{"id":1119,"date":"2014-01-13T12:25:06","date_gmt":"2014-01-13T12:25:06","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/kontroverse-um-marketing-der-royal-opera\/"},"modified":"2014-01-13T12:25:06","modified_gmt":"2014-01-13T12:25:06","slug":"kontroverse-um-marketing-der-royal-opera","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/kontroverse-um-marketing-der-royal-opera\/","title":{"rendered":"Kontroverse um Marketing der Royal Opera"},"content":{"rendered":"<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"2\"><span class=\"txt-m-black\">Nachricht vom 26.03.2008<\/span><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"2\"><span class=\"txt-m-black\">Das blinde Vertrauen ins Marketing und in Event-Produzenten ist fatal, besonders dann, wenn Operh\u00e4user und Sinfonieorchester keine anderen Ideen mehr hervorzubringen verm\u00f6gen, als branchenfremde Agenturen mit der Nachwuchsf\u00f6rderung zu betreuen. Dann kommt es zu \u00abfolgenschweren\u00bb Fusionen, von Gy\u00f6rgy Ligeti mit den \u00abS\u00f6hnen Mannheims\u00bb und dergleichen. <\/p>\n<p> Es hiesse, die Realit\u00e4t gr\u00fcndlich zu verweigern, wenn man den kontinuierlichen Besucherschwund vor allem in klassischen Konzerten \u00fcbersehen oder leugnen wollte. Dieser ist zwar nicht \u00fcberall so dramatisch, wie er oft hingestellt wird, andererseits aber auch nicht ganz harmlos.<\/p>\n<p> Fest steht aber, dass potentielle Interessenten j\u00fcngeren Alters kaum in grosser Zahl in den Konzerts\u00e4len und, wenn man genau hinsieht, auch nicht in den Opernh\u00e4usern anzutreffen sind. Wiederholt unternimmt man daher Versuche in die eine oder andere Richtung, um den Besucherschwund zu stoppen: Event und Cross-Over heissen die Rezepte und prompt sitzen dann alle im falschen Film, sowohl die Klassikliebhaber als auch die Popfans. Oder man spielt Musik in Scheunen, Helikoptern, auf Bergspitzen und wo vorhanden, in Kohlesch\u00e4chten, man organisiert Musikveranstaltungen mit gastronomischen Beilagen etc.<\/p>\n<p> Es liegt im Wesen des \u00abEvents\u00bb, dass sie \u00abvereinzelte, alleingelassene Ereignisse ohne k\u00fcnstlerische Folgen sind, f\u00fcr Augenblicke hochgerissen und h\u00f6chstens einen potemkinschen Eindruck hinterlassen\u00bb (Wolfgang Rihm). Das vielgepriesene und hochgelobte \u00abunwiederholbare Erlebnis\u00bb ist immer nur jetzt; morgen war es nie gewesen. Denn: Event ist Verbrauch, Absch\u00f6pfung, nicht Wertsch\u00f6pfung.<\/p>\n<p> Es gibt vermutlich keine (\u00e4lteren) Konzertbesucher, die sich nicht \u00fcber junge Gesichter im Publikum freuen w\u00fcrden. Wer aber j\u00fcngere Leute zum Besuch philharmonischer Konzerte verf\u00fchren will, tue es mit legalen und fairen Mitteln, nicht mittels missionarischer Heilsversprechungen. Nicht jede Musik ist mit jeder anderen kompatibel. Es gibt Musik, die, um mit Thomas Mann zu sprechen, aus \u00abeinem Stoff besteht, der durch etwas hindurchgegangen ist\u00bb und solche, die \u00abaus erster, warmer und herzlicher Hand\u00bb lebt.<\/p>\n<p> Verh\u00e4ngnisvoll wird es dann, wenn die anspruchsvolle Musik einfach als eine weitere Wellness-Kategorie auf dem kulturellen Freizeitmarkt angepriesen wird. Der oder die so Verf\u00fchrte f\u00fchlt sich bald einmal auf dem falschen Dampfer und &#8230; ist verstimmt. Die Angelockten kommen sich vor, als m\u00fcssten sie an einer Zwangsf\u00fctterung teilhaben. Wir reden nicht \u00fcber Ausnahmen.<\/p>\n<p> Wichtig und richtig w\u00e4re: der Bed\u00fcrftigkeit (nicht den Bed\u00fcrfnissen) der Menschen Rechnung zu tragen: der Bed\u00fcrftigkeit nach geistiger Teilhabe. Nur daraus erwachsen tiefe Erlebnisse. Kennenlernen f\u00fchrt zum Verstehen und damit zu emotionalen Bindungen, das ist in jeder Beziehung so. Menschen m\u00f6chten mit Kunst dialogisieren. Da reicht es denn nicht, wenn ein smarter Conferencier mit einem Star der E-Musik-Szene \u00fcber die Leichtigkeit des Musizierens schwadroniert.<\/p>\n<p> Und noch etwas: <br \/> Die Zeiten, in denen arrogante und \u00fcbergeschnappte Feuilletonisten in der Adorno-Nachfolge die Liebhaber von Tschaikowsky-Sinfonien kurzerhand als \u00abphilharmonischen P\u00f6bel\u00bb taxierten, sind vorderhand vorbei. Es gilt Sorge zu tragen jener \u00abKundschaft\u00bb, welche jenseits der Events die Konzerts\u00e4le weiterhin und regelm\u00e4ssig besucht. Warum eigentlich die stete Klage, man s\u00e4he kaum Leute unter 50 in den Konzerten oder in der Oper? Ganz abgesehen davon, dass allj\u00e4hrlich eine grosse Zahl neuer 50-J\u00e4hriger nachkommt, man darf sich bei der Gelegenheit an eine kaum widerlegbare Beobachtung des Jung-Regisseurs Stefan Bachmann erinnern:<br \/> \u00abEs sind gerade die 60-bis 100-J\u00e4hrigen, die ich nie mehr denunzieren m\u00f6chte: das ist eine hochspannende Zuschauerschicht, oft mit einer unglaublichen Offenheit und einem sehr, sehr interessanten Umgang mit St\u00fccken. Unsere spiessigen Besucher sind die Jungen, denen man sich \u00fcberall \u00f6ffnen will.\u00bb<\/span><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"2\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"200\">\u00a0<\/td>\n<td><span class=\"txt-m-black\"><strong>Armin Brunner<\/strong><br \/> 8702 Zollikon<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachricht vom 26.03.2008 Das blinde Vertrauen ins Marketing und in Event-Produzenten ist fatal, besonders dann, wenn Operh\u00e4user und Sinfonieorchester keine&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-1119","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-leserbriefe","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1119","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1119"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1119\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1119"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1119"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1119"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}