\u00bb \u2013 erklingt als Schwerpunkt in Vol. 3 der Sch\u00fctz-Werke-Gesamteinspielung, die im Carus-Verlag erscheint. Vokalsolisten, der Dresdner Kammerchor und Instrumentalisten unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann erweisen sich als intellektuell wie emotional engagierte Interpreten, un\u00fcbertrefflich in Inspiration, Klangsch\u00f6nheit und Ausgewogenheit, auf das Gleichgewicht von Wort und Musik, von Textklarheit und melodisch-harmonischer Ausdrucksdifferenzierung bedacht. <\/p>\n<p> Unter den weiteren sechs, zum Teil solistisch vorgetragenen Trauerges\u00e4ngen finden sich vier Ersteinspielungen: \u00abGrimmige Gruft\u00bb, \u00abGutes und Barmherzigkeit\u00bb, \u00abIch hab mein Sach Gott heimgestellt\u00bb und \u00abO meine Seel, warum bist du betr\u00fcbet\u00bb.<\/p>\n<p> <strong>Sch\u00fctz: Zw\u00f6lf geistliche Ges\u00e4nge <\/strong><\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2012\/sch8312.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Von den Amtsverpflichtungen befreit, wandte sich der alte Meister \u2013 er starb 1672 mit 87 Jahren \u2013 fr\u00fcheren Kompositionen zu in der Absicht, \u00abin meiner Jugendt angefangene Musicalische Wercke colligieren, Completieren, undt zu meinem andencken auch in den Druck\u00bb zu geben. 72 war er, als die Sammlung der Zw\u00f6lf geistlichen Ges\u00e4nge publiziert wurde \u00abzu Gottes Ehren und Christlichen n\u00fctzlichen Gebrauch in Kirchen und Schulen\u00bb. R\u00fcckblick und Sicherung des Erbes f\u00fcr die Zukunft: In Form einer deutschen Messe und einer deutschen Vesper angelegt, verbinden sich in diesen Motetten p\u00e4dagogischer Anspruch, Klarheit und kunstvolle Polyphonie \u2013 der Kontrapunkt als Basis aller neuen Musik. <\/p>\n<p> Mit der Einspielung dieses weniger beachteten Werkzyklus setzen der Dresdner Kammerchor und Hans-Christoph Rademann ihre Sch\u00fctz-Gesamtaufnahme auf h\u00f6chstem Niveau, historisch informiert und fern jeder distanzierenden Steifheit fort. Die gedruckte Vorlage bildet die ebenfalls im Carus-Verlag erscheinende Stuttgarter Sch\u00fctz-Ausgabe. Die CD-Gesamtausgabe \u2013 erschienen sind als erstes die Geistliche Chor-Music (1648) und die Italienischen Madrigale (1611) \u2013 soll 2017 abgeschlossen vorliegen. <\/p>\n<p> <strong>Schein: Fontana d\u2019Israel<\/strong><\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2012\/schein27212.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>1585, 1586, 1587 \u2013 die Geburtsjahre der drei tonangebenden Grossen ihrer Epoche: Heinrich Sch\u00fctz, Johann Hermann Schein und Samuel Scheidt. Sie kannten und sch\u00e4tzten einander, und dominant in ihrem Schaffen ist die protestantische geistliche Vokalmusik \u2013 das Lob Gottes als Hort und St\u00fctze in Zeiten des verheerenden Dreissigj\u00e4hrigen Kriegs. <\/p>\n<p> W\u00e4hrend Scheidt (er starb 1654) bei Sweelinck studiert hatte, richteten Sch\u00fctz und Schein ihren Fokus auf Italien, auf die Kompositions- und Ausdruckstechniken der Moderne. Sch\u00fctz konnte dank eines Stipendiums bei Govanni Gabrieli in Venedig studieren; Schein (von 1616 bis zu seinem Tod 1630 wirkte er als Thomaskantor in Leipzig) machte sich als einer der ersten in Deutschland mit der italienischen Musik nur durch das Studium von Drucken bekannt. Zu Unrecht stand er lange im Schatten seines Freundes Sch\u00fctz. <\/p>\n<p> Die neuen Errungenschaften des \u00abstile nuovo\u00bb mit ihrer Erweiterung der harmonischen M\u00f6glichkeiten der Textauslegung samt tonmalerischen Elementen verstand Schein zu verschmelzen mit dem deutsch-niederl\u00e4ndischen Erbe. Sein wohl bedeutendstes Opus legte er 1623 vor: \u00abFontana d\u2019Israel. Israelis Br\u00fcnnlein. Auserlesene Krafft-Spr\u00fcchlin altes und newen Testaments auf Italian-Madrigalische Manier componiret\u00bb. Die Sammlung, in der Schein den madrigalischen und den motettischen Stil zu effektvoller Synthese f\u00fcgt, umfasst 26 f\u00fcnf- bis sechsstimmige Chors\u00e4tze neueren und \u00e4lteren Datums. Die Texte entnahm Schein u. a. den Psalmen, den Spr\u00fcchen Salomons, der Offenbarung. <\/p>\n<p> Unter der Leitung von Hermann Max bringen f\u00fcnf Solisten, sechs Continuospieler und die Rheinische Kantorei die Werke dank breiter Palette an Stimmungen und rhythmischen wie agogischen Finessen zu textdeutlicher, klangsinnlicher, bis ins Detail durchgeformter und belebter Wirkung. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Heinrich Sch\u00fctz: Musikalische Exequien. Gesamteinspielung Vol. 3. \u2013 Musikalische Exequien SWV 279\u2013281; Trauerges\u00e4nge SWV 52, 54, 95, 277, 419 und 464. \u2013 Dorothee Mields, Anja Z\u00fcgner, Alexander Schneider, Jan Kobow, Tobias M\u00e4thger, Harry van der Kamp, Matthias Lutze. Mattias M\u00fcller (Violone), Ludger R\u00e9my (Organo). Dresdner Kammerchor. Leitung: Hans-Christoph Rademann. (Carus 83.238 SACD; 68\u2019. Informatives illustriertes Booklet dt.\/engl.) <\/p>\n<p> Heinrich Sch\u00fctz: Zw\u00f6lf geistliche Ges\u00e4nge SWV 420\u2013431. Gesamteinspielung Vol. 4. \u2013 Irene Klein (Viola da gamba), Sebastian Knebel (Organo). Dresdner Kammerchor. Leitung: Hans-Christoph Rademann. (Carus 83.239; 60\u2019. Informatives illustriertes Booklet dt.\/engl.) <\/p>\n<p> Johann Hermann Schein: Fontana d\u2019Israel (1623). Gesamtaufnahme. \u2013 Martina Lins, Johanna Koslowsky, Maria Arentz, Bernhard Schneider, Raimund Nolte. \u2013 Christine Kyprianides (Viola da gamba), Hartwig Groth (Viola da gamba, Violone), Peter Sommer (Bassposaune), Michael McCraw (Dulzian), Konrad Jungh\u00e4nel (Chitarrone), Christoph Lehmann (Orgel, Cembalo). Rheinische Kantorei. Leitung: Hermann Max. (Capriccio C5069, 2 CDs; 88\u2019. Booklet dt.\/engl.)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>07.03.2012 &#8212; Der einzige klingende, will heissen in Text und Musik gesetzte Sarg ist jener des Heinrich II. 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