{"id":1290,"date":"2014-03-17T09:44:12","date_gmt":"2014-03-17T09:44:12","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/03\/17\/migration-und-identitaet\/"},"modified":"2014-03-17T09:44:12","modified_gmt":"2014-03-17T09:44:12","slug":"migration-und-identitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/03\/17\/migration-und-identitaet\/","title":{"rendered":"Migration und Identit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/migration15314.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover Buch\" width=\"100\" height=\"149\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>Ein ausschlaggebendes Ph\u00e4nomen der Menschheit ist die Migration, die Wanderung \u2013 zu Fuss oder mit Transportmitteln \u2013 zwischen Gebieten, Grossr\u00e4umen, Erdteilen, Zivilisationen, Nationen. Wanderungsbewegungen spielen in der Entwicklung von Kulturen und deren wechselseitigem Austausch von G\u00fctern und Ideen, zudem in der Ausbildung der eigenen Identit\u00e4t eine bestimmende Rolle.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Ins Blickfeld der musikwissenschaftlichen Forschung gerieten Migration und Remigration erst im Zusammenhang mit den politischen und gesellschaftlichen Ereignissen des 20. und 21. Jahrhunderts. W\u00e4hrend die Reisefreudigkeit europ\u00e4ischer Musiker fr\u00fcherer Zeiten in vielen Publikationen dokumentiert, aber nicht unter dem Thema Migration abgehandelt ist, werden nun die kulturellen Austauschprozesse, die durch die Wanderbewegungen von S\u00e4ngern, Komponisten, Instrumentalisten und T\u00e4nzern in Gang kamen, ausgeleuchtet und diskutiert. Nicht nur ihr Schaffen profitierte von diesen regionalen und nationalen Grenz\u00fcberschreitungen und transkulturellen Verflechtungen, auch die ortsfesten K\u00fcnstler und die Verleger wurden durch Migranten in vielf\u00e4ltiger Art angeregt.<\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/migration15314.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover Buch\" width=\"100\" height=\"149\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>Ein ausschlaggebendes Ph\u00e4nomen der Menschheit ist die Migration, die Wanderung \u2013 zu Fuss oder mit Transportmitteln \u2013 zwischen Gebieten, Grossr\u00e4umen, Erdteilen, Zivilisationen, Nationen. Wanderungsbewegungen spielen in der Entwicklung von Kulturen und deren wechselseitigem Austausch von G\u00fctern und Ideen, zudem in der Ausbildung der eigenen Identit\u00e4t eine bestimmende Rolle.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Ins Blickfeld der musikwissenschaftlichen Forschung gerieten Migration und Remigration erst im Zusammenhang mit den politischen und gesellschaftlichen Ereignissen des 20. und 21. Jahrhunderts. W\u00e4hrend die Reisefreudigkeit europ\u00e4ischer Musiker fr\u00fcherer Zeiten in vielen Publikationen dokumentiert, aber nicht unter dem Thema Migration abgehandelt ist, werden nun die kulturellen Austauschprozesse, die durch die Wanderbewegungen von S\u00e4ngern, Komponisten, Instrumentalisten und T\u00e4nzern in Gang kamen, ausgeleuchtet und diskutiert. Nicht nur ihr Schaffen profitierte von diesen regionalen und nationalen Grenz\u00fcberschreitungen und transkulturellen Verflechtungen, auch die ortsfesten K\u00fcnstler und die Verleger wurden durch Migranten in vielf\u00e4ltiger Art angeregt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00abGlobalisierung ist nichts Neues. Neu ist, dass Auswirkungen der Globalisierung heute von vielen Menschen bewusst erfahren und zum Kernthema der politischen Debatte werden.\u00bb (Wolf Lepenies, Seite 11) Die aktuelle musikwissenschaftliche Migrationsforschung richtet ihren Blick nicht durch die nationalstaatliche Brille, sondern erkundet mit Einbezug sozial- und geschichtswissenschaftlicher Erkenntnisse die Vermischung und gegenseitige Befruchtung in Vokal- und Instrumentalmusik.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">2010 wurde im Deutschen Historischen Institut in Rom das Symposium \u00abMigration und Identit\u00e4t. Musikalische Wanderbewegungen seit dem Mittelalter und ihr Einfluss auf die Kompositionsgeschichte\u00bb durchgef\u00fchrt. Einen grossen Teil der dort gehaltenen Referate versammelt der vorliegende Band, ein Gemeinschaftswerk von 19 Autorinnen und Autoren. Die von Sabine Ehrmann-Herfort und Silke Leopold herausgegebene, vom B\u00e4renreiter-Verlag sorgf\u00e4ltig betreute Publikation vermittelt mit ausgew\u00e4hlten Beispielen musikkultureller Hybridisierungen in Form eines L\u00e4ngsschnitts durch die Geschichte musikalischer Wanderbewegungen vom Mittelalter bis heute, von Europa nach S\u00fcdostasien einen facettenreichen Einblick in ein spannendes Forschungsgebiet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Grunds\u00e4tzliche \u00dcberlegungen stammen von Wolf Lepenies (Das Zeitalter der Mobilit\u00e4t und die \u00dcbersetzbarkeit der Kulturen), von Silke Leopold (Musikwissenschaft und Migrationsforschung) und von Pieter C. Emmer (Migration and the making of a common European culture, 1500 \u2013 1800).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Den Entwicklungen in gr\u00f6sseren transnationalen R\u00e4umen widmen sich Anke B\u00f6deker (\u00abPeregrinatio pro musica\u00bb. Migration [im fr\u00fchen Mittelalter] als Wegbereiter transalpiner Austauschbeziehungen), Sabine Ehrmann-Herfort (Migration und Madrigal. Musikalische Wanderbewegungen und das Cinquecento-Madrigal in Florenz und Rom), Christian Storch (Wege portugiesischer Musikkultur nach S\u00fcdostasien im Kontext der europ\u00e4ischen Expansionspolitik des 16. und 17. Jahrhunderts) und Margret Scharrer (Kavalierstouren und Musiktransfer am Beispiel ausgesuchter Prinzenreisen [17.\/18. Jahrhundert]), Thomasz Jez (Die Breslauer Bibliotheca Rehdigeriana als Dokument der Migration des italienischen Stils in Europa) und Luca Aversano (Identit\u00e4ten im Spiegel. Das wechselseitige Bild von Deutschland und Italien im fr\u00fchen 19. Jahrhundert).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Mit Gattungen, Stilen und Werken befassen sich Michele Calella (Migration, Transfer und Gattungswandel. Einige \u00dcberlegungen zur Oper des 18. Jahrhunderts), Richard Wistreich (\u00abNach der jetzig Newen Italienischen Manier zur guten Art im singen sich gewehnen\u00bb. The \u00abtrillo\u00bb and the mechanics of migration of Italian noble singing), Vincenzina C. Ottomano (Migrazione e identit\u00e0 musicale. \u00abLe Flibustier\u00bb di Cezar\u2019 Kjui a Parigi) und Mauro Fosco Bertola (\u00abSo ward er unser\u00bb. Palestrina als deutsches Nationalsymbol im Berliner Rundfunk w\u00e4hrend der Weimarer Republik).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Aktuellere musikalische Migration zwischen Jamaika bzw. Korea und Europa behandeln die Beitr\u00e4ge von Daniel Siebert (Adaptionen der jamaikanischen Ska-music durch die Subkultur der Skinheads in Gro\u00dfbritannien), Lars-Christian Koch (Mobilit\u00e4t und Kulturtransfer in Prozessen musikkultureller Migrationen zwischen Europa und S\u00fcdasien), Hyesu Shin (Parallelwelten? Das Eigene und das Fremde in der Musik Koreas) und O-Yeon Kwon (Ver\u00e4nderungen im Tonsystem der traditionellen koreanischen Musik unter dem Einfluss westlicher Musik).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Andreas Gestrich fasst Erkenntnisse der Referate schwerpunktm\u00e4ssig zusammen (Migration und Kulturkontakte in der Musikgeschichte. Ein Kommentar aus der Perspektive der Historischen Migrationsforschung).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Beschlossen wird der durch seine F\u00fclle an Einsichten und Erkenntnissen anregende Band mit dem Personenregister und den Biografien der Autorinnen und Autoren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<strong><em>Zitat aus dem Buch:<\/em><\/strong> <br \/><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00abEin wichtiger Aspekt der kulturellen Vielfalt eines Nationalstaates ist die schon seit der pr\u00e4historischen Epoche vorhandene Geschichte der Bev\u00f6lkerungswanderungen. Migration ist ein Faktor, der in allen historischen Phasen der Globalisierung existierte. Die j\u00fcngste Phase seit 1950 ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass die gr\u00f6\u00dften transkontinentalen Migrationsstr\u00f6me politisch und \u00f6konomisch motiviert aus den ehemaligen Kolonialreichen in Richtung des westlichen Europa f\u00fchrten; regional wurde dies durch innereurop\u00e4ische Arbeiterbewegungen (meist von S\u00fcd nach Nord) verst\u00e4rkt. Hierbei entstanden in den westlichen Industriel\u00e4ndern neue kulturelle und ethnische Landschaften, von denen wichtige Impulse f\u00fcr den aktuellen Globalisierungsdiskurs ausgehen. F\u00fcr die Musikwissenschaft und insbesondere f\u00fcr die Popul\u00e4rmusikforschung spielen die Migrationskultur und die durch sie ver\u00e4nderten kulturellen Landschaften \u00a0eine besondere Rolle bei der Entstehung von popul\u00e4ren Musikstilen.\u00bb (aus dem Beitrag von Daniel Siebert, Seite 234f.) <em>(ws)<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0Info:<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Sabine Ehrmann-Herfort \/ Silke Leopold (Hrsg.): Migration und Identit\u00e4t. Wanderbewegungen und Kulturkontakte in der Musikgeschichte. Analecta musicologica Band 49. Ver\u00f6ffentlichungen der Musikgeschichtlichen Abteilung des Deutschen Historischen Instituts in Rom. B\u00e4renreiter-Verlag, Kassel 2013. 325 Seiten mit Abbildungen und Notenbeispielen. \u20ac 79,\u2013. Fr. 104.90.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/bilder2014\/migration15314.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover Buch\" width=\"100\" height=\"149\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>Ein ausschlaggebendes Ph\u00e4nomen der Menschheit ist die Migration, die Wanderung \u2013 zu Fuss oder mit Transportmitteln \u2013 zwischen Gebieten, Grossr\u00e4umen, Erdteilen, Zivilisationen, Nationen. Wanderungsbewegungen spielen in der Entwicklung von Kulturen und deren wechselseitigem Austausch von G\u00fctern und Ideen, zudem in der Ausbildung der eigenen Identit\u00e4t eine bestimmende Rolle.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\">Ins Blickfeld der musikwissenschaftlichen Forschung gerieten Migration und Remigration erst im Zusammenhang mit den politischen und gesellschaftlichen Ereignissen des 20. und 21. Jahrhunderts. W\u00e4hrend die Reisefreudigkeit europ\u00e4ischer Musiker fr\u00fcherer Zeiten in vielen Publikationen dokumentiert, aber nicht unter dem Thema Migration abgehandelt ist, werden nun die kulturellen Austauschprozesse, die durch die Wanderbewegungen von S\u00e4ngern, Komponisten, Instrumentalisten und T\u00e4nzern in Gang kamen, ausgeleuchtet und diskutiert. Nicht nur ihr Schaffen profitierte von diesen regionalen und nationalen Grenz\u00fcberschreitungen und transkulturellen Verflechtungen, auch die ortsfesten K\u00fcnstler und die Verleger wurden durch Migranten in vielf\u00e4ltiger Art angeregt.<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-1290","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1290","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1290"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1290\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1290"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1290"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1290"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}