{"id":116,"date":"2014-01-09T13:16:59","date_gmt":"2014-01-09T13:16:59","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/eine-imaginaere-bach-kantate-en-francais\/"},"modified":"2014-01-09T13:16:59","modified_gmt":"2014-01-09T13:16:59","slug":"eine-imaginaere-bach-kantate-en-francais","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/eine-imaginaere-bach-kantate-en-francais\/","title":{"rendered":"Eine imagin\u00e4re Bach-Kantate en fran\u00e7ais"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2012\/121112stutzmann.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>09.11.2012 &#8212;<\/em> Rezensenten m\u00f6gen CD mit Ecken und Kanten, weil\u2019s dazu etwas zu sagen gibt. Und zur j\u00fcngsten Produktion der franz\u00f6sischen Dirigentin und Kontra-Altistin Nathalie Stutzmann gibt\u2019s einiges zu sagen. Die Produktion ist n\u00e4mlich in mehrfacher Hinsicht ungew\u00f6hnlich: Zum einen amtet da eine S\u00e4ngerin gleich auch noch als Dirigentin. Das ist man sich sonst eher von Pianisten oder Geigerinnen gewohnt. Zum andern wird eine virtuelle Bach-Kantate \u2013 nat\u00fcrlich zugeschnitten auf die Bed\u00fcrfnisse einer tiefen Frauenstimme \u2013 pr\u00e4sentiert. <\/p>\n<p> Man kann das als moderne Form des barocken \u00abParodie\u00bb- oder Pasticcio-Verfahrens betrachten: S\u00e4tze aus andern Kantaten, der Matth\u00e4us-Passion und dem Notenb\u00fcchlein f\u00fcr Anna Magdalena Bach werden zu einem Zyklus mit Kantatencharakter zusammengebunden. <\/p>\n<p> Nicht nur das Was ist aber erw\u00e4hnenswert, auch das Wie ist es: Schon die ersten Nummern zeigen, dass da kein Klangbild zelebriert wird, das dem G\u00e4ngigen verpflichtet ist. Es wird einerseits beinahe hektisch und klanglich kalorienreich musiziert, aber auch mit einem eigenen, sinnlich-schweren akustischen Parf\u00fcm, das aufhorchen l\u00e4sst. Das Metzer Orchester \u2013 rund 50 Mitwirkende \u2013 wirkt dunkel und teilweise opak. <\/p>\n<p> Damit reproduziert es erkl\u00e4rterweise den schweren, von der Tiefe her bestimmenden Klang zentraldeutschen, namentlich in T\u00fcbingen gepflegten Musizierens, der sich auch im Orgelbau niedergeschlagen hat. Er verfolgt, schreibt der Musikwissenschaftler Gilles Cantagrel im Booklet, ein Ideal der \u00abGravit\u00e4t\u00bb, im Gegensatz zum grellbunten norddeutschen Klang. <\/p>\n<p> Auch die Stimme ist in der Tiefe angesiedelt. Stutzmanns sinnliches Timbre irritiert (in positiver Weise) im Kontext einer Bach-Kantate etwas, weil es die \u00fcblichen Verh\u00e4ltnisse auf den Kopf stellt: In der Regel werden in Bachs sakralen Werken die erotischen Nebenkl\u00e4nge dadurch getilgt, dass unschuldige Knaben die hohen Partien singen, der \u00abCantate imaginaire\u00bb verleiht die tiefe Stimme der Kontra-Altistin einen beinahe lasziven Charakter, selbst in rein spirituell-kontemplativen Partien. <\/p>\n<p> Opus 55, das Orchester \u2013 eine Sch\u00f6pfung Stutzmannns \u2013 ist noch sehr jung. Es ist 2009 ins Leben gerufen worden, als typisches Projektensemble mit wechselnden Besetzungen. Es wird sich keinswegs auf barocke Musik beschr\u00e4nken, sondern 2014 auch Werke Tschaikowskys und Sch\u00f6nbergs spielen. Vorerst aber reiht es sich ein in eine Galerie von K\u00fcnstlerensembles vom Schlage von John Eliot Gardiners Orchestre Revolutionnaire et Romantique, \u00fcber die ihre Gr\u00fcnder umfassend Kontrolle haben. Das gibt Profil und belebt das Musikleben. <em>(wb)<\/em> <\/p>\n<p> <span style=\"font-size: x-small;\"><em><span class=\"txt-s-black\">Bach: Une Cantate imaginaire. Nathalie Stutzmann (Kontra-Alt und Leitung), Orfeo 55. Deutsche Grammophon\/Universal, Best.-Nr. 481 0062<\/span> <\/em><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>09.11.2012 &#8212; Rezensenten m\u00f6gen CD mit Ecken und Kanten, weil\u2019s dazu etwas zu sagen gibt. 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