{"id":1126,"date":"2014-01-13T12:27:56","date_gmt":"2014-01-13T12:27:56","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/martha-argerich-reduziert-ihre-konzerttaetigkeit\/"},"modified":"2014-01-13T12:27:56","modified_gmt":"2014-01-13T12:27:56","slug":"martha-argerich-reduziert-ihre-konzerttaetigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/13\/martha-argerich-reduziert-ihre-konzerttaetigkeit\/","title":{"rendered":"Martha Argerich reduziert ihre Konzertt\u00e4tigkeit"},"content":{"rendered":"<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"2\"><span class=\"txt-m-black\"><a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/nachrichten_ind2.php?art=8296\">Nachricht<\/a> vom 12.07.2011 <\/span><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"2\"><span class=\"txt-m-black\">Sie erinnern sich sicher an die ber\u00fchmten Zeilen von Mark Twain an den Verleger: \u00abDas Gemunkel \u00fcber meinen Tod ist stark \u00fcbertrieben.\u00bb<\/p>\n<p> Ich w\u00fcrde auch den gro\u00dfen Slava Rostropovich zitieren, der genau wusste, dass die einzige Rechtfertigung f\u00fcr eine Auslandsreise mit der Gattin zu Sowjet-Zeiten ein \u00abinstabiler Gesundheitszustand\u00bb sein k\u00f6nnte. Anstatt diese Karte auszuspielen, verwendete er jedoch die folgende Formulierung, um ein Ausreise-Visum f\u00fcr seine Frau zu bekommen: \u00abLiebe Kameraden, da ich mich sehr wohl f\u00fchle und keinerlei gesundheitliche Probleme habe, frage ich Sie um Erlaubnis, dass mich meine Gattin, die S\u00e4ngerin Galina Vishnevskaya, auf meiner n\u00e4chsten Konzertreise begleiten darf.\u00bb <\/p>\n<p> Nachdem Ihre Website eine fragw\u00fcrdige Aussage des Verbier Festivals ver\u00f6ffentlicht hat, dass meine Absage aus \u00abgesundheitlichen Gr\u00fcnden\u00bb erfolgt sei, habe ich zahlreiche e-Mails von bekannten und unbekannten Freunden erhalten, die sich alle um mein Wohlergehen sorgen.<\/p>\n<p> Meine heutige Absicht ist, Ihre Website zu nutzen, um alle Interessenten davon zu \u00fcberzeugen, dass es mir sehr gut geht. \u00abM\u00fcde\u00bb sein hei\u00dft, nicht wirklich krank sein. Es hei\u00dft eigentlich das genaue Gegenteil: M\u00fcdigkeit kann als Erweiterung eines gesunden Zustands betrachtet werden. Deshalb muss ich leider jenen widersprechen, die versuchen, mich krank aussehen zu lassen. <\/p>\n<p> Liebe Freunde und Musikliebhaber, <br \/> mir geht es immer noch sehr gut. Mehr noch \u2013 ich hoffe, dass ich noch eine ganze Weile unter Euch weilen werde. Es tut mir leid, wenn diese Behauptung wie eine Provokation aussieht. Es gibt viele K\u00fcnstler, die sich \u00abgut verhalten\u00bb, die den ihnen auferlegten \u00abSpielregeln\u00bb folgen, um \u00aberfolgreich\u00bb zu sein. Manche dieser K\u00fcnstler sind (f\u00fcr mich) offensichtlich Opfer unserer heutigen Musikindustrie. <\/p>\n<p> Als Musiker mit einem bestimmten Bekanntheitsgrad verzichte ich auf die Teilnahme beim Verbier Festival. In letzter Zeit bin ich etwas befremdet (und verliere daher ein wenig Sympathie) von einigen K\u00fcnstlern, die der Versuchung nicht widerstehen k\u00f6nnen ihr Talent f\u00fcr eine \u00absymbolische\u00bb Anerkennung im Himmel der \u00abStars\u00bb einzutauschen. <\/p>\n<p> Ich selber will mich jedenfalls vom Hype um die \u00abereignisreichen Zusammenk\u00fcnfte\u00bb distanzieren. Mein Ziel war und ist seit Jahrzehnten, der Musik und den Komponisten zu dienen. Organisatoren, Managern und der Masse zu gefallen ist eine andere Angelegenheit. <\/p>\n<p> Mein Brief an die angesehenen Organisatoren des Verbier Festivals sagt all dies deutlicher. Ich m\u00f6chte mit dem heutigem Brief an sie nur noch einmal auf die wahre \u00abKrankheit\u00bb, die sich stark verbreitet (und dabei nicht immer \u00absichtbar\u00bb ist) aufmerksam machen. <\/p>\n<p> Wir m\u00fcssen alle auf die Gefahr achten, die junge Talente heutzutage umgibt. Sie werden zu schnell Opfer der Werbung und des Erfolgs, vor allem wenn letzterer sich all zu schnell einstellt. Es gibt eine gewisse Tendenz, nach brillanten Instrumentalisten Ausschau zu halten, und in ihnen \u00abPers\u00f6nlichkeiten\u00bb (die sie h\u00e4ufig nicht sind) zu sehen. <\/p>\n<p> Warum? <\/p>\n<p> Weil viele von ihnen f\u00e4hig sind, schwierige Partituren mit Leichtigkeit zu bew\u00e4ltigen, aber dabei wenig \u00abzu sagen\u00bb haben. Gott sei Dank, gibt es auch diejenigen, die in die Tiefen des Musizierens vordringen. Um ein wirklicher K\u00fcnstler zu werden, um sein Talent zu pflegen und seinen eigenen Weg im Leben und der Musik zu finden, braucht es ZEIT und M\u00dcHE.<\/p>\n<p> Scheinbar stehen der Musikmarkt und seine \u00abRegeln\u00bb der schnellen F\u00f6rderung dieses kreativen Wachstums im Wege. Deshalb werden viele junge K\u00fcnstler Opfer eines Erfolgs, der ein wahres Hindernis f\u00fcr sie wird, sich selbst zu entdecken. <\/p>\n<p> All jene, f\u00fcr die Musik mehr ist als nur ein Mittel der Selbstdarstellung oder Unterhaltung sollten an ihre tiefe Bedeutung erinnert werden. Die g\u00f6tzenbildhafte Verehrung und Suche von Namen sollte uns nicht blind oder taub machen &#8211; die Musikgeschichte (unterst\u00fctzt durch viele Tonaufnahmen) sollte uns daran erinnern, was wahre Edelsteine sind und uns deshalb nicht erlauben, k\u00fcnstliche Imitationen zu akzeptieren. <\/p>\n<p> Um es mit den Worten von Friedrich Nietzsche zu sagen: \u00abEin Leben ohne Musik w\u00e4re ein Missverst\u00e4ndnis\u00bb. Keine Zweifel \u2013 der gro\u00dfe Denker sprach vor allem von der erf\u00fcllenden Musik und nicht von dem heutigem Himmel, der mit vielen \u00abrising stars\u00bb gef\u00fcllt ist und einen Schwerpunkt auf Unterhaltung und Ovationen, die leider zum Teil unserer Kultur geworden sind. Da ich zu dieser Schlussfolgerung gekommen bin, erlaube ich mir, mich st\u00e4rker und ges\u00fcnder zu f\u00fchlen&#8230; <\/p>\n<p> Ich erwarte nicht, dass mein Standpunkt von allen begr\u00fc\u00dft wird, bin aber sicher, dass seine Hauptaussage nicht in Beziehung steht mit den \u00abgesundheitlichen Gr\u00fcnden\u00bb, die das Verbier Festival als Entschuldigung vorbrachte, als es meine Absage bekannt gab. <\/p>\n<p> Nichtsdestotrotz w\u00fcnsche ich allen G\u00e4sten und Musikern dieses Festivals, dass sie die Auff\u00fchrungen diesen Sommer genie\u00dfen, die zweifelsohne wie immer \u00abgro\u00dfartig\u00bb und bejubelt sein werden. <\/p>\n<p> Es tut mir leid, dass ich mit einigen meiner besten Freunde im Juli nicht auf die B\u00fchne gehen werde. Mit dem gestrigen Abschluss der Lockenhaus Kammermusikfestspiele, die ich heuer zum drei\u00dfigsten und letzten mal als K\u00fcnstlerischer Leiter durchf\u00fchrte, hatte ich aber die M\u00f6glichkeit mich wieder zu \u00fcberzeugen &#8211; und das unter den K\u00fcnstlern wie dem Publikum &#8211; wie viele Menschen die wahre Musik als eine Energiequelle empfinden, die uns alle (weit entfernt vom \u00abStar-Rummel\u00bb) beschenkt.<\/p>\n<p> Diese Musik, die wir alle lieben &#8211; und nicht die \u00abEvent-Kultur\u00bb &#8211; wird auch in Zukunft seinen Wert behalten und uns die notwendige St\u00fctze im Leben sein. <\/span><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"2\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"200\">\u00a0<\/td>\n<td><span class=\"txt-m-black\"><strong>Gidon Kremer<\/strong><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachricht vom 12.07.2011 Sie erinnern sich sicher an die ber\u00fchmten Zeilen von Mark Twain an den Verleger: \u00abDas Gemunkel \u00fcber&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-1126","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-leserbriefe","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1126","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1126"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1126\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1126"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1126"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1126"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}