{"id":130,"date":"2014-01-09T13:31:48","date_gmt":"2014-01-09T13:31:48","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/die-mendelssohn-sinfonien-3-und-4\/"},"modified":"2014-01-09T13:31:48","modified_gmt":"2014-01-09T13:31:48","slug":"die-mendelssohn-sinfonien-3-und-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/die-mendelssohn-sinfonien-3-und-4\/","title":{"rendered":"Die Mendelssohn-Sinfonien 3 und 4"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2012\/120427mendelssohn.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/><em>27.04.2012 &#8212;<\/em> \u00abMendelssohn hatte wahrscheinlich zusammen mit Mozart und Debussy das musikalisch sch\u00e4rfste Ohr, das es je gegeben hat.\u00bb Das sagt Heinz Holliger, der nun ja auch nicht gerade mit grobem H\u00f6rsinn ausgestattet ist. Und er redet Klartext, wenn\u2019s darum geht, festzustellen, weshalb Mendelssohn selbst heute noch eher als eineinhalbklassiger Komponist gilt. Richard Wagner habe alles musikalisch Brauchbare von ihm geklaut, um ihn anschliessend v\u00f6llig zu verneinen und ihn als Komponistenfigur auch menschlich zu zerst\u00f6ren, so Holliger.<\/p>\n<p> Das Gespr\u00e4ch mit dem brillanten Oboisten, Komponisten und Dirigenten im Booklet zu dieser CD ist etwas vom Besten und Anregendsten, was man in Booklets bisher gelesen hat \u2013 nicht nur zu Mendelssohn. Holliger spricht auch \u00fcber die Tempi, die Mendelssohns Musik verlangt: Nicht schleppen! Und dar\u00fcber, wie man sie runieren kann, dr\u00fcckt man auf die Tr\u00e4nend\u00fcsen. Diese Musik vertrage \u00abweder Gef\u00fchlsduselei noch Bombast\u00bb.<\/p>\n<p> Holliger betrachtet die \u00abSchottische\u00bb, die Sinfonie Nr. 3, als \u00abwohl perfektestes Orchesterst\u00fcck\u00bb Mendelssohns. Tats\u00e4chlich gelingt es ihm, zusammen mit dem Musikkollegium Winterthur, das ihm wendig und willig folgt und auf h\u00f6chstem Niveau bestes und inspiriertes Handwerk zeigt, das Werk in seidig-vibrierender Musikantik zum Leben zu erwecken. <\/p>\n<p> Mendelssohns Hang zum Narrativen kommt da ebenso zum Vorschein wie auch seine kontrapunktische Virtuosit\u00e4t, und gegen Ende glaubt man gar Vorahnungen auf Mahlers Sinfonien zu sp\u00fcren \u2013 in einer hintergr\u00fcndigen Volkst\u00fcmlichkeit und Leichtigkeit, f\u00fcr die Holliger sicherlich ein besonderes Ohr hat. <\/p>\n<p> Das \u00abnicht schleppen!\u00bb, das ja auch eine Lieblingsanweisung Mahlers war, nimmt sich Holliger in der \u00abItalienischen\u00bb, der Sinfonie Nr. 4, besonders zu Herzen. Da wirkt der Einstieg denn fast fiebrig und ungeduldig vorw\u00e4rtsdr\u00e4ngend. Der etwas gr\u00f6bere Pinsel, den Mendelssohn hier im Gegensatz zur \u00abSchottischen\u00bb verwendet, endet bei Holliger im letzten Satz in selbstdeklarierter \u00abWildheit und H\u00e4rte\u00bb, bei eher gegl\u00e4ttetem dynamischem Umfang. <\/p>\n<p> Holliger w\u00e4re nicht Holliger, machte er sich nicht auch Gedanken zur Editionsgeschichte des Werkes. So w\u00e4hlt er hier f\u00fcr die Einspielung die Zweitfassung, die erst 2001 vom Musikwissenschaftler John Michael Cooper verf\u00fcgbar gemacht worden ist und in den S\u00e4tzen zwei bis vier zum Teil erheblich von der \u00fcblichen Erstfassung abweicht.<\/p>\n<p> Die zweite ist in gewisser Hinsicht allerdings auch Fanal des Scheiterns. Mendelssohn selber hatte die Revision verworfen, nachdem es ihm nicht gelang, zu den revidierten S\u00e4tzen einen f\u00fcr ihn stimmigen ersten zu verfassen. Mendelssohns historische Skrupel sollten nicht unsere heutigen sein. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <em><span class=\"txt-s-black\"><span style=\"font-size: x-small;\">Felix Mendelssohn Bartholdy: Symphonies, No. 3 \u00abThe Scottish\u00bb, No. 4 \u00abThe Italian\u00bb (Second Version), Musikkollegium Winterthur, Heinz Holliger. Dabringhaus und Grimm, MDG 901 1663-6.<\/span> <\/span> <\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>27.04.2012 &#8212; \u00abMendelssohn hatte wahrscheinlich zusammen mit Mozart und Debussy das musikalisch sch\u00e4rfste Ohr, das es je gegeben hat.\u00bb Das&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-130","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/130","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=130"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/130\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=130"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=130"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=130"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}