{"id":1244,"date":"2014-02-23T09:31:35","date_gmt":"2014-02-23T09:31:35","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/02\/23\/ein-folgerecht-auch-fuer-die-schweiz\/"},"modified":"2014-02-23T09:31:35","modified_gmt":"2014-02-23T09:31:35","slug":"ein-folgerecht-auch-fuer-die-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/02\/23\/ein-folgerecht-auch-fuer-die-schweiz\/","title":{"rendered":"Ein Folgerecht auch f\u00fcr die Schweiz"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><em><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">von<\/span> <\/em><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><em>Wolfgang B\u00f6hler<\/em><br \/><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span id=\"system-readmore\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/kolumnewb.jpg\" border=\"0\" style=\"float: left; margin: 4px;\" \/>21.02.2014 &#8212; K\u00fcnstler betonen gerne, dass Kunst keine Ware sei, erweisen sich aber manchmal auch als gewiefte Gesch\u00e4ftsleute, wenn\u2019s darum geht, ihre Produkte in klingende M\u00fcnze umzusetzen. Das trifft einen Kernkonflikt des Kulturlebens, in dem ideelle und interesselose Auseinandersetzung mit der eigenen Welterfahrung eine schwer durchschaubare Verbindung mit Marktmechanismen und (legitimen) materiellen Interessen eingeht. In der Musik sind die beiden auf schillernde Art verkn\u00fcpft, weil Kompositionen keinen Materialwert haben. Der amerikanische Philosoph Nelson Goodman hat in seinen \u00dcberlegungen zu f\u00e4lschbaren und nicht f\u00e4lschbaren Kunstformen darauf hingeweisen: Er stellte fest, dass sich eine Mozartsinfonie (bloss ein Beispiel) nicht f\u00e4lschen lasse. Eine m\u00f6glichst exakte Kopie einer Mozartpartitur ist keine F\u00e4lschung der Musik, sondern bloss eine weitere ihrer Niederschriften. \u00a0In der Bildenden Kunst hingegen sind das Werk und seine Materialisierung untrennbar miteinander verkn\u00fcpft, und damit sind Materialwert und Kunstwert identisch.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Die \u00abMarktgeschichte\u00bb eines Werks der Bildenden Kunst ist h\u00e4ufig die gleiche: Der K\u00fcnstler verkauft es zu einem bestimmten Preis und gibt es damit vollumf\u00e4nglich aus der Hand. Der Komponist hat demgegen\u00fcber mehr Einfluss auf den Lebenszyklus seiner Werke, zumindest solange er lebt. Er kann Interpretationsansweisungen nachschieben, oder Umarbeitungen und so weiter, und er profitiert auch in Form von Tantiemen und Auff\u00fchrungsrechten, wenn seine Musik popul\u00e4r wird und deshalb viel aufgef\u00fchrt oder gespielt wird.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Erh\u00f6ht sich der Wert der Werke des Malers oder Bildhauers \u2012 m\u00f6glicherweise weil er in Mode kommt oder seine Werke aus irgendwelchen Gr\u00fcnden sehr nachgefragt werden, werden diese zu einem deutlich h\u00f6heren (mittlerweile gar absurd h\u00f6heren) Preis weiterverkauft. Davon hatte der K\u00fcnstler im Gegensatz zum Musiker bislang im Prinzip nichts. Gesetzgeber sind deshalb auf die Idee gekommen, ein sogenanntes \u00abFolgerecht\u00bb einzuf\u00fchren, das Bildenden K\u00fcnstlern das Recht gibt, am Weiterverkauf ihrer Werke mitzuverdienen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Ein Folgerecht ist in der sogenannten \u00abBerner \u00dcbereinkunft zum Schutze von Werken der Literatur und Kunst\u00bb, einem v\u00f6lkerrechtlichen Vertragswerk, vorgesehen, das die Schweiz ratifiziert hat. In der EU gilt seit 2012 ein solches Folgerecht, in Liechtenstein seit 2006. \u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Der Berner BDP-St\u00e4nderat Werner Luginb\u00fchl m\u00f6chte nun, dass auch in der Schweiz N\u00e4gel mit K\u00f6pfen gemacht werden: Er hat im Schweizer Bundesparlament ein Postulat eingereicht, das in der\u00a0 anstehenden Fr\u00fchjahrssession behandelt werden soll und Schritte hin auf ein solches Folgerecht auch hierzulande vorsieht. Der Bundesrat soll \u00abin einem Bericht darlegen, welche L\u00f6sungen m\u00f6glich sind\u00bb. Der will das Postulat denn auch entgegennehmen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Luginb\u00fchl regt an, dass ein \u00abprozentualer Anteil der Folgerechtsabgeltung in einem Sozialfonds zugunsten von K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern ge\u00e4ufnet werden k\u00f6nnte. Dies sei auch bei den Urheberrechtsgesellschaften der Fall, die Anteile ihrer Gelder in eine F\u00fcrsorgestiftung ihrer Mitglieder legten. Festgeschrieben werden sollen die entsprechenden Bestimmungen im Urheberrechtsgesetz. \u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang B\u00f6hler \u00a0 21.02.2014 &#8212; K\u00fcnstler betonen gerne, dass Kunst keine Ware sei, erweisen sich aber manchmal auch als&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-1244","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-editorials","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1244","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1244"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1244\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1244"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1244"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1244"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}