{"id":1101,"date":"2014-01-13T11:28:12","date_gmt":"2014-01-13T11:28:12","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/joolerei-und-wyt-drueberuus-der-neue-jodel\/"},"modified":"2014-01-13T11:28:12","modified_gmt":"2014-01-13T11:28:12","slug":"joolerei-und-wyt-drueberuus-der-neue-jodel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/joolerei-und-wyt-drueberuus-der-neue-jodel\/","title":{"rendered":"\u00abJoolerei\u00bb und \u00abWyt Dr\u00fcberuus\u00bb: der Neue Jodel"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2012\/120822raess.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>21.08.2012 &#8212; Der Schweizer von heute isst K\u00e4se und Schokolade, wandert im nahen Berggebiet und h\u00e4lt die Werte der direkten Demokratie hoch. H\u00f6rt er Musik, dann allerdings lieber Pop aus \u00dcbersee als Bodenst\u00e4ndiges. Jodeln oder Alphornblasen sind nicht sein Ding. <\/p>\n<p> Oder doch? Tatsache ist, dass es vor allem in der instrumentalen Volksmusik mittlerweile zahlreiche K\u00fcnstler gibt, die keine Ber\u00fchrungs\u00e4ngste mit Volksmusik mehr zeigen und unbeschwert mit ihr experimentieren. Bereits Anfang der 1990er Jahre haben die ersten Musiker Schritte in die Richtung gemacht; Ins Rollen gebracht wurde der Stein dann durch den Schwyzer\u00f6rgelispieler Markus Fl\u00fcckiger und den Klarinettisten Daniel H\u00e4usler, die hemmungslos traditionelle Kl\u00e4nge mit Rock, Jazz oder Elektro kreuzten und zum Grooven brachten. <\/p>\n<p> Ihr 1998 gegr\u00fcndetes Ensemble Huj\u00e4ssler ist ein Schwergewicht in der Szene, die heute \u00abNeue Volksmusik\u00bb als eigenst\u00e4ndigen Stil pflegt. Fl\u00fcckiger und H\u00e4usler sind ausserdem Dozierende des Studiengangs Volksmusik an der Hochschule Luzern \u2013 dem ersten und bisher einzigen in der Schweiz. Die instrumentale Alpenmusik ist in Bewegung, von Stillstand keine Spur. <\/p>\n<p> Und das Jodeln? \u00abDie Geschichte der Struktur der Schweizer Jodlerszene ist v\u00f6llig anders als die der instrumentalen Volksmusik\u00bb, so die Jodlerin und Musikp\u00e4dagogin Nadja R\u00e4ss. Die instrumentale Volksmusik war von Anfang nicht fest an einen Verband mit klaren Statuten gebunden, ausserdem ist sie \u2013 Stichwort: Regionen und Instrumente \u2013 nat\u00fcrlicherweise vielf\u00e4ltig. <\/p>\n<p> Anders der Jodel: der Eidgen\u00f6ssische Jodlerverband, die zentrale Instanz der Schweizer Jodlerszene, ist seit seiner Gr\u00fcndung 1910 bestrebt, die Tradition des helvetischen Jodels zu bewahren. <\/p>\n<p> \u00abDabei ging es urspr\u00fcnglich darum, den Schweizer Jodel vor den Einfl\u00fcssen des Tiroler Gegenst\u00fccks zu sch\u00fctzen, weshalb im Laufe der Jahre immer mehr Regeln eingef\u00fchrt und Strukturen geschaffen wurden. Viele waren froh darum, es gab Stabilit\u00e4t und Orientierung. Die Entwicklung hat allerdings zu einer so strengen Reglementierung gef\u00fchrt, dass es heute schwierig ist, innerhalb des Jodlerverbands neue Wege zu gehen\u00bb.<\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2012\/120822lauterburg.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Das best\u00e4tigt auch die Bernerin Christine Lauterburg, die bereits vor 20 Jahren f\u00fcr Aufregung sorgte, weil sie an Jodlerfesten in Tracht und Netzstr\u00fcmpfen auf die B\u00fchne trat. Lauterburg, die urspr\u00fcnglich Schauspielerin ist und nicht aus dem traditionellen Volksmusikumfeld stammt, fand mit dem Jodel die M\u00f6glichkeit, anderen Leuten mit Musik eine Freude zu machen. <\/p>\n<p> Sie ist fasziniert von der Einfachheit und Unbeschwertheit, die diesen Volksgesang ihrer Meinung nach ausmachen. Sie hatte auch keine Hemmungen, Jodel auf andere Art zu interpretieren: sich selbst singend auf der Geige begleitend, oder von Combos mit Schlagzeug, Bass und Gitarre und auch mal mit elektronischer Musik gemixt. Traditionalisten reagierten ablehnend, der Jodlerverband emp\u00f6rt. Lauterburg trat deshalb nach kurzer Mitgliedschaft aus dem Verband wieder aus. <\/p>\n<p> Seitdem geht sie ihren Weg jenseits der traditionellen Jodlerwettbewerbe. Den Jodel verarbeitet sie in diversen Formationen auf facettenreiche Art in neuen Musikkreationen. Damit gelingt es ihr, ein Publikum zu begeistern, das sonst mit Jodel wenig am Hut hat \u2013 was sich beispielsweise am durchschlagenden Erfolg ihres 1994 erschienenen Albums \u00abEcho der Zeit\u00bb, einer Emulsion aus Techno und Jodel, gezeigt hat. <\/p>\n<p> Mehr als 20 Jahre sp\u00e4ter beschreitet auch Nadja R\u00e4ss musikalisch ihre eigenen Pfade. So musiziert sie etwa mit der Camerata Schweiz und verbindet dabei Jodel und Klassik, sie kreuzt aber auch Jodel und Pop-Rock-Formationen. Als Mitglied des Eidgen\u00f6ssischen Jodlerverbands ist sie dennoch fester Teil der traditionellen Jodlerlandschaft. \u00abKlar kann ich nicht alles, was ich mache, auch an einem traditionellen Jodlerfest pr\u00e4sentieren, doch der Jodlerverband w\u00fcrde mir auch nicht etwas verbieten, was ich ausserhalb davon mache.\u00bb <\/p>\n<p> In ihren Augen hat bereits eine zaghafte \u00d6ffnung stattgefunden, die sich in Zukunft verst\u00e4rken wird: \u00abEs brodelt momentan in der Jodlerszene. Hier passiert gerade, was in der instrumentalen Volksmusik vor 20 Jahren bereits geschehen ist.\u00bb Die starren Strukturen, die wie ein eng geschn\u00fcrtes Korsett die Form vorgegeben haben, werden sich, ist sie \u00fcberzeugt, in den n\u00e4chsten Jahren zusehends lockern. <\/p>\n<p> Christine Lauterburg ist dagegen skeptisch: \u00abEigentlich glaube ich nicht, dass sich diese Strukturen in absehbarer Zeit gross \u00e4ndern werden\u00bb, meint sie und erg\u00e4nzt: \u00abAllerdings w\u00fcrde ich es sehr sch\u00f6n finden, wenn auch der Verband sich Neuem \u00f6ffnen k\u00f6nnte\u00bb.<\/p>\n<p> Die aus der Innerschweiz stammende R\u00e4ss ist mit Volksmusik aufgewachsen, hat schon als 16-j\u00e4hrige bei traditionellen Jodlerfesten mitgemacht. Ihre musikalische Herkunft ist die Volksmusik, und da man Jodel auch heute noch nicht studieren kann (auch im heute existierenden Studiengang der HSLU f\u00fcr Volksmusik ist Jodel bisher kein Ausbildungsbereich), hat sie sich f\u00fcr eine klassische Gesangsausbildung entschieden. Stimmbildung hat einen wichtigen Stellenwert in ihrem musikalischen Schaffen. <\/p>\n<p> Lauterburg, die nicht dem traditionellen Umfeld entstammt, bot als \u00abExotin\u00bb deutlich mehr Reibungsfl\u00e4che. Sie hat aber die Rolle der Pionierin gespielt und war als erste Jodlerin bereit, etwas Neues zu wagen. Sollte in den n\u00e4chsten Jahren tats\u00e4chlich ein Umschwung in den Strukturen der Schweizer Jodlerszene stattfinden, so hat sie vor 20 Jahren dazu den ersten Impuls gegeben. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>mm<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Joolerei &#8211; Eine Jodelreise mit Nadja R\u00e4ss. Mit stimmreise.ch, Alderbuebe, Camerata Schweiz,Schweizer Oktett, Hersche-Ch\u00f6rli, Trio Markus Fl\u00fcckiger und andern. Musiques Suisses Neue Volksmusik CD MGB NV-21.<br \/> Wyt Dr\u00fcberuus. Doppelbock mit Christine Lauterburg und Andi Hug. Narrenschiff Nar 2012080. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>21.08.2012 &#8212; Der Schweizer von heute isst K\u00e4se und Schokolade, wandert im nahen Berggebiet und h\u00e4lt die Werte der direkten&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-1101","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1101","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1101"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1101\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1101"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1101"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1101"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}