{"id":119,"date":"2014-01-09T13:19:33","date_gmt":"2014-01-09T13:19:33","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/pollini-spielt-chopin-preludes-erneut-ein\/"},"modified":"2014-01-09T13:19:33","modified_gmt":"2014-01-09T13:19:33","slug":"pollini-spielt-chopin-preludes-erneut-ein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/pollini-spielt-chopin-preludes-erneut-ein\/","title":{"rendered":"Pollini spielt Chopin-Pr\u00e9ludes erneut ein"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2012\/120928pollini.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>28.09.2012 &#8212;<\/em> Wenn Maurizio Pollini Chopins 24 Pr\u00e9ludes op.28 neu einspielt, dann weckt das zwangsl\u00e4ufig hohes Interesse. Pollini gilt als einer der ganz, ganz grossen Chopin-Interpreten \u2013 als solcher hat er die Weltb\u00fchne der europ\u00e4ischen Kunstmusik (nach dem Gewinn des Warschauer Chopin-Wettbewerbs) erst richtig betreten. Der italienische Grand Seigneur des Klaviers ist aber auch ein unerm\u00fcdlich der Neuen Musik nachsp\u00fcrender Interpret. Chopins zerkl\u00fcfteter Steinbruch an Form- und Ausdrucksexperimenten wirkt auch heute noch zum Teil so k\u00fchn und kompromisslos, dass ihn bislang noch kein Moos und Gestr\u00fcpp verwelkenden Zeitgeistes zu \u00fcberwuchern vermochte. Da muss einer schon wissen, wie man mit Modernit\u00e4t umgeht. <\/p>\n<p> Den Zyklus op. 28 hat Pollini bereits 1985 einmal eingespielt und schon damals in seinem charakteristischen Stil, der analytische Pr\u00e4zision, hohe Sch\u00e4rfentiefe, Virtuosit\u00e4t, Kraft und herbe Noblesse vereint. Auch die erneute Einspielung \u2013 realisiert im Mai und Juni 2011 im mittlerweile als Aufnahmeort legend\u00e4ren M\u00fcnchner Herkulessaal \u2013 pr\u00e4sentiert den k\u00fchnen Klangkosmos eher als kr\u00e4ftiges \u00d6lgem\u00e4lde, denn als Aquarell, als das man ihn, zeitgen\u00f6ssischen Zeugnissen \u00fcber Chopins Klavierspiel folgend, auch lesen k\u00f6nnte. <\/p>\n<p> Die Modernit\u00e4t, die Chopins op. 28 heute noch charakterisiert, mag neben den K\u00fchnheiten in Textur und Harmonik dem Aufbrechen der Fragmentierung der Form geschuldet sein. Das mutet wie eine Dekonstruktion oder Verfremdung der Gattung an, es tr\u00e4gt also die Z\u00fcge typisch jetztzeitiger Kompositionsstrategien. Bei seinen Zeitgenossen hingegen, darunter Schumann und Liszt (ausgerechnet!), hat gerade dies Ratlosigkeit oder Ablehnung provoziert. <\/p>\n<p> Um was ging es Chopin zu seiner Zeit aber wirklich mit dem sperrigen Zyklus? M\u00f6glich, dass der polnisch-franz\u00f6sische Tonsch\u00f6pfer, der die Pr\u00e4ludien in einem lexikalischen Tonartenschema anordnete, die Form von Bachs Wohltemperiertem Klavier mit dem vorw\u00e4rtsst\u00fcrmenden Geist k\u00fcnftiger Gr\u00fcnderzeit f\u00fcllen wollte. M\u00f6glich, dass er f\u00fcr sich selber ein Kompendium zukunftsweisender Tonsatzm\u00f6glichkeiten anlegen wollte \u2013 in einem Moment seines Lebens, in dem er um \u00f6ffentliche Anerkennung nicht mehr zu buhlen brauchte. Aber das alles sind nat\u00fcrlich Spekulationen. <\/p>\n<p> Pollini kombiniert die Pr\u00e9ludes mit Werken, die ebenfalls den experimentierenden Geist und die \u00e4sthetischen Aufbr\u00fcche des Komponisten dokumentieren, die beiden Nocturnes op. 27, die vier Mazurken op. 30 und das Scherzo Nr. 2 in b-Moll op. 31. <\/p>\n<p> Ein vielsagende Irritation l\u00f6st der (sehr informative) Text des italienischen Musikwissenschaftlers Paolo Petazzis zu den Chopin-Werken im Booklet der CD aus. Er ist \u00fcbertitelt mit \u00abMaurizio Pollini und Chopin\u00bb. Von Pollini ist allerdings \u00fcberhaupt nicht die Rede, nicht einmal in einem Nebensatz. Wo also weht er hier, der Geist des interpretierenden Vermittlers? Die auffallende Abwesenheit weckt denn auch die Grundsatzfage: Wieviel Pollini steckt in diesen Chopin-Auslegungen nun wirklich? <\/p>\n<p> Gute Frage. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <em><span class=\"txt-s-black\"><span style=\"font-size: x-small;\">Maurizio Pollini: Chopin 24 P\u00e9ludes Nocturnes Mazurkas Scherzo. Deutsche Grammophon\/Universal, Best.-Nr. 477 9530.<\/span> <\/span><\/em><br \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>28.09.2012 &#8212; Wenn Maurizio Pollini Chopins 24 Pr\u00e9ludes op.28 neu einspielt, dann weckt das zwangsl\u00e4ufig hohes Interesse. 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