{"id":1105,"date":"2014-01-13T11:30:08","date_gmt":"2014-01-13T11:30:08","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/wiener-doucet-les-annees-folles\/"},"modified":"2014-01-13T11:30:08","modified_gmt":"2014-01-13T11:30:08","slug":"wiener-doucet-les-annees-folles","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/wiener-doucet-les-annees-folles\/","title":{"rendered":"Wi\u00e9ner &#038; Doucet: Les Ann\u00e9es Folles"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2013\/wiener7413.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>17.04.2013 &#8212; Der Verlobung von Jacques Rouch\u00e9s Tochter ist die Gr\u00fcndung eines der ber\u00fchmtesten Klavierduos zu verdanken. Rouch\u00e9, w\u00e4hrend drei Jahrzehnten profilierter Direktor der Pariser Oper, ein einflussreicher M\u00e4zen und F\u00f6rderer aufstrebender Talente, lud den Pianisten und Komponisten Jean Wi\u00e9ner ein, an der Soir\u00e9e St\u00fccke f\u00fcr zwei Klaviere vorzutragen. Wi\u00e9ners Wahl fiel auf seinen Kollegen Cl\u00e9ment Doucet, und die erste Probe Ende Oktober 1924 legte den Grundstein zu einer fulminanten Karriere. <\/p>\n<p> Zwischen 1925 und 1939 gab das Klavierduo Wi\u00e9ner &amp; Doucet \u00fcber 2000 Konzerte und hielt ihre unnachahmlich brillante Synthese von Chanson, Musical, Hot Dance, Jazz, Operette und Klassik auf einer Vielzahl von Vinylplatten fest. Fast alle diese Studio-Einspielungen (noch ohne Schnitte und Montagen), klanglich sorgf\u00e4ltig aufgefrischt, versammelt die vorliegende EMI-Box auf 4 CDs. <\/p>\n<p> Kaum zu glauben, dass Jean Wi\u00e9ner (1896\u20131982), Pariser mit \u00f6sterreichischen Wurzeln, sich das Klavierspiel weitgehend autodidaktisch aneignete und es zur Perfektion entwickelte. Jedenfalls spielte er vierh\u00e4ndig mit Gabriel Faur\u00e9, arbeitete mit Erik Satie zusammen, studierte mit Darius Milhaud am Conservatoire de Paris, pflegte Umgang mit der Groupe des Six. Den musikalischen Horizont weitete er dank dem Pianisten Yves Nat, der ihn ab 1912 mit Ragtime-Partituren aus den USA bekannt machte. <\/p>\n<p> Bereits Anfang der Zwanzigerjahre begann Wi\u00e9ner, Filmmusik zu komponieren, in sechs Jahrzehnten lagen \u00fcber 300 dieser Partituren vor, darunter die Musik zu \u00abTouchez pas au Grisbi\u00bb mit Jean Gabin (1954). <\/p>\n<p> Der Belgier Cl\u00e9ment Doucet (1895\u20131950) studierte in Br\u00fcssel bei Arthur De Greef, einem Sch\u00fcler Liszts. In Paris arbeitete er beim Orgelbauer Cavaill\u00e9-Coll und begleitete auf dem Piano Stummfilme (w\u00e4hrend er Romane las, wie Augenzeugen beobachteten). Auf seinen USA-Reisen Anfang der Zwanzigerjahre lernte er den Jazz und Modet\u00e4nze kennen. Dann folgte er Wi\u00e9ner auf dem Posten als Hauspianist des Pariser Cabarets \u00abLe B\u0153uf sur le Toit\u00bb und wirkte in der ersten Band von schwarzen Musikern in Paris mit. <\/p>\n<p> Wi\u00e9ner und Doucet assimilierten die neue Musik aus den Vereinigten Staaten mit der selben erstaunlichen Leichtigkeit, mit der sie auf zwei Pleyel-Fl\u00fcgeln duettierten. Die Pr\u00e4zision bis ins Detail, die Delikatesse ihres Anschlags, die klangliche Subtilit\u00e4t und Transparenz, die unverkrampfte Virtuosit\u00e4t, die harmonischen Finessen, der rhythmische Schwung und der spr\u00fchende Witz haben bis heute nichts von ihrer zwingenden Wirkung eingeb\u00fcsst. <\/p>\n<p> Als Klavierduo-Pioniere in Europa machten sie die aktuellen Hits aus der Neuen Welt popul\u00e4r, darunter vieles von Gershwin, einiges aus S\u00fcdamerika, nahmen sich auch franz\u00f6sischen Chansons und M\u00e9lodies an, mischten sie ab und zu mit Ankl\u00e4ngen an die Klassik, alles mit Go\u00fbt, Esprit, Swing und Noblesse aus lockeren Fingern gesch\u00fcttelt. Von unvergleichlichem Reiz und Farbenreichtum ist ihr eleganter Anschlag, der vergessen macht, dass der Fl\u00fcgel mit H\u00e4mmern ausgestattet ist. <\/p>\n<p> Cl\u00e9ment Doucet erweist sich solo als Meister von Paraphrasen \u00fcber Themen von Wagner, Grieg, Chopin und Liszt, Jean Wi\u00e9ner erheitert auf dem Cembalo mit Handys \u00abSaint Louis Blues\u00bb und Porters \u00abLove for Sale\u00bb (1938). Und dem Duo ist eine exemplarisch luzide, kantable und emotional ber\u00fchrende Interpretation von Mozarts Sonate KV 448 zu verdanken (1937). <\/p>\n<p> Wi\u00e9ner und Doucet, solo und gemeinsam, begleiteten ber\u00fchmte Chansonniers und Chansonni\u00e8ren: Maurice Chevalier, Pizella, Jean und Germaine Sablon, Mireille und Yvonne Vall\u00e9. Da das Booklet keine ihrer Texte enth\u00e4lt, entgeht den des Franz\u00f6sischen Unkundigen notgedrungen der literarische Reiz des Gesungenen. <\/p>\n<p> 1942 traten Wi\u00e9ner &amp; Doucet letztmals auf, dann trennten sich ihre Wege. Doucet kehrte ins Cabaret und in Th\u00e9s-Dansants zur\u00fcck, Wi\u00e9ner an den Schreibtisch, komponierte unter anderem viel Musik f\u00fcr Film, Theater und TV, zwei Konzerte f\u00fcr Klavier und Orchester, drei Klaviersonaten und eine Sonate f\u00fcr Cello und Klavier, die mit Rostropowitsch 1968 zur Urauff\u00fchrung kam. <\/p>\n<p> Ein exquisites Erlebnis bieten diese vier CDs, die die Couleurs und auch die Patina der Ann\u00e9es folles, der Jahre zwischen 1920 und 1929, facettenreich zu Glanz und Wirkung bringen. Vieles von der Atmosph\u00e4re jenes Jahrzehnts des Auf- und Ausbruchs klingt in diesen einzigartigen Dokumenten weiter. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Wi\u00e9ner &amp; Doucet: Les Ann\u00e9es Folles. Klavierduo Jean Wi\u00e9ner und Cl\u00e9ment Doucet. \u2013 Gershwin, Kern, Cole Porter, Donaldson, Wi\u00e9ner, Doucet, Bach, Mozart, Satie u.a. Mit Maurice Chevalier, Yvonne Vall\u00e9e, Pizella, Jean Sablon, Mireille, Germaine Sablon. (EMI Classics 50999 725703 2 6; 4 CDs mono, Einspielungen zwischen 1925 und 1938. Illustriertes Booklet, nur frz. Text)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17.04.2013 &#8212; Der Verlobung von Jacques Rouch\u00e9s Tochter ist die Gr\u00fcndung eines der ber\u00fchmtesten Klavierduos zu verdanken. 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