{"id":115,"date":"2014-01-09T13:15:48","date_gmt":"2014-01-09T13:15:48","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/orchestermusik-aus-dem-aargau\/"},"modified":"2014-01-09T13:15:48","modified_gmt":"2014-01-09T13:15:48","slug":"orchestermusik-aus-dem-aargau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/orchestermusik-aus-dem-aargau\/","title":{"rendered":"Orchestermusik aus dem Aargau"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2012\/121124aso.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>23.11.2012 &#8212;<\/em> Man kann in den ruralen Motiven in der Schweizer Kunstmusik der Sp\u00e4tromantik und des 20. Jahrhunderts Schw\u00e4rmerei f\u00fcrs naturverbundene einfache Leben und nationalistische Nebenkl\u00e4nge h\u00f6ren. Das Nationalistische tritt allerdings etwas in den Hintergrund, wenn man bedenkt, dass die Verarbeitung von Schweizer Volksliedgut und -ambiente seinen Ausgang bei Gr\u00f6ssen wie Brahms und Liszt nimmt. Sp\u00e4ter entsteht eine nach wie vor untersch\u00e4tzte lokale Tradition, die sich \u00fcber Hans Huber, Hermann Suter, Othmar Schoeck, Arthur Honegger und viele andere bis zu Emigranten wie Strawinsky und Bartok fortsetzt. <\/p>\n<p> Faszinierend daran ist die Authentizit\u00e4t des Volksverbundenen. Es zeigt sich auch daran, dass Tonsch\u00f6pfer wie Richard Flury, Stephan J\u00e4ggi oder Casimir Meister in Solothurn, Othmar Schoeck in Z\u00fcrich oder Hermann Suter im Aargau auch hochklassige Werke f\u00fcr Laien \u2013 in erster Linie Laiench\u00f6re \u2013 geschrieben haben. Von Suter etwa stammt ein M\u00e4nnerchor-Satz des \u00e4ltesten Kuhreihens der Schweiz, \u00abEs isch kei s\u00f6lige Stamme\u00bb, den er auch zum Auftakt des vierten Satzes seiner Sinfonie d-Moll op. 17 zitiert. <\/p>\n<p> Die R\u00fcckgriffe auf Volkskultur sind in dieser Epoche der Schweizer Kunstmusik mehr als aufkl\u00e4rerische Schw\u00e4rmerei, sie sind Ausdruck der sich formierenden direkten Demokratie und des Misstrauens gegen\u00fcber elit\u00e4rer Pr\u00e4tention und damit auch \u00e4sthetisches Bekenntnis. \u00c4ussern tut sich dies auch in einer kernigen Art des Humors, etwa wenn Suter seinen b\u00e4rnd\u00fctschen Lieblingsspruch \u00abMir wei se de einisch ga reiche\u00bb als Posaunenmotiv in die Sinfonie hineinschneidet. <\/p>\n<p> Die Sinfonie ist mehr schmissige Tondichtung als abstrakte Auseinandersetzung mit einer Form, gut geerdet, sehr effektvoll und dennoch von hohem musikalischem Geschmack. Das gilt nicht minder f\u00fcr die \u00abChilbizite\u00bb von Suters Sch\u00fcler Werner Wehrli, eine \u00abLustige Ouvert\u00fcre\u00bb, die von Ernst Ansermet auch in der Welschschweiz in die Konzerts\u00e4le gebracht worden ist, hier aber erstmals auf CD eingespielt vorliegt. <\/p>\n<p> Die CD leistet sich das Aargauer Symphonie Orchester (ASO) anl\u00e4sslich seines 50-Jahre-Jubil\u00e4ums. Staat und Private haben dem Ensemble dabei kr\u00e4ftig unter die Arme gegriffen. Die Mitglieder des Klangk\u00f6rpers werden n\u00e4mlich pro Einsatz entl\u00f6hnt, was die Kosten f\u00fcr ein derartiges Unternehmen nicht gerade senkt. <\/p>\n<p> Eine bessere Visitenkarte h\u00e4tte der \u00abKulturkanton\u00bb nicht abgeben k\u00f6nnen. Da wird auf sehr hohem Niveau und lustvoll-musikantisch gefeiert. Britischen Dirigenten sagt man nach, dass sie weitaus weniger Ber\u00fchrungs\u00e4ngste mit popul\u00e4rer Orchestermusik haben als ihre kontinentalen Kollegen. Es mag sein, dass mit dem ASO-Chefdirigenten Douglas Bostock da auch deshalb der richtige Mann den Stab f\u00fchrt. Einer, der diese Art von Musik so ernst nimmt, wie sie es verdient. Auf die musikalische Substanz vertrauend, schafft er ein klar konturiertes, pr\u00e4zises und hochenergetisches Klangbild. <\/p>\n<p> Am 28. April 2013 feiert das ASO seinen runden Geburtstag mit einem Jubil\u00e4umskonzert, in dem nur Werke Aargauer Komponisten erklingen: solche von Walter Geiser, Peter Mieg, Heinrich Sutermeister, Janos Tamas, Ernst Widmer sowie vom derzeitigen Composer-in-residence Dieter Ammann. Auch da wird es Entdeckungen zu machen geben. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <em><span class=\"txt-s-black\" style=\"font-size: x-small;\">Hermann Suter: Sinfonie d-Moll op. 17, Werner Wehrli: Chilbizite. Aargauer Symphonie Orchester, Douglas Bostock (Leitung). Musiques Suisses, MGB CD 6274. <\/span><\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>23.11.2012 &#8212; Man kann in den ruralen Motiven in der Schweizer Kunstmusik der Sp\u00e4tromantik und des 20. 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