{"id":120,"date":"2014-01-09T13:20:26","date_gmt":"2014-01-09T13:20:26","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/gould-und-schwarzkopf-im-studio\/"},"modified":"2014-01-09T13:20:26","modified_gmt":"2014-01-09T13:20:26","slug":"gould-und-schwarzkopf-im-studio","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/gould-und-schwarzkopf-im-studio\/","title":{"rendered":"Gould und Schwarzkopf im Studio"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2012\/120914gould.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>14.09.2012 &#8212;<\/em> Ein Herz und eine Seele waren sie ja nun weiss Gott nicht. Glenn Gould, der menschenscheue Perfektionist am Klavier und Elisabeth Schwarzkopf, die nicht minder perfektionistische Jahrhunderts\u00e4ngerin. Die \u00e4sthetischen Werte unterschieden sich. Wobei in dieser Hinsicht eher von den Unterschieden zwischen Gould und Walter Legge die Rede sein sollte, hatte da doch letztlich Schwarzkopfs Ehemann (ihr \u00abk\u00fcnstlerisches Gewissen\u00bb) das letzte Wort. Auch die Auffassungen dar\u00fcber, wie im Studio gearbeitet werden sollte, waren unvereinbar (wie sich zeigen sollte). In einem aber trafen sich Tastenmann und Sopranistin: In der Liebe zum Werk von Richard Strauss. <\/p>\n<p> Es kam im Januar 1966 zu einem legend\u00e4ren Treffen der beiden in einem New Yorker Studio. Geplant waren vier Sitzungen zum Einspielen von Strauss-Liedern. Nach zwei Sitzungen war Schluss. Elisabeth Schwarzkopf konnte nicht mehr. Der Raum war (um Gould entgegenzukommen) v\u00f6llig \u00fcberheizt \u2013 Gift f\u00fcr die S\u00e4ngerin; Gould war \u00fcberdies der \u00dcberzeugung, Strauss habe die Musik nur skizziert, und es sei nun an ihm, das zu spielen, was der Komponist wirklich gemeint habe. Das wiederum stellte sich bei jedem Neuversuch als etwas komplett anderes heraus. <\/p>\n<p> Schwarzkopf und Legge wollten die Aufnahmen auch immer mal wieder abh\u00f6ren, Gould experimentierte einfach unabl\u00e4ssig weiter auf dem Klavier. Der S\u00e4ngerin war der Notentext mit seinen interpretatorischen Anweisungen heilig, Gould seine private Inspiration&#8230; Der Kanadier betrachtete die S\u00e4ngerin nach dem Zeugnis der Anwesenden bloss als Assistentin, die ihm bei seinen Interpretationen sekundierte, Frau Schwarzkopf wiederum glaubte, einfach einen herausragenden Begleiter neben sich zu haben. <\/p>\n<p> Dass es \u00fcberhaupt zu dem legend\u00e4ren Treffen kam, war nicht selbstverst\u00e4ndlich. Legge war die Verk\u00f6rperung der britischen EMI, Gould Columbia-K\u00fcnstler, was nicht unkomplizierte Verhandlungen n\u00f6tig machte. Am Rande eines Auftrittes Schwarzkopfs in New York (in Mozarts \u00abDon Giovanni\u00bb) war es dann aber so weit. Als Produzent amtete offiziell der legend\u00e4re Columbia-Mann Paul Myers. <\/p>\n<p> Bei allen Differenzen waren die beiden so herausragend agierende K\u00fcnstler, dass so oder so atemraubende Einspielungen entstanden. Drei der Lieder (\u00abOphelia-Lieder\u00bb op. 67) wurden 14 Jahre sp\u00e4ter auf einem Jubil\u00e4ums-Album Goulds erstmals ver\u00f6ffentlicht. Sie finden sich hier wieder. Weitere drei (\u00abWer lieben will muss leiden\u00bb op. 49 Nr.7, \u00abMorgen\u00bb op. 27 Nr.4, \u00abWinterweihe\u00bb op. 48 Nr. 4) macht Sony nun als Erstver\u00f6ffentlichung verf\u00fcgbar \u2013 zusammen mit der Einspielung der \u00abBurleske\u00bb durch Gould und das Toronto Symphony Orchestra. <\/p>\n<p> Auf einer zweiten CD findet sich ein vom WDR 3 exzellent produziertes Dokumdrama zu den Studiosessions, das einen lebhaften Eindruck der Ereignisse gibt. Das H\u00f6rspiel mit Dokumentaraufnahmen orientiert sich auch formal an Goulds \u00c4sthetik, n\u00e4mlich an seinen allgemeinen Ideen zu einem \u00abkontrapunktischen Radio\u00bb, wie er sie in seinen eigenen Radio-Arbeiten f\u00fcr CBC umgesetzt hat. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p><em><span class=\"txt-s-black\" style=\"font-size: x-small;\"> Glenn Gould. Die Schwarzkopf-B\u00e4nder. Sony Classical Doppel-CD, Best.-Nr. 88725462362. <\/span><\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>14.09.2012 &#8212; Ein Herz und eine Seele waren sie ja nun weiss Gott nicht. 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