{"id":1120,"date":"2014-01-13T12:25:44","date_gmt":"2014-01-13T12:25:44","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/wieviel-zynismus-vertraegt-pro-helvetia-2\/"},"modified":"2014-01-13T12:25:44","modified_gmt":"2014-01-13T12:25:44","slug":"wieviel-zynismus-vertraegt-pro-helvetia-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/wieviel-zynismus-vertraegt-pro-helvetia-2\/","title":{"rendered":"Wieviel Zynismus vertr\u00e4gt Pro Helvetia?"},"content":{"rendered":"<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"2\"><span class=\"txt-m-black\">Entgegnung zum Editorial vom 25.04.2008<\/span><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"2\"><span class=\"txt-m-black\">Wolfgang B\u00f6hler bem\u00fcht sich in seinem Editorial vom 25.4.08 mit erstaunlicher Hartn\u00e4ckigkeit, das in meinem Beitrag im Tagi (23.4.08) zu lesen, was dort nicht steht.<\/p>\n<p> Zum Beispiel steht dort nicht, dass in den F\u00f6rderkommissionen Willk\u00fcr herrsche, oder dass Pro Helvetia aus Opportunismus den Mainstream f\u00f6rdere. Der Kern meiner Argumentation in \u00abBesch\u00e4ftigt und befangen\u00bb dreht sich darum, dass ein nach aktuellem Muster demokratisch verfasstes System wenig M\u00f6glichkeiten bietet, zu eindeutigen und &#8211; ganz im B\u00f6hlerschen Sinne &#8211; radikalen Positionen zu kommen. Da kann man noch so profilierte Pers\u00f6nlichkeiten in die Kommissionen stecken, es resultiert eine Kompromisspolitik nach Art der Giesskanne und eines wie immer gearteten Mainstreams. Oder dann eine Einseitigkeit, die erst recht den Vorwurf von Willk\u00fcr verdiente.<\/p>\n<p> M\u00f6glich, dass die Giesskanne Zeitgeist ist, aber nicht \u00e4sthetischer, sondern politischer: einer m\u00f6glichst grossen Zahl Kulturschaffender das Gef\u00fchl der Zugeh\u00f6rigkeit zu geben. Also m\u00f6glichst geringe Selektion. Das ist die innere Dynamik des Systems, sie gilt nicht nur f\u00fcr Pro Helvetia, wie mein Text Pro Helvetia nur als Beispiel anf\u00fchrt. Auch bei Pro Helvetia dreht niemand einfach den Daumen nach oben oder unten und entscheidet aus purer Laune; im Gegenteil, die Vermeidung von Willk\u00fcr f\u00fchrt dazu, dass der Kuchen auf immer mehr verteilt werden muss und zuletzt f\u00fcr \u00fcberhaupt niemanden mehr eine annehmbare materielle Grundlage schaffen kann.<\/p>\n<p> Ebenso steht in meinem Text nicht, dass smarte Experten \u00fcber F\u00f6rdergelder entscheiden. Die smarten Experten sind jene, welche den Platz der Intellektuellen (die Debatte wurde angestossen durch die Frage, wo die Frischs und D\u00fcrrenmatts von heute bleiben?) in der \u00f6ffentlichen Diskussion einnehmen. Und da sind die k\u00fcnstlerischen Intellektuellen unbestreitbar nicht mehr pr\u00e4sent, daf\u00fcr allerhand Gesellschaftsforscher und Soziologen und Finanztechniker.<\/p>\n<p> Wolfgang B\u00f6hler preist jene, die sich nicht von F\u00f6rderern aushalten lassen und die deshalb auch nicht verstummen m\u00fcssten. Sch\u00f6n gesagt, aber wohl zu romantisch. Ich jedenfalls kenne jene K\u00fcnstler nicht, welche sich ausserhalb des F\u00f6rdersystems bewegen und ihre Unabh\u00e4ngigkeit zu pointierten Stellungnahmen nutzen. Ich kenne nur jene ungez\u00e4hlten Zuschriften, in denen sie darlegen, wie schwer, fast unm\u00f6glich es geworden ist, die materielle Grundlage f\u00fcr die eigene Arbeit sicher zu stellen. Und ich weiss, wie viel Kritik an Pro Helvetia hinter vorgehaltener Hand ge\u00fcbt wird, ohne dass ein potentieller Gesuchsteller es wagt, sie deutlich zu \u00e4ussern. Er k\u00f6nnte sich das Wohlwollen der F\u00f6rderer verspielen&#8230;<\/p>\n<p> Aber offenbar gibt es (neben den Finanzen) einen Punkt, in welchem Wolfgang B\u00f6hler von derselben Sorge umgetrieben wird wie ich: dem Mangel an \u00f6ffentlicher Auseinandersetzung rund um die Kulturf\u00f6rderung. Statt die Kunst und die K\u00fcnstler selbst in den Fokus der Auseinandersetzung zu r\u00fccken, verlegt B\u00f6hler sie dahin, wo die Kulturf\u00f6rderer ausgew\u00e4hlt werden. Deren Profil deckt sich ja erstaunlicherweise mit dem von mir gew\u00fcnschten. Doch die Besetzung einer Kommission hat noch nie tagespolitische Wellen geschlagen, weil hier derselbe helvetische Meccano zum Tragen k\u00e4me: die Zauberformel, wonach sich profilierte Menschen in Schach halten. Das ist genau das Wesen einer Kommission.<\/p>\n<p> Wellen werfen hingegen die Wahlen von Intendanten f\u00fcr Kulturh\u00e4user. Hier erwartet man Profil, eine erkennbare Vision. Wieso soll die Kulturf\u00f6rderung nicht auch mit solchen Modellen arbeiten: Kenner einer Szene, welche aufgrund einer Vision gew\u00e4hlt werden und dann f\u00fcr begrenzte Zeit ein Mandat erhalten, eben diese Szene zu f\u00f6rdern? Das d\u00fcnkte mich transparent, koh\u00e4rent, nachvollziehbar und realistisch.<\/p>\n<p> Der Ruf nach mehr Kontrolle impliziert mehr b\u00fcrokratischen \u00dcberbau, ob gewollt oder nicht. Mehr Auseinandersetzung resultiert daraus nicht. Und Kulturf\u00f6rderung zu einer Wissenschaft machen hiesse gerade, smarte Experten an die Stelle von Pers\u00f6nlichkeiten zu setzen! <\/span><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"2\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"200\">\u00a0<\/td>\n<td><span class=\"txt-m-black\"><strong>Pius Kn\u00fcsel<\/strong><br \/> Direktor von Pro Helvetia<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entgegnung zum Editorial vom 25.04.2008 Wolfgang B\u00f6hler bem\u00fcht sich in seinem Editorial vom 25.4.08 mit erstaunlicher Hartn\u00e4ckigkeit, das in meinem&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-1120","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-leserbriefe","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1120","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1120"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1120\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1120"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1120"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1120"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}